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Schauerlich-schöne Stunden auf Schloss Marienburg

Schritte auf den Fluren und flackernder Kerzenschein…

Pattensen. Schloss Marienburg zählt zu den bedeutendsten neugotischen Baudenkmälern Deutschlands. Das ist zwar schön, aber wem nützt das schon, der auch mal hinter die Kulissen schauen will – und dann auch noch bei Nacht? Und was passiert überhaupt, wenn die Dunkelheit hereinbricht? In Gemächern und Turmzimmern flackern Kerzenlichter und Schatten huschen über Flure. Wer sich nicht ängstigt vor den Gespenstern der Dunkelheit, der kann seit vergangener Woche Nachtführungen auf Schloss Marienburg erleben.

Autor:

Jean LeGrand

Indiskretionen bei flackerndem Kerzenlicht: Die Tore von Schloss Marienburg öffnen sich fürs Volk. Die Hofdame von Königin Marie vermittelt ihren Gästen ein eindrucksvolles Bild von der spannungsgeladenen Atmosphäre in diesem Prachtbau am Vorabend ihrer endgültigen Abreise ins Exil. Die Koffer sind gepackt, und ihre Majestät, Königin Marie, und ihre Tochter Mary haben sich nebst verbliebenem Hofstaat bereits in ihre Gemächer und Kammern zurückgezogen. Es ist die Nacht des 22. Juli 1867 auf Schloss Marienburg. In aller Frühe wird man Schloss Marienburg, die letzte und geliebte Bastion in der Heimat, verlassen müssen und mit Gefolge König Georg V ins Exil nach Österreich folgen.

Aber es dringen merkwürdige Geräusche an das Ohr von zufällig im Schlosse weilenden Besuchern – waren da nicht trippelnde Schritte im vermeintlich nachtschlafenden Schloss zu vernehmen? Hört man dort nicht die wehmütigen Klänge einer Harfe? Ach, es ist die Hofdame ihrer Majestät, die, wie viele andere in dieser Nacht, keine Ruhe findet und sich die trüben Gedanken an eine ungewisse Zukunft mit Harfenspiel und schönen Erinnerungen an ihre Zeit im Schloss, an seine Gründung, das erste Weihnachtsfest und das Leben mit der königlichen Familie vertreibt.

Als sie unvermutet auf eine Schar von Besuchern stößt, ist sie froh über die unerwartete Ablenkung. Denn das Herz der Hofdame liegt in dieser Nacht wahrhaft auf der Zunge – und während sie die Besucher durch das nur hier und da von flackerndem Kerzenlicht erhellte Schloss führt, plaudert sie munter drauf los und gewährt dabei einige tiefe Blicke in das Leben und die Gefühlswelt der königlichen Familie in diesen dramatischen Zeiten. Man erfährt und hört so einiges…

Nun ja, was wäre die Welt des Adels und der Prominenz ohne die Indiskretionen der unmittelbar Vertrauten?

Noch bis Sonntag, 1. November wartet die Hofdame der Königin jeden Mittwoch zur nächtlichen Stunde um 21 Uhr auf weitere Ablenkung und nächtliche Besucher auf Schloss Marienburg. Um Anmeldung wird gebeten:

0 50 69 / 407

Die Marienburg, 20 Kilometer südlich von Hannover und etwa 15 Kilometer nordwestlich von Hildesheim gelegen, wird in den kommenden Wochen jeden Mittwochabend ab 21 Uhr für besondere Führungen geöffnet.




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