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Betrüger gibt sich als Mitarbeiter eines Juweliers aus / 1800 Euro Geldstrafe

Scharf auf das Gold älterer Damen

Meerbeck/Stadthagen (ly). Ein Betrüger (34) hat sich als Mitarbeiter eines Schaumburger Juweliers ausgegeben, um ältere Damen leichter übers Ohr hauen zu können. Auf diese Weise wollte er den Anschein von Seriosität erwecken. In Meerbeck fiel eine 72-Jährige auf die Masche herein. Sie verkaufte dem Mann aus Obernkirchen Gold zu einem Preis, der unter dem eigentlichen Marktwert liegt.

Neun Monate nach dem recht einseitigen Geschäft hat das Amtsgericht in Stadthagen den wiederholt vorbestraften Betrüger jetzt zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt, in seinem Fall drei Monatseinkommen. „Ich habe keinen Zweifel, dass er sich als Mitarbeiter der Firma ausgegeben hat“, sagte Richterin Gönna Freifrau von Blomberg. Bis zuletzt hatte der Angeklagte dies bestritten. „Die meisten älteren Damen werden dort Kundinnen sein“, vermutet von Blomberg. Deshalb dürfte der Trick eine relativ hohe Trefferquote haben. Hinzu kommt: Den Besuch in Meerbeck, so die Richterin, habe der 34-Jährige am Telefon zeitlich so gelegt, dass die Rentnerin keine Möglichkeit mehr gehabt habe, die Angaben durch einen Anruf zu überprüfen.

„Er war eine halbe Stunde vorher da“, erinnert sich das Opfer. „Deshalb ist es mir nicht mehr gelungen, in dem Geschäft anzurufen. Mittags hatte ich es versucht, aber da war keiner im Laden.“ Zum Bezahlen habe der Mann eine Rolle Geld aus der Hosentasche gezogen. „Er wollte unbedingt in unser Wohnzimmer. Aber ich habe gesagt, wir können das auch in der Küche machen.“ Als der Besucher die Wohnung endlich wieder verließ, war die Meerbeckerin froh. „Ich wollte ihn loswerden“, sagt sie.

Im Prozess zog das Gericht zur Vernehmung der Seniorin kurzfristig in einen Büroraum im Erdgeschoss um, weil die 72-Jährige zurzeit keine Treppen steigen kann. Der Sitzungssaal liegt im Obergeschoss. Im Urteil erklärte Richterin von Blomberg: „Straferschwerend kommt hinzu, dass das Opfer eine ältere Dame war.“

Offen bleibt zunächst, wie viel Altgold an jenem Tag genau auf der Waage lag. In ihrer Anklageschrift geht die Staatsanwaltschaft von 60 Gramm aus, Ringe und Ketten-Enden. Dies versichert auch die Rentnerin. Dagegen behauptet der Angeklagte, es seien lediglich 12,5 Gramm gewesen.

Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Angenommen, es waren 60 Gramm 333er Gold. Dann hätte der Wert damals, im September 2011, laut Anklage bei 510 Euro gelegen. Bekommen haben soll die Frau dafür jedoch nur 68 Euro. Der Angeklagte versichert, er habe 80 Euro für 12,5 Gramm bezahlt. „Deshalb war ich so verblüfft, als ich den Strafbefehl gelesen habe“, sagt er. Zu wenig war es so oder so. Versucht hat es der Obernkirchener offenbar auch bei anderen Frauen. Wie eine Mitarbeiterin des Juweliers als Zeugin vor Gericht zu Protokoll gab, habe es „Anrufe erboster Kunden“ gegeben.

Gegen die Stadthäger Entscheidung ist noch Berufung möglich. Ob es bei der Strafe bleibt, entscheidet sich vor dem Landgericht in Bückeburg. Verteidiger Lutz Boldt hatte Freispruch beantragt.



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