×
Die meisten Buchmeiers, Bredemeiers, Tegtmeiers und Dohmeiers leben in Schaumburg

Schaumburger Land – Meier-Land

Dass wir Müller, Struckmann oder Krumsiek heißen, ist kein Zufall. Um 1300 wurden in den deutschsprachigen Ländern „Beinamen“ vergeben – unsere heutigen Familiennamen. Am liebsten wählte man Begriffe, die besonders charakteristisch für den neuen Namensträger waren.

Autor:

Wilhelm Gerntrup

Einer der hierzulande am häufigsten verwendeten Bezeichnungen war „Meier/Meyer“. Grund: Bis ins späte Mittelalter hinein lebten nahezu alle im heutigen Schaumburg beheimateten Leute auf dem Lande. Die Pächter und/oder Besitzer der dort in kleinen Siedlungseinheiten beieinander gelegenen Höfe wurden Meier genannt. Der vom lateinischen „major“ (= größer, bedeutender) abgeleitete Begriff war im Zuge der Christianisierung der sächsischen Urbevölkerung durch Karl den Großen eingeführt worden und war anfangs nur als Berufsbezeichnung für die Verwalter der den adligen oder kirchlichen Grundherren gehörenden Bauerngüter in Gebrauch. Später ging der Name auch auf viele neu gegründete Hofstätten über. Das wiederum wirkte sich auf die hierzulande im Laufe des 14. Jahrhunderts einsetzende (Familien-) Namensbildung aus. Das Einzelwort Meier blieb meist beim Haupthof einer Siedlung („Meierhof“). Bei den Nachbarn fügte man ein auffälliges Standortmerkmal der Stätte oder eine hervorstechende Charaktereigenschaft des Inhabers hinzu.

Die auf diese Weise entstandene „Meier-Namenslandschaft“ ist als regionale Besonderheit bis heute erhalten geblieben. Noch immer leben und wohnen die meisten Buchmeiers (Bewohner eines Hofs unter Buchen), Brehmeiers/Bredemeiers (bewirtschafteten eine breite Ackerfläche, Brede = Breite), Tegtmeiers (saß auf einem grundherrlichen, zur Abgabe des „Zehnten“ verpflichteten Hof) und Dohmeiers (sein Anwesen gehörte dem Mindener Bischof) in Schaumburg.

Einen Spitzenplatz belegt der heimische Kreis – bezogen auf die Einwohnerzahl – auch als Heimat der Struckmeiers (ihr Hof lag im buschigen Gelände, Struck = Strauch), Rösemeiers (hatten dornige Heckenrosen am/um ihr Anwesen), Nottmeiers (am Haselnussgebüsch), Siekmeiers (in einer feuchten Niederung) und Niemeiers (saßen auf einer „neuen“, noch relativ jungen Siedlerstätte).

Heinrich Siekmeier

Und als typische Schaumburger „Markennamen“ dürfen auch Krückemeier (an einer Krümmung gelegen, Krücke = Krümmung), Ruschmeier (am Gewässerrand, Rusch = Rohr, Schilf), Disselmeier (hatte viele Disteln auf dem Acker), Frommeier (war bieder und gottesfürchtig), Häfemeier/Hövemeier (bewirtschaftet den Hof eines Grundherrn), Bekemeier/Beckmeier (lag an einem Bach), Brockmeier (am Bruche), Hagemeier (am Hagen, im Hagendorf) oder Brinkmeier (am Brink) gelten. Auf Standorte am Wald oder unter auffälligem Baumbestand deuten Buschmeier, Holtmeier, Lohmeier und Wedemeier/Wehmeier (Holt/Loh/Wede = Wald) sowie Eikmeier (unter Eichen) oder Buchmeier (unter Buchen) hin. Auch Ostermeier (im Osten der Dorfmark) sowie Nord-, Süd-, Nieder- Ober- oder Hohmeier (hoch gelegen) erklären sich sozusagen „von selbst“. Weniger eindeutig ist der Ursprung des hierzulande häufigen Namens Tiemeier. Nach Ansicht der meisten Fachleute soll das Anwesen des ersten Namensträgers in der Nähe eines Tie (= Thingstätte) gewohnt haben.

Bis vor gut 700 Jahren war die Verwendung getrennter Vor- und Zunamen unbekannt. Zur Kennzeichnung der Leute reichte ein einziger (Ruf-) Name. Viele dieser Rufnamen wurden später zu „Vornamen“ und sind als solche bis heute in Gebrauch – so zum Beispiel die altdeutschen Wortschöpfungen Dietrich, Wolfgang, Gertrud und Hildegard oder die christlichen Namensfindungen Johannes, Peter, Elisabeth und Agnes.

Einen „richtigen“, vermutlich in 15. Generation von Meiers bewohnten Meierhof gibt es in Vehlen. „GOTT GEBE DIR FIEDE“ haben Cord Heinrich Meyer und seine Frau Anna Catharina beim Umbau ihres Hauses im Jahre 1765 im obersten Querbalken der damals neu gestalteten Nordfassade einschnitzen lassen. Heutiger Hausherr der Hofstätte, dessen Fachwerk noch aus der Zeit um 1560 stammt, ist Holger Meier.

Zwei hochrangige Schaumburger Politiker und Reichstagsabgeordnete mit „Meier-Wurzeln“ und ganz und gar unterschiedlichen politischen Laufbahnen sind diese: Der aus Buchholz stammende Telegraphenarbeiter Karl Meier (1902-1989) saß nach 1933 wegen seiner KPD-Zugehörigkeit mehrmals im KZ und überlebte die NS-Zeit nur knapp. Bis zur „Machtergreifung“ Mitglied des schaumburg-lippischen Landtags und des Berliner Reichstags, war er nach dem Krieg eine Zeit lang als Landrat in Stadthagen im Einsatz.

Der nahezu gleichaltrige, in Berenbusch geborene Verwaltungsangestellte Heinrich Siekmeier (1903-1984) machte auf andere Art Karriere. Bereits 1928 der NSDAP beigetreten, brachte er bis zum stellvertretenden Gauleiter in Thüringen. Daneben war er in der SS aktiv. Von 1936 bis 1945 gehörte Siekmeier dem Reichstag an. Nach dem Krieg soll er in Obernkirchen gelebt haben.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt