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Tage des Haster Bahnhofs sind gezählt: Bahn will maroden Bau abreißen / Gemeinde sperrt sich nicht

"Schimmelpilze in nie zuvor gesehener Größe"

Haste (tes). Der Bahnhof Haste steht auf der Abschussliste. Die Bahn will das Gebäude innerhalb der nächsten zwei Jahre abreißen. Und: "Die Gemeinde wird sich einem Abriss nicht entgegenstellen", sieht Bürgermeister Sigmar Sandmann keinen Sinn in einem Kauf und einer Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofs von 1850.

Der Zustand des Bahnhofsgebäudes werde von vielen zu Recht als Zumutung empfunden, verwies Sandmann in der Ratssitzung auf den zunehmenden Verfall. Durch den jahrelangen Leerstand seien Bürgerinitiativen ins Leben gerufen worden, die sich für eine Reaktivierung des ehemaligen Empfangsgebäudes einsetzen. Gespräche mit verschiedenen Tochterunternehmen hätten allerdings ergeben, dass für die Deutsche Bahn als Eigentümerin derzeit kein wirtschaftlicher Nutzen erkennbar sei. Bei der letzten Ortsbegehung hätten die Bahnvertreter deutlich gemacht: "Der Abriss ist unumgänglich", berichtete SPD-Fraktionschef Heinz-Joachim Gresel "von Schimmelpilzen in nie zuvor gesehener Größe" und eindringender Feuchtigkeit, die das Dach teilweise zum Einsturz gebracht habe. Augenscheinlich sei die Substanz massivin Mitleidenschaft gezogen. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich versucht, auf die Bahn AG einzuwirken und eine Verbesserung zu erreichen. Das Ergebnis: "Nur ein Bauzaun wurde errichtet", so Sandmann. Die Folge: Der Verfall schreitet voran. Allerdings käme für die Gemeinde ein Kauf unabhängig vom Zustand ohnehin nicht infrage, betonte der Bürgermeister. Folglich habe der Verwaltungsausschuss grünes Licht für "einen schnellstmöglichen Abriss des Bahnhofsgebäudes" gegeben. Ziel der Gemeinde ist es laut Sandmann, an dieser Stelle ein ansehnliches "Eingangstor" für den Ort Haste zu schaffen - für die Anwohner und die täglich bis zu 4000 Reisenden. Helga König will das "Identifikationsmerkmal" Hastes nicht so schnell aufgeben: "Wie positioniert sich die Denkmalschutzbehörde dazu? Kann diese der Eigentümerin keine Auflagen zur Erhaltung machen?" "Vielleicht würde der Denkmalschutz in fünf Jahren eingreifen", so Sandmann, "aber wir wollen diesen Schandfleck beseitigen. Sonst macht die Bahn Stillstandsmanagement, das bedeutet: Der Bauzaun wird noch höher." Das so genannte "Stillstandsmanagement" der Bahn sei an vielen Orten in Deutschland sichtbar, forderte Klaus Weisbrich (CDU) weitergehende Konzepte: "Was passiert mit der Leerfläche, falls der Abriss kommt?", regte er außerdem die Bildung einer Arbeitsgruppe zum Gesamtkomplex an. Ein wichtiger Punkt kam aus dem Publikum: "Was passiert in Sachen Lärmschutz, wenn die Züge ohne das schützende Gebäude direkt durch den Ort rasen?" Die Bahn werde sich Gedanken um die Nachnutzung machen, meinte Sandmann, "vielleicht mit einem neuen Gebäude oder einer Grünfläche." Im Moment hätten Rat und Gemeinde ohnehin keine Handlungsmöglichkeit, so Sandmann weiter, "aber wir wollten die Öffentlichkeit über den derzeitigen Stand informieren."

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