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Naturschützer zählen im Auetal mehr als 20 Bruten / Nabu: Niedersachsenweit ein Boom-Jahr

Schleiereulen: Regionaler Bestand erholt sich

Auetal (johr). Nach dem hervorragenden Schleiereulenjahr 2005 erlebte die Population im Auetal im letzten Jahr einen gravierenden Bestandseinbruch. Der Grund: Es gab zu wenige Mäuse, die zudem von genervten Gartenbesitzern mit Gift zur Strecke gebracht wurden. Schleiereulen-Alttiere verfütterten die kontaminierte - und dadurch auch leicht fangbare - Beute an den Nachwuchs, der daraufhin einging. Was folgte, war ein Bestandseinbruch der einheimischen Population.

Der herzförmige Gesichtsschleier gibt dem mäusefressenden Flugak

Mittlerweile berichten die Aktivisten des Naturschutzbundes, die mit der Kontrolle von ausgehängten, künstlichen Nistkästen betraut sind, dass sich für 2007 eine leichte Erholung des Bestandes voraussagen lässt. Konnten 2006 nur weniger als zehn Bruten im Auetal verzeichnet werden, so sind es dieses Jahr zwischen 20 und 30, meldet Marc Jameson aus Schoholtensen, der seit dreieinhalb Jahren aktiv bei der örtlichen Nabu-Gruppe ist und in diesen Tagen die Bestände kontrolliert und die Tiere zählt. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass die Weibchen aufgrund der zuträglichen Witterung eine zweite Brut anlegen. Durch den milden Winter ist das Nahrungsangebot an Mäusen dieses Jahr mehr als ausreichend für die Schleier eulen, die eine strenge Mäuse-Diät halten. "Etwa 93 Prozent der Nahrung sind Mäuse", konstatiert der Rodenberger Wilhelm Peters die Abhängigkeit. Seit 1988 ist er im Nabu für die Bestandsaufnahme der Schleiereulenbruten im Schaumburger Land verantwortlich. Eben diese Abhängigkeit wurde den Eulen, die bis zu 50 Mäuse pro Nacht fangen, 2006 zum Verhängnis. Im größeren Maßstab sei dies aber nicht so schwerwiegend, führt Peters aus, da in anderen niedersächsischen Landkreisen gute Zahlen vorgelegt werden konnten. Peters: "Es scheint, dass sich die Schleiereulen in ergiebigen Regionen konzentrieren." Neben der Nahrung ist auch das Vorhandensein von Brutplätzen von größter Bedeutung. "Man könnte schon sagen, dass die Eulen vom Menschen abhängig sind, was den Brutplatz anbelangt", so Peters. In vielen Scheunen wurden die früher sehr verbreiteten "Uhlenfluchten" - Öffnungen unterhalb von Dachfirsten - dicht gemacht: Die Tiere haben keinen Einstieg ins Gebäude mehr. Auch viele Öffnungen in Kirchtürmen sind vergittert worden, um die Tauben abzuhalten. Was den Tieren bleibt, sind eigens für Schleiereulen aufgehängte Nistkästen, von denen es im Landkreis rund 150 gibt. Ende der siebziger Jahre hatte Peters mit drei Nistkästen angefangen, mittlerweile gibt es in fast jedem Dorf einen. Dabei werden die Kästen so aufgehängt, dass Mardern der Einstieg unmöglich gemacht oder zumindest erschwert wird. "Es gibt auch Metallplatten an den Brutkästen, die es der Eule ermöglichen, ein- und auszusteigen, dem Marder aber den Zutritt verwehren", erklärt Jameson. "Landesweit lässt sich feststellen, dass wir dieses Jahr einen Schleiereulenboom erleben", freut sich Rüdiger Wohlers, Leiter der Nabu-Geschäftsstelle Oldenburg. "Von Ostfriesland über Oldenburg bis nach Hannover werden Rekordzahlen gemeldet." Bei günstigem Wetter sei es sogar möglich, dass Eulen bis Dezember brüten. Die Gefahr, dass die Mäuse erneut mit Gift bekämpft werden und so die Brut bedrohen, lässt sich schwer einschätzen. "Allerdings sind Vergiftungen immer sinnlos", so Wohlers.



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