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Messies und Mietnomaden begegnen auch münderschen Hausbesitzern / Jüngster Fall in Hachmühlen

Schlimmer wohnen – nach ihnen das Chaos

Bad Münder (jhr). Spätestens, wenn sich der Müll bewegt, muss aufgeräumt werden.Vor allem, wenn einem die Wohnung nicht gehört. Es gibt aber Mieter, die in so einem Fall einfach abhauen und dem Vermieter den ganzen Dreck hinterlassen – wie gerade in Hachmühlen geschehen.

Verwalter Frank Ihlow in der Küche der verwahrlosten und zugemüllten Wohnung – vor zwei Jahren hatte er sie frisch renovie

Dass es Probleme gibt, hatte Hausverwalter Frank Ihlow durchaus bemerkt. Der Schock kam jedoch, als er zum ersten Mal die Tür zur Wohnung im Erdgeschoss des Sieben-Parteien-Hauses öffnete. Ein Schlachtfeld aus Müll, Essensresten und Dreck – das ist alles, was der Bewohner einer Wohnung an der Hachmühlener Dorfstraße hinterlassen hat. „Ich dachte immer, so etwas wird nur für Fernsehreportagen gestellt. Jetzt erlebe ich es selbst“, sagt Ihlow sichtlich bewegt. Im Auftrag eines Immobilienbesitzers kümmert er sich um mehrere Objekte in Bad Münder.

Als er dem Mieter vor rund zwei Jahren die Schlüssel zur frisch renovierten Wohnung übergab, hatte Ihlow keinen Zweifel, dass er es mit einem respektablen älteren Herren zu tun hatte. „Er begegnete mir sehr freundlich und aufgeschlossen, war hilfsbereit“, sagt Ihlow. Die ersten Probleme begannen, als die Miete nicht mehr regelmäßig floss. „Er war nicht zu erreichen, ließ sich verleugnen, meldete sich trotz meiner Bitte nicht zurück“, so der Verwalter. Als der Mann mehrere Monate die Miete schuldig geblieben war, überzeugte ihn Ihlow, sich finanziell von den Behörden helfen zu lassen. „Danach ging es besser, zumindest der Großteil der Miete floss wieder.“ Allerdings: Die Beschwerden anderer Mieter über den Bewohner der Erdgeschosswohnung häuften sich. Dann wurde die Wohnungstür aufgebrochen – und Ihlow stieß bei dem Versuch, sie zu sichern, auf Berge von Unrat, auf vergammelnde Lebensmittel, die sich zwischen getragener Wäsche, Medikamentenpackungen, benutztem Geschirr, Hausrat und Behördenkorrespondenz türmten. Ein Paradies für Ungeziefer. „Man schaut immer auf den Boden, ob hier nicht doch etwas vorbeihuscht“, sagt der Verwalter. Das Mietverhältnis wollen Mieter und Vermieter in gegenseitigem Einverständnis beenden – ob die Mietschulden in Höhe von mehreren tausend Euro jemals gezahlt werden, weiß Ihlow nicht. Mit dem Mieter steht der Verwalter in sporadischem telefonischen Kontakt. Er habe ihm angekündigt, den Müll aus der Wohnung zu räumen. Dass es tatsächlich passieren wird, glaubt Ihlow indes nicht: „Mir ist schon so viel erzählt worden…“

Beim Gesundheitsamt des Landkreises sind Fälle wie der des Hachmühlener Mieters bekannt – Betroffenen wird auf Hilfe angeboten, aber Einschreiten können die Mitarbeiter nicht, solange „keine Gefährdung für die Person selbst oder andere eintritt.“

Seit einigen Jahren gibt es sogar einen Namen für das Phänomen: Messie-Syndrom, abgeleitet vom amerikanischen Wort „mess“ gleich Chaos. „Messies“ haben Probleme, ihren Alltag zu organisieren versinken oftmals im Chaos. Wenn sie dazu noch zur Miete wohnen, sind Probleme oftmals vorprogrammiert – auch zwischen Deister und Süntel wurden in der Vergangenheit mehrere Fälle bekannt. „Zum Glück gehört das aber noch nicht zum Tagesgeschäft“, relativiert Eva Karina Dreyer. Die Rechtsanwältin ist Geschäftsführerin des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-VereinsBad Münder. Ihr sind einige Fälle bekannt, doch nicht jeder Vermieter wende sich bei Problemen an den Verband.



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