weather-image
-1°
Auch in münderschen Kitas ist die Arbeitsbelastung der Erzieherinnen enorm, das Gehalt gering

Ruth Leunig: „Wir hätten gerne mitgestreikt“

Bad Münder (st). Zwar haben die Erzieherinnen in Bad Münder Mitte der Woche die Arbeit nicht niedergelegt, solidarisch mit ihren Kolleginnen in Hannover und anderen niedersächsischen Städten zeigen sie sich trotzdem. Die mit dem Streik verbundenen Forderungen treffen nach Aussage heimischer Kita-Leiterinnen voll in Schwarze. Hohe Arbeitsbelastung verbunden mit zu niedrigem Lohn, das sei auf Dauer zermürbend, wissen die Erzieherinnen einhellig zu beklagen. Eine bessere gesundheitliche Absicherung müsse her und mehr Geld würde auch nicht schaden.

Erzieherin Beate Grunwald muss für die Arbeit mit Claas, Ben und

Zwei Erzieherinnen kümmern sich zurzeit um 25 Regelkinder (ab drei Jahren) oder 15 Regelkinder plus fünf Krippenkinder (unter drei Jahren) – so sieht es der Schlüssel vor. „Das ist von zwei Kräften gar nicht leistbar, jedem Kind die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen“, sagt Martina Pleuger, Leiterin der DRK-Kita am Laurentiusweg. Ihre Kollegin Ruth Leunig aus der Martin-Schmidt-Kita bestätigt: „Der Personalschlüssel stimmt nicht.“ Dadurch würde die körperliche und psychische Belastung für die Erzieherinnen so groß, dass sie auf die Gesundheit schlage. „Wir hätten gern mitgestreikt“, macht Leunig ihre Position deutlich. Eva-Maria Achilles-Ingram von der evangelischen Arche-Noah-Kita hält die Situation gar für „ganz furchtbar“. Die sieben Vorbereitungsstunden, die den Erzieherinnen pro Gruppe für Elterngespräche oder Ähnliches zur Verfügung stünden, reichten niemals aus. Die Zeit, die eigentlich für die Kinder vorgesehen sei, ginge oft auch für Organisatorisches drauf, gerade bei den Leiterinnen.

Pleuger, 54 Jahre alt, will in sechs Jahren Schluss machen. Bis zum Rentenalter würde sie nicht mehr durchhalten. „Es gibt kaum noch Erzieherinnen, die das schaffen“, weiß die erfahrene Leiterin zu berichten. Vor allem Rücken und Knieprobleme sowie Probleme mit dem Hören würden sich im Laufe der Zeit zwangsläufig einstellen. „Wir müssen uns ständig bücken oder auf den kleinen Holzstühlen sitzen, um uns auf das Niveau der Kinder zu begeben“, so Pleuger. Leunig fügt hinzu: „Dann müssen die Kleinen oft getragen werden, die Lärmbelastung wurde in unserer Einrichtung zudem mit 90 Dezibel gemessen.“ Ab 85 Dezibel ist Gehörschutz in Betrieben Pflicht, ein Düsenjet hat 120 Dezibel.

Aufgrund dieser Belastungen fordert Pleuger einen Gesundheitsbonus für Erzieherinnen. „Für uns müsste es Sonderkonditionen in Bezug auf Massagen oder Krankengymnastik geben.“ Auch auf dem Lohnzettel dürfte am Ende des Monats ein höherer Betrag stehen, findet Leunig. „Wir haben seit 2003 keine Gehaltserhöhung mehr bekommen. Da muss was passieren.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt