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Actionreiche Showeinlagen, begeisterte Zuschauer: Europameister kommt zur Wrestling-Nacht

Schlammschlacht rund um den Catchring

Engern. Unter widrigsten Umständen geriet die "Fightnight" als einer der Höhepunkte der Sportwoche des SV Engern zu einer großartigen Demonstration für das Wrestling - und machte Organisationschef Günter Ruppelt und seinen Kollegen sowie dem Publikum "Lust auf mehr" im nächsten Jahr. Unablässig strömte Regen vom Himmel und verwandelte den Sportplatz in eine wasserdurchtränkte Schlammfläche.

Autor:

Ulrich Reineking

Das Flutlicht war bereits zuvor bei einem der Fußballspiele ausgefallen und nur mithilfe des Technischen Hilfswerks gelang es den Veranstaltern, gerade noch rechtzeitig eine Notbeleuchtung für die Wrestlingkämpfe zu installieren - dabei machten die THWler gleich noch ihre Ersterfahrung als Aufbauhelfer für den Open-Air-Ring der "Nordic Championship Wrestling" aus Hamburg. Zwischendurch kam bei den SV-Engern-Offiziellen auch schon mal der deprimierte Gedanke auf: "Warum machen wir das eigentlich? Bei dem Schietwetter kommt doch sowieso niemand, um sich durchwässern zu lassen!" Dennoch ließen sich rund 250 Menschen zwischen fünf und 85 Jahren nicht davon abhalten, bei dieser Attraktion dabei zu sein. Unter guten Bedingungen wären es wohl um die 500 geworden! Schutz bot dem Publikum allein das chronischüberfüllte kleine Bierzelt und das Überdach von der Bratwurstbude und ein Gartenpavillon aus Leinen oder der mitgebrachte Regenschirm - die Akteure indessen mussten sich unter der Naturdusche "oben ohne" behelfen. Toll, wie sich die zehn Nachwuchs-Wrestler unter diesen Umständen in zwei dramatisch inszenierten Mannschaftskämpfen der Herausforderung stellten, den zunächst skeptischen Zuschauern so richtig einzuheizen: das zur Anfeuerung des Publikums am Ringrad agierende süße Mädchen von vielleicht 15 Jahren hatte es da gar nicht schwer, die Leute zum Klatschen und Brüllen zu bringen. Grimmige Mienen, triumphierende Gesten, artistische Moves - die heimischen Fighter beherrschten das Repertoire des Wrestling schon recht gut. Wobei man ihnen sicherlich anraten dürfte, sich noch mehr mit der ringerischen Grundlage und vor allem den Fall- und Abrolltechniken zu beschäftigen, "damit das nicht irgendwann ins Auge geht", wie der international erfahrene Ringfuchs Axel Dieter sen. als ehemaliger Matador beim größten Catchturnier der Welt auf dem hannoverschen Schützenplatz mahnend anmerkte. Vor allem, nachdem der Ringrichter mit einer gut gespielten Ohnmacht auf dem Boden lag, griffen die Youngster mit erheblichübermotivierter Härte weit jenseits des ohnehin liberalen Regelwerks in die Trickkiste und zeigten mehr als gewagte Aktionen. Vorsicht, Jungs! Axel Dieter jun. aus Hannover bewies anschließend gegen den farbigen Sonnyboy "Da Mac" aus Jamaika, dass er seine Lektionen als Amateurboxer und -ringer gründlich gelernt hat und für den Sprung ins Profilager gewappnet ist: Der Vater war dann auch ganz und gar aus dem Häuschen und sichtlich zufrieden mit seinem Nachkommen im Leben und im Ring. Angesichts des immer stärker strömenden Regens und der zunehmenden Dunkelheit wurde auf eine Pause verzichtet vor dem Hauptkampf und die Zuschauer konnten im Match zwischen Europameister Karsten Kretschmer und Gerry Renegade eindrucksvoll erleben, welche Hochspannung so ein Kampf zwischen Gut und Böse vermitteln kann und wie viel Körperbeherrschung und Kondition das den Profis abverlangt. Man muss es schon gesehen haben, wie so ein 100-Kilo-Mann im Salto von der Ringecke aus auf dem muskulösen Body des Gegners springt, um zu erwarten, was da an Training, Technik und auch emotionaler Kraft dazu gehört. Kretschmer siegte - und ließ sich daran auch von Interventionen der ziemlich sexy auftrumpfenden Begleiterin seines Herausforderers nicht irritieren. Der "Hamburger Jung" wird wohl etliche seiner Zuschauer von Engern wiedersehen - wie so manche schon beim anschließenden Disco-Ausklang mit DJ Hardy versicherten. Vielleicht bei einer Neuauflage der Engerschen "Fight- night" im nächsten Jahr - und vielleicht auch schon am 20. September, wenn in Steinhude am Meer das große "Rumble on the Beach" der European Wrestling Promotion steigt - übrigens bei freiem Eintritt, weil sich so viele Sponsoren aus der dortigen Geschäftswelt gefunden haben und die Wrestler diesen Vorteilvoll an ihre Fans weitergeben wollen. Übrigens: Zum bunten Familiennachmittag am gestrigen Sonntag auf dem Sportplatz war das Wetter den Engernschen wieder gewogen. Irgendwie scheint Petrus vom Durchhaltevermögen gerührt worden sein...




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