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Saft aus regionalen Äpfeln – Eimbeckhäuser Kelterei boomt

EIMBECKHAUSEN. Jochen Wöbbecke geht es derzeit wie vielen anderen Münderanern: Seine Apfelbäume hängen voll. So voll, dass der fruchtigen Pracht mit Essen allein nicht beizukommen ist. Gut, dass sich da noch eine weitere Verarbeitung anbietet: Wöbbecke und sein Sohn Marco lassen in Eimbeckhausen Apfelsaft draus machen.

Pascal Wagner kontrolliert die Qualität der angelieferten Äpfel. Schlechte werden noch vorm Waschen aussortiert. Fotos: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Und mit dieser Idee sind sie nicht allein: In der Kelterei Wilkening laufen die Maschinen auf Hochtouren.

„Die Saison hat in diesem Jahr rund zwei Wochen früher angefangen“, berichtet Inge Wilkening. Die 79-Jährige ist so etwas wie die gute Seele des Betriebs, den es bereits seit 1933 gibt. „Seniorchefin“ wäre die richtige Bezeichnung, wenn Inge Wilkening ihn nicht konsequent ablehnen würde. „Ich war nie ein Chef-Typ.“ Seit sie 1964 in den Eimbeckhäuser Familienbetrieb einstieg, ist sie dabei. Von 1969 bis 1999 führte sie ihn gemeinsam mit ihrem Mann, übergab ihn dann an ihren Mann. Für die Kunden der Kelterei, die längst nicht nur aus dem münderschen Stadtgebiet kommen, ist sie jedoch nach wie vor Ansprechpartnerin. Eine kleine Plauderei, dann wird abgeladen. Volle Kofferräume und beladene Anhänger prägen das Bild, zumeist Äpfel werden angeliefert. Mitarbeiter Pascal Wagner kontrolliert die Qualität, wiegt sie – und dann lädt er die fruchtige Pracht auf das große Transportband. Schlechte werden aussortiert, die anderen fahren in die Wäscherei. Erde, Staub, Blätter bleiben zurück, die Früchte werden in einer Maschine zerkleinert. Maischen heißt dieser Vorgang – er garantiert beste Ergebnisse beim anschließenden Pressen. Was dann aus der Presse läuft, ist bereits fertiger Apfelsaft. Trüb allerdings, denn noch schweben Trübteilchen darin herum. Die setzen sich nach einiger Zeit am Boden ab. „Früher musste Apfelsaft unbedingt klar sein. Heute wird immer mehr auch nach trübem Apfelsaft gefragt“, berichtet Inge Wilkening. Der wird dann nicht gefiltert, aber auch erhitzt und damit haltbar gemacht. „Genau 80 Grad sind ideal. Wenn es heißer wird, entsteht schnell ein Kochgeschmack, der nicht gewünscht ist“, sagt die Fachfrau. Anschließend wird der Saft auf Flaschen gezogen und kann dann verkauft werden. Wer selbst Äpfel angeliefert hat, erhält eine Gutschrift, die den Kauf von fertigem Saft deutlich vergünstigt.

Inge Wilkening freut sich bei aller Arbeit, dass in diesem Jahr die Apfelernte so reich ausfällt. „Das letzte Jahr war eine Katastrophe. Solange ich mich erinnern kann, gab es noch nie so wenig Äpfel“, sagt sie – und die machen immerhin das Kerngeschäft aus. Das Gros der Kunden bevorzugt den reinen Apfelsaft, aber auch die Variationen, etwa die Kombination von Apfel, Orange, Melone und Kürbis. Früher im Jahr werden Rhabarber, Johannisbeeren und Sauerkirschen zu Saft verarbeitet. Die Produktion wird regelmäßig von Lebensmittelkontrolleuren überprüft.

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Die Saftflaschen mit dem ehemaligen Eimbeckhäuser Schloss auf dem Etikett verkaufen Wilkenings im eigenen Geschäft, aber immer mehr auch in der Region. Supermärkte mit starker Betonung regionaler Produkte wie die Rewe-Märkte in der Region Hannover haben inzwischen Saft aus Eimbeckhausen im Angebot. Die Seniorchefin, die nicht so genannt werden will, freut das sichtlich.

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