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Schon bald das Tal der Ahnungslosen?

Egestorf. Sich einen Film im Internet anzugucken, kann in Egestorf zu einer Jahresaufgabe werden. Die Teilnehmer der Bürgerversammlung können ein Lied davon singen, wie nervtötend allein das Verschicken eines Bildes sein kann. Enttäuscht, dass sich so lange nichts tue, hat sich der Dorfverein Egestorf Anfang des Jahres der Aufgabe gestellt, eine Lösung zu finden: Von der momentanen Geschwindigkeit, wenn man bei 884 kB davon sprechen kann, soll es auf 16 Mb gehen.

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Mit dem Problem der Umsetzung beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe, die sich aus dem Dorfverein zusammengesetzt hat. Dazu gehört Heinz-Wilhelm Gieseke, Abteilungsleiter eines großen Versicherungskonzernes. Für ihn steht fest: „Nur die Anbindung an ein Glasfasernetz hat Zukunft.“

Und eigentlich sei es ganz einfach: Von der Wallstraße in Bakede muss ein Kabel zum Verteiler am Bahnhof in Egestorf gelegt werden – etwa 1100 Meter. Die Kosten dafür liegen zwischen 30 000 und 50 000 Euro, je nachdem ob ober- oder unterirdisch verlegt wird. Für die Aufrüstung des Verteilerkastens würden noch einmal 30 000 Euro fällig. „Wir sprechen hier also von einem Gesamtvolumen von maximal 80 000 Euro“, so Gieseke. „Wenn ich bedenke, dass vor Jahren 1,3 Millionen für die Aktion ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ investiert wurden, und jetzt Geld für diese Investition fehlt, ist das unbegreiflich.“ In seinen Gesprächen mit Vertretern des Landkreises sei jedoch deutlich geworden, dass von dieser Seite nicht mit finanzieller Unterstützung zu rechnen sei.

Deshalb sei eins klar: „Wir müssen eigeninitiativ tätig werden, wenn wir nicht das Tal der Ahnungslosen werden möchten“, so Gieseke. Kommende Woche wolle er sich mit Eon in Verbindung setzen. Eine kostengünstige Möglichkeit für die Kabelverlegung wäre nämlich, die Gasleitungen des Energieanbieters zu nutzen. Außerdem hoffe die Arbeitsgruppe auf EU-Fördermittel, die bis zu 60 Prozent der Kosten decken würden. Das seien bisher jedoch alles noch Spekulationen.

Die Telekom habe ihm signalisiert, bei einer entsprechend hohen Nutzerzahl die Kosten für die Aufrüstung zu übernehmen. „Sollte das so klappen und die Förderung seitens der EU ebenfalls fließen, bliebe eine Deckungslücke von 22 500“, rechnet Oliver Wesemann vor. Allein durch die Kostenersparnis von der Funk-Flatrate (47 Euro) zu der Standard-Flatrate der Telekom (35 Euro) hätten sich die Kosten von 250 Euro – ausgehend von 90 Teilnehmern – nach zwei Jahren amortisiert.

Die Hürde liege nun darin zu ermitteln, wie viele Anwohner wirklich Interesse an einer schnellen Leitung haben – und bereit wären, dafür finanziell in Vorleistung zu treten. Bei der Bürgerversammlung im Schützenhaus waren gut 40 Teilnehmer. Egestorf hat 170 Haushalte, von denen wohl 90 einen Internetanschluss haben. Während der Versammlung wurde die Befürchtung laut, dass auch die von der Initiative profitieren würden, die sich finanziell aber nicht beteiligten. „Für dieses Problem habe ich auch keine Lösung, wäre aber bereit, darüber hinwegzusehen“, sagt Gieseke. Überlegungen, wie das Geld eingesammelt werden könnte, in Form eines Vereines oder einer Genossenschaft, wurden erst einmal zurückgestellt. Zuerst müsse die tatsächliche Bereitschaft festgestellt werden.

Hinter dem Engagement steckt eine tiefe Angst, die Michael Schepke auf den Punkt bringt: „Dass der Ort ausstirbt.“ Der Vorsitzende des Dorfvereins verteilte zum Abschluss des Versammlung Listen, die von den Interessierten ausgefüllt werden sollen.

Ortsbürgermeister Rolf Wittich dämpfte die entstandene Euphorie: „Eins muss ganz klar sein, wenn die Funk-Anbieter von diesen Plänen erfahren, hören sie ganz schnell auf mit ihren Prüfungen vor Ort und sind weg.“ Momentan prüfe wohl tatsächlich ein Anbieter die Funklösung in Egestorf. Die Argumente der Gegner liegen in der geringen Geschwindigkeit, die zudem mit jedem weiteren Nutzer abnehme. col



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