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Mehr gemeldete Stellen, weniger unversorgte Bewerber / 14-mal Ausbildungsbonus in Schaumburg

Schere schließt sich: Ausbildungsbilanz positiv

Landkreis (crs). Die Bilanz ist so positiv wie seit vielen Jahren nicht mehr: Am Ende des Berufsberatungsjahres 2007/2008 stehen in der Statistik der Arbeitsagentur nur zwölf junge Schaumburger ohne Ausbildungsplatz da - Ende September 2007 waren es 49 unvermittelte Bewerber gewesen. Mit aktuell 13 vakanten Ausbildungsplätzen gibt es erstmals seit Jahren sogar einen leichten Überhang an Stellen. "Sehr zufrieden mit der Entwicklung in diesem Jahr" zeigte sich Jochem Freyer als Chef der Agentur für Arbeit Hameln gestern Mittag bei der Vorstellung der Statistik; Industrie und Handwerk bestätigen den positiven Trend für Schaumburg.

Die Schere schließt sich: Während die Zahl der gemeldeten Bewerber deutlich sinkt, nimmt das Angebot an Ausbildungsplätzen weiter zu. 1231 junge Azubi-Anwärter aus dem Landkreis Schaumburg meldeten sich bei der Arbeitsagentur - im Vorjahr waren es noch 1401 gewesen. Diesen Rückgang erklärt Freyer auch mit derguten Konjunktur: "Viele Jugendliche haben durch eigene Aktivitäten einen Ausbildungsplatz finden können." Umgekehrt steigt die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze weiter von 831 auf 902 Stellen. Damit setzt sich ein Positivtrend fort, der sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnete: Schon 2007 hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Schaumburg ein Plus von 16 Prozent an Azubi-Stellen verzeichnen können, das Handwerk gar eine Steigerung um 28 Prozent. Dass diese Entwicklung nicht ungebremst zu halten sein würde, war Martin Wrede als designiertem Leiter der IHK-Geschäftsstelle Stadthagen von vornherein klar: "Ich hatte eher einen mathematisch-statistischen Effekt ins Negative befürchtet", räumt er ein - und freut sich umso mehr, dass die Zahl der tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge weiter gestiegen ist, um voraussichtlich rund 5 Prozent in diesem Jahr. 462 Neuverträge im Landkreis verzeichnet die IHK zum 30. September, die endgültige Bilanz wird erst zum Jahresende gezogen. "Sehr zufrieden" ist Wrede mit diesen Zahlen: "Da schlägt sich die verbesserte Konjunktur nieder." Auch der aktuelle und künftige Fachkräftebedarf sei von den Unternehmen als wichtiges Thema erkannt worden. Auch Fritz Pape als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft freut sich über die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: "Wir können das hohe Niveau vom vergangenen Jahr halten", zieht er eine vorläufige Bilanz. Und gibt sich "positiv überrascht": Auch er hatte befürchtet, dass die Zahl der Verträge nach dem Rekordjahr 2007 wieder einsackt. "Um die 200" Ausbildungsverträge erwartet Pape für das laufende Jahr, doch auch bei dieser Prognose lässt er noch Vorsicht walten: Stichtag ist der 31. Dezember. Ursachen für den anhaltenden Aufwärtstrend sieht Agenturchef Freyer insbesondere in der guten Konjunktur und im geschärften Bewusstsein der Betriebe beim Thema Fachkräftemangel. Zugleich mahnt er: "Es wäre ein völlig falsches Signal, die Bemühungen aufgrund einer Krise, die vielleicht kommen könnte, jetzt zurückzufahren." Der Fachkräfte-Bedarf in der Region werde bleiben, appellierte er an die Unternehmen: "Wenn man sich einschränken muss, bitte nicht im Bereich Ausbildung - wir haben eine gute Entwicklung, die müssen wir fortsetzen." Auch wenn die Zahl der "Altbewerber" rückläufig ist, überbrücken noch immer hunderte Jugendliche das Warten auf eine Ausbildungsstelle durch weiteren Schulbesuch oder berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Schwierig bleibt es auf dem Ausbildungsmarkt für schwächere Bewerber, die nicht zum Anforderungsprofil der Betriebe passen. Auch hier wandte sich Freyer gemeinsam mit Thorsten Tünnermann als Teamleiter der Berufsberatung und Jörg Lücking als Teamleiter des Arbeitgeber-Service an die Unternehmen, die akzeptieren müssten, dass die Zeit der "Top-Bewerber" vorbei sei: "Die Unternehmen sind gut beraten, hier und da mal einen Kompromiss einzugehen." Derartige Kompromisse versüßen will das neue Instrument des Ausbildungsbonus, der Betrieben zugutekommt, die zusätzliche Ausbildungsplätze für schwer vermittelbare Jugendliche schaffen. "Der Bonus soll Unternehmen unterstützen, die zusätzliche Aufwendungen in Kauf nehmen", erläuterte Tünnermann - 14 Schaumburger Firmen sind diesen Weg bislang gegangen. Ein Weg, der sich laut Arbeitsagentur auszahlt: "Wenn Schwächere die Ausbildung durchstehen, dann sind sie auch auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig." Auf die insgesamt 37 noch unvermittelten Bewerber im Agenturbezirk Hameln konzentrieren sich jetzt die Bemühungen der Berufsberater: "Jeder wird von uns nochmal Angebote bekommen", verspricht Freyer. "Und bis zum Jahresende werden wir einem Teil helfen können."




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