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Schlittschuhlaufen im Freibad: Erinnerungen an Beber

BEBER. Während heutzutage über Klassengrößen und Teilungsgrenzen diskutiert wird, gab es vor knapp 80 Jahren ganz andere Probleme: „Wir waren zu dritt“, erinnert sich Marlis Stellbrink. Sie wurde 1935 in Beber geboren und dort im Jahr 1941 eingeschult. Doch einsam wurde es im Klassenzimmer trotzdem nicht.

Marlis Stellbrink und Rolf Eickhoff sind zusammen aufgewachsen und schauen gerne alte Bilder durch – wie etwa rechts das Kindheitsbild mit Eickhoffs inzwischen verstorbenem Bruder Manfred oder das einer Aufführung der Konfirmanden im Pfarrgarten in B
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

„Alle Klassen waren in einem Raum untergebracht und es gab nur einen Lehrer.“ Die älteren Kinder mussten ihn aber unterstützen. „Die großen Jungs mussten zum Beispiel den Ofen in Gang bringen.“

Ein weiteres häufiges Ereignis, die Stellbrink mit der Grundschulzeit in Verbindung bringt, ist der Fliegeralarm. „Dann kam der Fabrikant Karl Westphal mit der Pfeife an den Schulzaun und wir konnten nach Hause gehen.“ In Erinnerung geblieben ist Stellbrink und Rolf Eickhoff, der mit Mutter und Bruder damals bei der Familie lebte, auch der 8. April 1945, als die Amerikaner kamen. „Es ging wie ein Lauffeuer durch Beber. Alles lief zum Gräberloh. Man konnte Panzerrasseln schon hören. Sie kamen von der Autobahn von Lauenau.“ Die Familie fürchtete, die Amerikaner würden ihr Haus besetzen, doch sie hatten Glück – die Kinder bekamen sogar Schokolade und Kaugummi geschenkt. Als die Amerikaner jemanden suchten, der Englisch sprechen konnte, sprang Stellbrinks Mutter ein: „Meine Eltern haben von 1923 bis 1933 in Amerika gelebt“, erklärt sie. Ein Glück, denn: Die Soldaten „suchten jemanden, der dolmetschen konnte, da sie Lebensmittel brauchten. Sie haben dann die Bauern angesprochen.“ Zum Dank bekam Stellbrinks Mutter von den Soldaten ein Stück Seife.

Nach dem Krieg ging es für die jungen Leute auf einem umgebauten Lkw häufig in die Heide zum Blaubeerenpflücken – „und später auch nach Münder ins Kino“, verrät Stellbrink. Ein wichtiger Anlaufpunkt war auch der Sportverein in Beber. „Der wurde nach dem Krieg im Jahr 1948 wieder aufgemacht“, erzählt Rolf Eickhoff, Jahrgang 1939, der gemeinsam mit Stellbrink aufwuchs. „Da ist damals jeder eingetreten, das war der Wahnsinn. Bälle waren zwar Mangelware, aber es ging trotzdem irgendwie.“ Einmal bekam er einen Ball geschenkt – am nächsten Tag wussten es schon viele Kinder und warteten darauf, mit ihm zu spielen.

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Sehr gute Erinnerungen hat Stellbrink auch noch an die Zeit vor ihrer Konfirmation. „In meiner Konfirmandenzeit bei Pastor Lang haben wir das Spiel ‚Der Fischer und seine Frau‘ im Pfarrgarten in Beber aufgeführt“, erzählt sie und zieht gleich ein Foto hervor.

Zu dieser Zeit reisten die Jugendlichen auch bereits regelmäßig nach Bad Münder in die Tanzschule – getanzt wurde später sonntagnachmittags in Kessiehausen – sowie zur Mittelschule. Im Winter ging es dazu aber zuerst durch meterhohen Schnee zu Fuß zum Bahnhof nach Eimbeckhausen. „Das haben wir damals aber nicht als schlimm empfunden“, meinen Stellbrink und Eickhoff.

Der Winter hatte aber auch seine Vorteile: So war das Freibad in Rohrsen nicht nur der Anlaufpunkt im Sommer. „Die Badeanstalt war im Winter zugefroren, wir sind dort Schlittschuh gelaufen und haben das Lied ‚Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt‘ gesungen“, erinnert sich Stellbrink schmunzelnd.


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