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Warum ich mit Rosi und Hansi mal wieder auf Schussfahrt gehen könnte

Schnee von gestern

Geschafft, endlich Wochenende. So langsam geht mir meine Bewegungsarmut doch ziemlich auf den Geist. Meist reicht es wochentags im Arbeitsalltag ja doch nur zum Pendeln zwischen Schreibtisch und Kaffeemaschine. Wenigstens Lust auf Spaziergang am Abend? Na ja, geht so. Raus bei Schietwetter? Auf keinen Fall! Mir könnte es da ganz sicher wie vielen von Ihnen gehen: kein Betrieb in den Sportvereinen, Fitnessstudios dicht, nicht mal die private Walkinggruppe findet statt. Ein Gefühl von: So langsam gehe ich echt mal am Stock!

Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Ressortleiter zur Autorenseite

Aber dieses Wochenende soll es anders werden. Vielleicht eine Wanderung; vielleicht folge ich auch mal wieder der Inspiration der lieben Gattin! Aber dazu später mehr.

Beim Gedanken an mehr Sport und Bewegung jedenfalls kommen mir spontan die Ski-Stars vergangener Zeiten in den Sinn: der Toni, die Rosi, der Hansi und der Franzl. Hey, schließlich ist Winter und ein bisschen Schnee hatten wir ja auch schon. Und da denke ich gern an meine Wochenenden der frühen 1980er Jahre zurück: Erst mal gab es da noch Schnee, aber so richtig. Und zum anderen waren meine Wochenenden gespickt mit sportlichen Aktivitäten, nicht so lahm und unmotiviert wie heute.

Nicht mal zehn Jahre alt dürfte ich gewesen sein, da hatte ich in den Winter-Wochenenden außer Sport nicht viel im Sinn. Der Sonntagmorgen war das ultimative Highlight. Meist war die Schussfahrt am Ende das Allerbeste. Jeden Hügel sicher gemeistert, jede Unebenheit am Hang durch Gewichtsverlagerung in der Hocke in Maximal-Geschwindigkeit transformiert. Mit Tempo in den Zieleinlauf – auch wenn unten im Ziel die Oberschenkel heftig schmerzten, ich war riesig glücklich. Ich hätte die Welt umarmen können – damals, als prominente Ski-Rennläufer wie Hansi Hinterseer gottlob noch keine Schlager sangen. „Wenn wir twisten auf den Pisten“… sage ich da nur…

Hinterseer war gewissermaßen Vater meines sportlichen Sonntagserfolgs – gemeinsam mit Franz Klammer, Toni Sailer und Rosi Mittermaier. Haben Sie dieselbe Erinnerung wie ich? Sonntagmorgen, 10 Uhr? „Tele-Ski“ im Ersten? Ski-Gymnastik für alle Zuhausegebliebenen mit der Kamerafahrt von einer Weltcup-Abfahrtspiste zum Ende der Sendung. Genial – eine absolute Herausforderung!

Dass ich in dieser Weise auch die berüchtigte Kitzbühler Streif („Die Streif is’ a Wahnsinn!“) gemeistert habe, lag – davon bin ich fest überzeugt – an der harten Vorbereitung, mit der ich damals schon am Samstagnachmittag begann. Programmwechsel: Zweites Deutsches Fernsehen. Es muss 83 oder 84 gewesen sein. Samstag, so um 16 Uhr herum. „Enorm in Form“: Leggings, Stulpen, Stirnbänder – Vorturner, gekleidet in Pink und Türkis – und das in Kombination – animierten zur Tele-Aerobic. Bunt und schrill, eben 80er Style, nicht nur die Sportbekleidung, sondern das gesamte Erscheinungsbild des TV-Studios. Was mich daran fasziniert hat, weiß ich heute ehrlich gesagt nicht mehr so ganz genau. In der Nachschau mag es vielleicht dieselbe Motivation gewesen sein, die mich als Prä-Pubertierender auch dazu gebracht hat, im Quelle-Katalog akribisch die Unterwäsche-Abteilung durchzublättern. Immerhin: Genützt hat es ja was. Und wenn es nur heutige Erinnerungen an vergangene Sporterfolge sind. Für den Sonntag war ich damals jedenfalls fit.

Aber zurück zur Gattin: Warum schwelge ich überhaupt in diesen TV-Sport-Erinnerungen?

Als ich vor einigen Tagen zurück zur Kaffeemaschine pendelte, stockte mir der Atem. Sie lag auf dem Wohnzimmerboden und regte sich nicht. Fast hätte ich schon den Notarzt gerufen, da bemerkte ich ein leises Stöhnen – und ein Handy, das neben ihr auf dem Teppich lag. Es lief ein „Workout“ bei Youtube – ein wenig anders und moderner als damals bei Rosi. Und dann regte sie sich doch! Langsam, aber bestimmt. „Lach jetzt bloß nicht“, herrschte sie mich an – klar, dafür hatte sie offensichtlich noch Luft! Gelacht habe ich dennoch. Meinen Respekt hat sie trotzdem; und nun überlege ich immerhin, ob ich es an diesem Wochenende auch mal mit solcher Art Sport versuchen sollte.

Ich bin geneigt, die Tele-Ski-Sendungen von damals aus dem Internet hervorzukramen. Die Streif is’ hoalt die Streif – und die is’ a Wahnsinn! Servus, Hansi, lass uns twisten! Wie es auch kommen mag mit den sportlichen Aktivitäten am Wochenende: Eines ist sicher – das Lachen wird mir echt noch vergehen!




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