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Nebensaison in eleganter Ostseeperle

Savoir-vivre in Kühlungsborn

Kühlungsborn. Sieben Schwäne ziehen westwärts. Zu dieser frühen Stunde, gerade ist es zehn vor sechs, können sie das gefahrlos tun. Kein Sportboot stört ihre Ruhe, nur ganz weit draußen, wo der Himmel das Meer küsst und die beiden einen elysischen Horizont gebären, ragt ein weißes Segel in den jungen Tag. Die Ostsee ist glatt wie ein Spiegel, nur sachte, sachte rauschen kleine Wellen, deren Gischt fast unmerklich im Morgendunst versiegt. Mein lieber Schwan, das ist ein Wetterchen…

Landeplatz: Die Möwen genießen wieder ihre Ruhe.
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

…ein Wetterchen zum Heldenzeugen, würde der Volksmund sagen. Aber selbst der hält in solchen unbezahlbar entrückenden Momenten seine Klappe, obwohl sich die Schwäne womöglich nach seinen Worten gerichtet haben, als sie unter wolkenlosem Firmament an der Mole am Hafen ihren Familienausflug entlang der Küste Kühlungsborns in aller Frühe antraten. Vom kleinen Balkon des Zimmers 518 im Hotel Upstalsboom – Seeblick bis zum Verrücktwerden, der auch in der Premier Suite nicht schöner ist – kann man sie genau erkennen. Papa Schwan gibt das Tempo vor, die Familie folgt, und es dauert nicht lange, bis die Vögel westwärts entschwunden sind.

Kaum sind sie weg, erwacht das Leben in Kühlungsborn. Es ist nicht so, dass dieser Ort vor Charme zu bersten droht, doch über drei Kilometer Promenade und feiner Sandstrand machen das gekünstelte Urlaubsflair an der Strandstraße im Osten des Städtchens wett. Auf überteures Waffeleis und übliche Accessoires, die die Geschäfte dort anbieten, kann man getrost verzichten, nicht aber auf den Blick übers weite Wasser. Ohne Kurtaxe würde er nichts kosten und ist ja eigentlich der wahre Grund, hier zu sein. Große Pötte gibt’s selten zu sehen, dafür Legionen von Segel- und Motorbooten, die in der 400 Schiffe Platz bietenden Marina ihren Heimathafen haben. Schönes Bild, geradezu antörnend. Erst recht in der Nebensaison.

Denn im Herbst, wenn sich die Bäume an der mondänen Ostseeallee gelb färben und die Schatten der Urlauber länger sind als jede Warteschlange vor der Strandkorbvermietungsbutze im Abschnitt 10, ist Ruhe eingekehrt in Kühlungsborn, Ruhe nach dem sommerlichen Sturm. Man gibt sich entspannt, in den Cafés, den Restaurants und am Strand sowieso. Badende sind bei 14 Grad Wassertemperatur ein seltenes Bild, obwohl die milden Temperaturen in den vergangenen Wochen noch durchaus ein paar Hardliner ins kühle Nass gelockt hatten. „Moin Moin“, und hinein in die guten Fluten. Aus Zehntausenden (Kurz-)Urlaubern sind ein paar Tausend geworden, und die verteilen sich in Mecklenburgs größtem Ostseebad so angenehm, dass man zuweilen von einer beschaulichen Eleganz ergriffen ist, die man im Juli und August hier niemals erwarten darf.

3 Bilder

Der Wellenschlag Kühlungsborns ist leichter, lockerer geworden. Im großen Stadtwald, der Ost und West dieser Ostseeperle nicht voneinander trennt, sondern sie vielmehr miteinander verbindet, steigen die Nebel zum Tagesbeginn. Vorne am Strand geht man barfuß oder gummibestiefelt. Und ein Strandkorbvermieter preist noch gegen Mittag Nummer 24 an. „Ist noch frei.“

Blau, so weit das Auge reicht: An Kühlungsborns Strand ist es ruhig geworden. Auf der Seebrücke drängen sich nicht mehr die Menschenmassen (kleines Foto links). Und die Kormorane bilden ein Begrüßungskomitee für den Segler (kleines Foto rechts). Fotos: ey, Ostseebad Kühlungsborn



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