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2520 Euro Strafe für Ex-TuS-Spieler

Schiri-Backpfeife: Fußball-Eklat endet vor Gericht

Apelern/Stadthagen (menz). Wegen Beleidigung und Körperverletzung ist ein ehemaliger Spieler des TuS Apelern vor dem Amtsgericht Stadthagen zu einer Geldstrafe von 2520 Euro verurteilt worden. Strafrichterin Gönna Freifrau von Blomberg war überzeugt, dass der 30-Jährige in einem Kreisklassenspiel am ersten Mai dieses Jahres dem Schiedsrichter eine Ohrfeige versetzt und ihn beleidigt hat.

Die Fußballpartie gegen den VfB Rinteln war von dem Unparteiischen nach der Tätlichkeit in der 84. Minute vorzeitig beendet worden. Der Spielabbruch beim Stand von 4:1 für den Gegner war ein Höhepunkt in der an unschönen Vorkommnissen reichen Begegnung gewesen und führte zu tumultartigen Szenen. Eine unrühmliche Rolle spielten die Zuschauer, die für eine aufgeheizte Atmosphäre im Stadion gesorgt hatten. Ihre Unzufriedenheit mit Schiedsrichterentscheidungen mündete in rassistischen Ausfällen gegen den türkischen Unparteiischen und dessen ebenfalls türkischstämmigen Linienrichter. Das Schiri-Gespann musste am Ende von der Polizei aus dem Stadion geleitet werden. Der Verein hat danach versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben, es gab eineöffentliche Entschuldigung, die Rädelsführer wurden laut Presseberichten verwarnt. Der ehemalige Stürmer des TuS Apelern, dessen Verhalten den Spielabbruch provoziert hatte, wurde auf Lebenszeit vom Spielbetrieb seines Heimatvereins ausgeschlossen. Strafe muss sein, zeigte sich der Fußballer bei dieser Sanktion in seinem Schlusswort einsichtig. Er gab zu, dass er dem Schiedsrichter Bestechlichkeit vorgeworfen hatte. Darüber hinaus fühlte er sich von der Justiz zu Unrecht kriminalisiert, aufgebracht bestritt er die Ohrfeige. In seinem Plädoyer warf Verteidiger Volkmar Wissgott der Staatsanwaltschaft Versagen bei den Ermittlungen vor und attackierte die Verhandlungsführung der Richterin. "Verkehrte Welt", schimpfte der Rechtsanwalt, dass nach seiner Ansicht die falschen Zeugen gehört worden waren. Die Ohrfeige sei nicht bezeugt.Er formulierte als Fazit der Beweisaufnahme, sein Mandant habe den Schiedsrichter "bestenfalls" berührt. Als pure Unhöflichkeit sei das Ganze aber keine Sache für den Strafrichter - der Rechtsanwalt forderte Freispruch. Die Strafrichterin hatte keinen Zweifel an einer "Backpfeife im klassischen Sinne". Zeugen hätten die Situation "glaubhaft" und "in sich schlüssig" geschildert. Schon "per se" sei eine Berührung im Gesicht in einer emotional aufgeladenen Situation "mehr als schlichte Unhöflichkeit". Strafverschärfend wertete die Richterin eine "ganz üble und unsportliche Gesinnung", die aus dem Verhalten spreche. Das sei "nicht zu dulden im sportlichen Bereich". Es ist anzunehmen, dass gegen das Urteil Berufung eingelegt wird.

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