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„Schwedenfindling“ auf dem Deisterkamm eingeweiht

BAD MÜNDER. Ein wenig Enttäuschung beim Erstkontakt: „Der ist aber klein. Ich dachte, der wäre so groß wie ein Hinkelstein von Obelix“, sagt einer der beiden Jungen, die um das neue Naturdenkmal hoch oben am Deisterkamm herumtoben. Ein Experte sieht das anders.

Mineralwassertaufe des Schwedenfindlings: Gunnar Meyer von der Region Hannover, Wanderin Birgit Lattmann aus Kirchdorf, Geologe Dr. Wolfgang Irrlitz, und Dr. Franz-Jürgen Harms von der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover sind dabei. Foto: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

Es sei schon ein besonderes Glück, dass der eiszeitliche Gast aus dem südschwedischen Schonen mit seinen 100 Kilo immerhin noch so groß sei, erklärt Dr. Wolfgang Irrlitz. „Je kleiner die Fundobjekte sind, desto schwerer findet man sie nämlich“, sagt der Geologe mit internationaler Erfahrung.

Rund 500 Millionen Jahre sei der leicht rötlich schimmernde, glattgeschliffene Stein aus Quarzit alt. „Der untere Stein dagegen ist nur 100 Millionen Jahre alt und ein weicherer Sandstein aus der Nordostflanke des Deisters“, erklärt der 78-Jährige zum neuen Naturdenkmal. Unterstützt durch Mittel der Lotto-Bingo-Stiftung und der Region Hannover ist der „Schwede“ mit vier Edelstahlklammern wie ein wertvolles Schmuckstück auf dem riesigen Block Deistersandstein drapiert worden.

Für Prof. Dr. Klaus Jürgens von der Naturhistorischen Gesellschaft (NGH) aus Hannover ist der Fundort die eigentliche Überraschung. „Es ist überhaupt ein Wunder, dass er es bis hierher geschafft hat“, sagt er. Über 500 Kilometer habe der Stein mit dem Eis zurückgelegt. Drei Eiszeiten habe es in Norddeutschland gegeben. „Der Schwedenfindling ist vermutlich mit der ersten, der Elster-Eiszeit, zu uns gekommen“, so Jürgens. Entscheidend aber sei, dass durch ihn der Nachweis geführt werden könne, dass der gesamte Deister unter einer dicken Eisschicht gelegen habe. „Bislang dachte man, dass der Kamm so wie der Harz aus dem Eis herausgeragt habe. Der Schwedenfindling beweist uns das Gegenteil“, stellen die Fachleute fest.

Den Plan zur Präsentation des „Schweden“ hatte die Naturhistorische Gesellschaft, macht Jürgens deutlich. Gemeinsam mit Gunnar Meyer, dem seinerzeit verantwortlichen Mitarbeiter der Region, die den Stein zum Naturdenkmal erklärt hat, taufte er jetzt das eiszeitliche Objekt auf den Namen „Schwedenfindling“. Leider in völliger Abwesenheit von Vertretern sämtlicher Anrainer-Kommunen.

„In seiner Höhenlage wird er von keinem anderen Fund übertroffen. Die kleineren Feuersteinringe liegen mit 270 Höhenmetern deutlich niedriger. Es ist im Süden Niedersachsens der mit 365 Metern an der höchsten Stelle angetroffene Findling“, stellt Jürgens die Bedeutung des Findlings heraus. Die Besucher der Einweihung erfuhren von Dr. Franz-Jürgen Harms von der NGH anhand von Skizzen- und Fotomaterial allerlei Wissenswertes über den Findling. Der ließ die Taufe mit Mineralwasser zwar gelassen über sich ergehen, doch fast schien es, als ob die wie ein Gesicht aussehenden drei kleinen merkwürdigen Löcher an einer seiner Seiten grinsten. „Sieht echt geheimnisvoll aus. Wie ein Gesicht. Ob der wirklich von dieser Welt ist?“, mutmaßte ein Besucher. Vielleicht birgt ja der uralte Gast aus Schweden noch so manche Geschichte.



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