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„Es sieht gut aus“ für die Kandidaten von CDU und FDP / SPD kommt erst nach der Zitterpartie

Schon vorm Ergebnis wird tüchtig gefeiert

Hameln. Die große Dewezet-Wahlparty beginnt schon lange vor der ersten Prognose um 18 Uhr: Die „Piraten“ haben vor der Zeit den Medienraum geentert und haben voller Optimismus ein paar Stehtische mit ihren Fahnen dekoriert. Die politische „Kaperfahrt“, so zeigt sich wenig später, als im Fernsehen die ersten Hochrechnungen verkündet werden, hat sich offenbar gelohnt: Applaus brandet auf unter denen in schwarz-orangefarbenen T-Shirts, als verkündet wird, dass die Piraten-Partei unter allen „Sonstigen“ das beste Ergebnis erzielt hat. Reicht zwar nicht für ein Mandat, wohl aber für einen Denkzettel.

Autor:

Christa Koch

Hier steht Dr. Marcus Schaper, Kandidat der Grünen, Christian Ott Rede und Antwort.

Fotos: Dana, wal

Aufstöhnen an den Stehtischen

An dem haben vor allem die Etablierten zu knabbern: In Schleswig-Holstein, wo zeitgleich Landtagswahlen stattgefunden haben, zeichnet sich eine wenn auch dünne Mehrheit für das bürgerliche Lager ab, in Brandenburg hingegen wird wohl die Linke die zweitstärkste Kraft im Landtag. Aufstöhnen an den Tischen im Dewezet-Lesercafé angesichts dieser ersten Ergebnisse, und das keineswegs allein bei den Konservativen unter den Gästen.

Schon kurz vor halb sieben zeichnet sich ab, was Meinungsforscher in den letzten Tagen kaum mehr zu prophezeien wagten: Es gibt eine deutliche Mehrzeit für Schwarz-Gelb. Danach fährt die SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein, während vor allem die FDP deutlich dazugewinnt. Auch die Grünen können punkten, aber es wird nicht reichen. „Ich bin schockiert“, kommentiert Ursula Wehrmann, grüne Fraktionsvorsitzende im Hamelner Rat, die ersten Zahlen. Das vorrangige Ziel, die bürgerliche Mehrheit zu verhindern, habe ihre Partei verfehlt. So müsse man sich auf längere Laufzeiten für Kernkraftwerke einrichten und eine „Politik der sozialen Kälte“. Die FDP, die Steuersenkungen immer wieder versprochen habe, müsse jetzt sagen, wie sie das umsetzen wolle, ohne die Last nachfolgenden Generationen aufzubürden. Immerhin meint der örtliche Kandidat Dr. Marcus Schaper in Erwartung des heimischen Ergebnisses: „Wir haben viele gute Gespräche geführt.“

3 Bilder
Der Christdemokrat Klaus Arnold ist einer der ersten, der Gabriele Lösekrug-Möller zu ihrem neuerlichen Mandat gratuliert.

Gute Gespräche – von denen glaubt auch Martina Tigges-Friedrichs zu profitieren. Ihre Partei, die FDP, hat immerhin kräftig zugelegt, sie selbst versucht’s auch, und zwar mit Essen – Boulette und Schmalzbrot dienen vorerst als Nervennahrung für die Liberale auf Platz 12 der Landeliste. „Hat doch hingehaun“, meint Heinrich Fockenbrock gelassen. Der Vorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion glaubt unerschütterlich an ein Mandat für seine Partei, auch wenn die anderen aus der FDP, die sich im Lesercafé versammelt haben, eher sagen: „Es sieht gut aus, aber es ist noch nichts klar.“ Die Niedersachsen-Ergebnisse fehlen.

Währenddessen lässt sich Hans Peter Thul, der der Liberalen jetzt das Du anbietet, schon mal feiern. der Kandidat der CDU im Wahlkreis 47 – er sitzt bereits im Bundestag – will zwar „in aller Demut“ die überregionalen Ergebnisse abwarten, glaubt er fest daran, dass er wieder nach Berlin kommt, wen auch vielleicht mithilfe der Landesliste. Seine Parteikollegin Ursula Körtner MdL hingehen ist vorsichtiger: Auf die Frage, ob sie ein so positives Ergebnis für das bürgerliche Lager erwartet habe, antwortet sie: „Ich bin seit 30 Jahren in der Politik. Da hat man keine Erwartungen, allenfalls Hoffnungen.“

Das gilt auch für Jutta Krellmann. Die Kandidatin der Linken, die in diesem Bundestagswahlkampf zum ersten Mal angetreten sind, kann (natürlich) kein Direktmandat holen, ist aber im Großen und Ganzen zufrieden. Ihre Anhänger sind es offensichtlich auch, liegt „Die Linke“ doch in etlichen Wahllokalen vor FDP oder den Grünen.

Während das Catering-Team der Dewezet die Gäste weiterhin mit Essen und Getränken versorgt und Moderator Thomas Thimm, unterstützt von Christian Ott (Radio Aktiv) und einem Technik-Team der Dewezet, permanent die aktuellsten Ergebnisse bekannt gibt und mit den Spitzenpolitikern plaudert, wartet alles auf „Lömö“. Gabriele Lösekrug-Möller, die Kandidatin der SPD, die den Wahlkreis beim letzten Mal direkt eroberte, drängt sich derweil mit ihren Getreuen in der SPD-Zentrale in der Heiliggeiststraße vor dem Computer. Es ist eine Zitterpartie.

„Lömö“ kommt mit Blumen und Freunden

Endlich, kommt Lömö zur Dewezet, mit einem Blumenstrauß und einer stattlichen Zahl von Anhängern. Auch wenn noch nicht bis zum Schluss ausgezählt ist, so gibt sie sich doch siegesgewiss: „Das ist nicht mehr aufzuholen.“ Soll heißen: Gabriele Lösekrug-Möller ist „drin“, hat den Wahlkreis direkt gewonnen, in Hameln-Pyrmont etwas weniger deutlich als in Holzminden. Dass die SPD trotz allem kein gutes Ergebnis einfahren konnte, bekümmert alle Sozialdemokraten hier in der Dewezet, aber ihre Vorturnerin gewinnt dem Ganzen etwas Positives ab: „Von uns hier kann man lernen, wie man gegen den Strom schwimmt.“ Bei der „Elefantenrunde“ schlagen sich alle ganz wacker – und dann wird gefeiert. Heute ist schließlich auch noch ein Tag.




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