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Die "Kriegschronik" ist wieder lieferbar / Eine damals zwölf Jahre junge Augenzeugin erinnert sich

Schwere Kämpfe am Ortsrand von Luhden

Luhden. Eine bislang eher wenig bekannte Tragödie hat sich in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges in Luhden zugetragen. Der Bericht über das Geschehen, der sich bislang nur auf US-Quellen stützen konnte, ist jetzt erstmals durch eine Augenzeugin aus dem Dorf untermauert worden, die zum Zeitpunkt der Kämpfe zwölf Jahre alt war.

Autor:

Ralf-Markus Lehmann

Am Morgen des 8. April 1945 rückten amerikanische Einheiten in Luhden ein. Das Wetter war an diesem Tag durchwachsen, vormittags durchgehend bewölkt, nachmittags aufklarend, mit ausreichenden bis guten Sichtverhältnissen. Die Befehle wurden an die deutschen Kampftruppen unmissverständlich erteilt und waren eng an die Hoffnung des Endsieges geknüpft. Zahlenmäßig weit unterlegen und ohne schwere Waffen, stellten die Führer ihre Soldaten den anrückenden Alliierten in den Weg. Die Strategie bestand im Jagd- bzw. Abwehrkampf. Soldaten der 84. U.S.-Infanteriedivision hatten sich bis zum Abend des Vortages an den Eisbergener Pass vorgearbeitet, von wo aus sie noch kurze Erkundungsmärsche bis nach Schermbeck unternahmen und dann noch einige Stunden Nachtruhe hatten. Um 0.35 Uhr, erging der Befehl, die Lkw zu laden und aufzusitzen. Ziel: Hannover! Ein gewisses Durcheinander entstand zunächst in der Dunkelheit. Die GI´s waren müde und stiegen zum Teil auf die falschen Lkw. Eine Gruppe von U.S.-Offizieren diskutierte über Umgehungsmöglichkeiten der gesprengten Autobahnbrücken bei Schermbeck und Luhden. Die Infanterie saß auf Panzern und Lkw auf und trat zum Vormarsch Richtung Luhden an. U.S.-Captain, Frank R. Frink, erinnert sich an jene Nacht: "Unsere Karten waren oft nicht brauchbar und manchmal wussten wir nicht genau, wo wir waren. In einem kleinen Ort sah ich ein zum Teil verstecktes Straßenschild, welches auf diesen winzigen Ort hinzeigte. Dadurch kamen wir wieder auf die richtige Straße." Gegen 5 Uhr trafen die Amerikaner auf einen intakten deutschen Panzer, der wohl wegen Treibstoffmangels verlassen wurde, erreichten bei Tagesanbruch den westlichen Ortsrand von Luhden. Ein Einwohner kam den Amerikanern entgegen und warnte sie vor einer Straßensperre hinter der nächsten Kurve. Er empfahl ihnen, eine andere Straße am Dorfrand zu benutzen. Die Kolonne setzte sich wieder in Bewegung und traf dabei auf zwei gerade anfahrende Busse der Wehrmacht, nach amerikanischen Angaben voll besetzt mit Angehörigen der Luftwaffe, gefolgt von einem Kommandofahrzeug in Form einer Limousine. Der U.S.-Offizier, Capt. Frank R. Frink, begab sich an ein schweres Maschinengewehr und eröffnete das Feuer auf die Busse. Fast gleichzeitig feuerten auch die anderen mit allem, was zur Verfügung stand, Panzern, Maschinengewehren und Gewehren auf die drei Fahrzeuge und schossen sie förmlich zusammen. Von einem Jeep wurde mit einem schweren Maschinengewehr der deutsche Pkw unter Feuer genommen, dessen Fahrer zu entkommen versuchte. Er schaffte es, noch auszusteigen, bevor sein Kopf von einem Geschoss getroffen wurde. Die Insassen der beiden Busse versuchten, die nahe gelegenen Häuser zu erreichen. Viele wurden getroffen und fielen um die Busse herum zu Boden. Ebenso viele verblieben in den Bussen. Der amerikanische Führer einer Gruppe, Pfc. Jack Hyland, stieg mit einigen seiner Männer in die Busse und hatte den Anblick noch bis zu seinem Tod im Jahre 2005 vor Augen: aufgeplatzte Köpfe, überall Fleischfetzen und Unmengen an Blut ... Da einige Deutsche in den Häusern und dahinter Unterschlupf fanden, begann jetzt ein relativ rücksichtsloses Durchsuchen aller Häuser in Luhden. Es war Sonntagmorgen und trotz der Kämpfe schliefen viele Bewohner noch, sodass sie sich plötzlich zwischen Soldaten wiederfanden. Es war ein Durcheinander, wobei sich die Verteidiger in mehreren Häusern zum Abwehrkampf gegen die Amerikaner rüsteten. Damit wurde die Durchsuchung sehr gefährlich und zeitaufwendig. Straßenkreuzungen und Hausecken wurden von den Amerikanern mit Sicherungsposten versehen, um die Durchsuchung überhaupt zu ermöglichen. Die GI´s betraten die Häuser ein wenig verschämt in Anbetracht der Tatsache, dass ihnen viele Bewohner in Schlafanzügen entgegentraten. Schließlich griffen die U.S.-Panzer in das Geschehen ein, woraufhin deutsche Soldaten aus den Häusern kamen und sich ergaben.




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