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Der Kreis Holzminden ist der demografischen Entwicklung des Landes sieben Jahre voraus

Schulmodelle für den ländlichen Raum gesucht

Bodenwerder (ul). Der Landkreis Holzminden hat die dramatisch rückläufige Geburtenentwicklung anhand der Daten der Einwohnermeldeämter erfasst, demnach gab es 1992 noch 853 Geburten im Landkreis – 2007 wurden nur 504 Babys im Kreis Holzminden geboren. „Wir sind der landesweiten demografischen Entwicklung um sieben Jahren voraus“, sagt der Leiter des Schulamtes Holzminden, Hermann Schütte. Damit sinkt auch die Zahl der Grundschüler im Landkreis Holzminden recht dramatisch – von 733 Einschulungen im Jahr 2008 auf 535 im Jahr 2017.

Vertreter des Schulamtes und die Dezernentin für Schule, Jugend und Soziales des Kreises Holzminden, Anja Krause, sprachen am Dienstag in Hannover mit der Landesschulbehörde und mit Regierungsvertretern über die Zukunft der Schullandschaft im strukturschwachen Kreis Holzminden. Schütte: „Dabei wurde das Befragungsergebnis zur IGS in Bodenwerder analysiert. Auch nachdem Willi Bost und Ernst-August Wolf eine zweite Umfragekampagne gestartet haben, beträgt der Rücklauf kreisweit nur 30 Prozent, wobei 77 Prozent der abgegebenen Stimmen aus der Samtgemeinde Bodenwerder stammen.“ Mit nur 114 unverbindlichen Zustimmungen, ohne Beachtung des künftigen Rückgangs der Schülerzahlen, sei die vom Land geforderte Fünfzügigkeit zur Errichtung einer IGS nicht erreichbar. Deshalb wollte die Kreisverwaltung wissen, welche Vorstellung die Landesschulbehörde als untergeordnete Behörde unter dem Kultusministerium für die Schulentwicklung im ländlichen Raum hat. „Wir haben viele Möglichkeiten diskutiert“, berichtet Schütte. Diese Ideen will die Kreisverwaltung jetzt mit dem Landrat und mit den Samtgemeindebürgermeistern erörtern. „Das wollen wir auf breiter Ebene vorbereiten und noch in diesem Jahr ein Gespräch mit dem Kultusministerium führen.“

Als Grundlage dient die Fortführung des Schulentwicklungsplanes für den Kreis Holzminden. Bis auf Boffzen wurden bereits alle Träger der Grundschulen abgefragt, welche Vorstellungen sie zum Schulstandort in ihren Gemeinden haben. „Diese Vorstellungen wollen wir verarbeiten, wir sind dafür in einer kreativen Phase in Zusammenarbeit mit der Landesschulbehörde, die uns berät, was überhaupt möglich ist.“ Dazu gehört auch, „dass das Campe-Gymnasium einen erhöhten Raum- und Sanierungsbedarf hat und Ganztagsschule werden will“. Auch die Zukunft der drei Förderschulen soll überdacht werden. „Wir wollen gern eine Modellregion für die Schulentwicklung unter demografischen Aspekten im ländlichen Raum sein, wobei Modellschulen wissenschaftlich begleitet werden müssen, und die Genehmigung dazu kann nur das Kultusministerium erteilen.“

In Bodenwerder wird die Hauptschule derzeit einzügig gefahren, das geht aber nicht, sie wird eine Schulverwaltung mit der Realschule bilden müssen. Diese Kooperationen gibt es bereits in Stadtoldendorf und Eschershausen zwischen Real- und Hauptschule. Schütte: „Wir brauchen flexiblere Modelle für unseren Bereich mit den geringen Schülerzahlen, um unsere Standorte attraktiv zu gestalten.“

Ab 2011 werden in der Hauptschule Eschershausen erstmals weniger als zehn Kinder eingeschult. Auch die Realschule Eschershausen wird dann mit unter 27 Schülern pro Jahrgang einzügig.

Bei den Realschulen wird bisher eine Zweizügigkeit vorausgesetzt. Die ist bei den Realschulen in Bevern und Eschershausen nicht mehr gegeben, einzügig sind hier bereits die Klassen 5, 6, 9 und 10 in Bevern und die Klassen 6 und 9 in Eschershausen. Beide Realschulstandorte sind in den kommenden sieben Jahren gefährdet. Verstärkt wird die Situation an den Realschulen, weil immer mehr Kinder pro Jahrgang die Gymnasien in Holzminden und Dassel besuchen. Diesen Umstand begrüßt der Samtgemeindebürgermeister von Eschershausen, Friedrich Mönkemeyer, „weil es das Bestreben aller sein muss, so viel wie möglich Hochschulabsolventen in der Zukunft zu bekommen. Gleichwohl reduziert dieser Aspekt die Schülerzahl an Haupt- und Realschulen“.

Auch bei einer vierzügigen KGS reichen die Schülerzahlen der neuen SG Bodenwerder-Polle nicht aus, um diese mit Schülern zu füllen. Bis 2020 werden die Schülerzahlen in beiden fusionierten Samtgemeinden Bodenwerder/Polle und Eschershausen/Stadtoldendorf um 40 Prozent sinken. Das ist der Statistik des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung zu entnehmen.

Im Schulentwicklungsplan geht es auch um den Standort der Zwergschulen, mittelfristig gefährdet sind die Grundschulen in Kirchbrak, Neuhaus, Ottenstein und Stadtoldendorf. In Heinsen gab es 2007 nur noch fünf Einschulkinder, in Ottenstein elf, in Polle zehn, in Brevörde zwei und in Vahlbruch ein Einschulkind.

Auch in Hehlen zeichnet sich ein rückläufiger Trend ab: Derzeit sinken die Grundschülerzahlen von 80 in diesem Jahr, 72 im kommenden, bis hinab zu 55 im Jahr 2015. Allerdings ist der Bestand der Grundschule Hehlen bis 2015 gewährleistet.




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