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Haushalt 2007 verabschiedet / CDU-Fraktion geschlossen dagegen

"Sand in die Augen": Am Freibad scheiden sich die Rats-Geister

Bad Nenndorf (rwe). Der Rat der Stadt Bad Nenndorf hat mit den Stimmen der Gruppe SPD/WGL, der WGN und der FDP den Haushaltsplan für 2007 beschlossen. Die CDU stimmte geschlossen dagegen. Der Grund: Die Fraktion stört sich vehement am für sie überflüssigen Haushaltsansatz von 100 000 Euro für einen Freibad-Förderverein. "Sie streuen den Bürgern Sand in die Augen", kritisierte Fraktionsvorsitzende Ellen Hültenschmidt.

Ist angesichts der Finanzlage der Stadt der Bau eines Freibades machbar oder nur eine schöne Illusion? Für einen Blick in die Zukunft reiste Stadtdirektor Bernd Reese weit zurück in die Vergangenheit und zitierte aus einer heimatkundlichen Broschüre. 1929 wurde die Badeanstalt in Horsten eröffnet, 1930 das Freibad in Bad Nenndorf. "Die Rahmenbedingungen dürften damals kaum bessergewesen sein als heute." Damit griff Reese in die Diskussion der Fraktionen ein, ob denn die 100 000 Euro im Vermögenshaushalt überhaupt eine realistische Grundlage haben. Der Wunsch nach einem Freibad sei in der Bevölkerung breit getragen, bei den Kindern stehe er ganz obenan. "Das ist ein lohnendes Ziel", meinte der Stadtdirektor. Bei einem Haushaltsvolumen von insgesamt mehr als 7,4 Millionen Euro dürfte das Wohl und Wehe der Stadt nicht an den 100 000 Euro hängen, zumal da diese gar nicht angefasst würden, bildet sich kein Förderverein. Doch für die CDU ist der Freibad-Posten ein K.o.-Kriterium für den Etat. Zwar finden viele Positionen die Überzeugung ihrer Fraktion, so Sprecherin Hültenschmidt, aber sie klagte auch darüber, dass die Politiker den Sparappellen wieder einmal nicht gefolgt seien. Mit den 100 000 Euro für den Förderverein und eine mögliche Bürgerbefragung sei die CDU nicht einverstanden. "Ein Freibad können wir uns nicht leisten und auch die Samtgemeinde nicht." Für sie war es nur eine Art Alibi. "Wer damit die Wahl gewinnt, muss jetzt wenigstens einen Antrag stellen." Sie verwies auf das Hallenbad, das auch nicht jede Kommune habe und die Samtgemeinde dieses Jahr immerhin 335 000 Euro koste. Und sie warnte davor, falls sich eines Tages der Landkreis aus dem gemeinsamen Betrieb zurückziehen könnte. Dann blieben die gesamten Verluste von derzeit 670 000 Euro an der Samtgemeinde hängen. "Und zwei Drittel davon bei der Stadt." Mit Blick auf die beiden Freibäder nebenan in der Samtgemeinde Rodenberg hielt Hültenschmidt ein eigenes für übertrieben. Sie komme aus einer Großstadt, da sei sie 15 Kilometer mit Bus und Bahn ins Freibad gefahren. Und sie erinnerte an den Shuttle-Service, der einst für die Nenndorfer Kinder angeboten worden sei. "Das war ein Flop." Doch die anderen Parteien stehen zu dem Ansatz. Volker Busse, Sprecher der Gruppe SPD/WGL, sieht angesichts vieler offener Fragen darin zwar eher einen "Merkposten". Sollte sich aber ein Verein oder eine Genossenschaft gründen, so sei die Unterstützung der Stadt sicher. Eine Finanzierung von Bau und Betrieb durch die öffentliche Hand könne jedoch nicht sein. WGN-Fraktionssprecher Frank Steen erinnerte an das Versprechen der Politiker bei der Schließung des alten Freibades 1998, für Ersatz zu sorgen. Es sei traurig, "dass wir das noch nicht geschafft haben". Angesichts neuer Machtkonstellationen in den Räten nehme die WGN dieses Thema wieder auf die Tagesordnung. Steen plädierte für ein Naturbad. "Das ist die Zukunft, andere werden in Deutschland gar nicht mehr gebaut." Die Technik sei weit fortgeschritten, die Betriebskosten lägen bei 15 bis 20 Prozent herkömmlicher Freibäder. "Wir brauchen aber einen Förderverein, der sich kümmert." So ließen sich die Personalkosten gering halten. Andreas Fedler erklärte für die FDP ein Freibad zum zentralen Punkt der Politik. "Egal wie, wann und wo." Es gelte, dazu alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Eine Bürgerbefragung sei aber überflüssig. "Dazu sind wir gewählt." Auch der Entschluss, ob ein konventionelles Freibad oder ein Naturbad gebaut werde, seidann Sache des Rates.

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