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Rückkehr eines Raubtieres: Landwirte fürchten den Wolf

FLEGESSEN/BAD MÜNDER. Groß war die Aufregung, als Ende Dezember ein Foto von einem Wolf in den Wäldern bei Afferde auftauchte. Das Foto, das als C1-Beweis eingestuft wurde – also tatsächlich einen Wolf zeigt – lässt Monate später noch Zweifel zurück. „Denn ein Foto ist erstmal nur ein Foto“, sagt Heiko Brede jetzt.

Noch nicht zuhause, aber vielleicht schon Tourist in der Region: der Wolf. Foto: Nabu
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Der Wolfsberater des Landkreises war zu Gast beim Nabu Bad Münder und sprach mit den Naturschützern über den Wolf in Deutschland. Dass auf dem Foto ein Wolf zu sehen ist, bestreitet er nicht – ebensowenig, dass die Region im Hintergrund der Wald bei Afferde ist. Ob beides zusammen stimmt, wollte er bei der Versammlung aber nicht bestätigen. Ein eindeutiger Beweis, zum Beispiel über Fellrückstände vor Ort, fehlt nämlich.

Was Brede aber immer wieder auch bei der Nabu-Versammlung im Hofcafé in Flegessen betont: Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt und verbreitet sich schnell. „Wir gehen von Zuwachsraten von 30 Prozent pro Jahr aus“, so Brede. In Ostdeutschland ist er an vielen Orten schon in Rudeln unterwegs, in Westdeutschland überwiegen Einzelgänger oder Paare. „Es würde mich nicht wundern, wenn sie morgen einen Wolf sähen“, sagte Brede auf Nachfrage von Nabu-Mitglied Anne Zuzmann, die am Süntelrand lebt.

„Die Nutztierhalter sind natürlich nicht glücklich über die Rückkehr“, erklärt Brede, der für den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz arbeitet. Gleiches gelte für Jäger, die den Wolf teilweise als Konkurrenz in ihren Revieren fürchten. Rainer Klockemann, Leiter des Hegerings Sünteltal, forderte zuletzt außerdem eine konsequente Haltung der Landesregierung zu aggressiven Wölfen, die unter Umständen auch ihre Tötung bedeute.

Der Räuber ernährt sich hauptsächlich von Rehen, aber auch von Rot- und Schwarzwild. „Ein Wolf frisst pro Tag bis zu vier Kilo Fleisch“, sagt Brede und rechnet vor: „Bei einem Paar oder Rudel ist dann ein Reh schon innerhalb von einem Tag weg.“ Einzelne Wolfsrudel hätten sich aber auch schon auf Nutztiere spezialisiert, erklärte Brede anhand einer Landkarte, die einen Zusammenhang zwischen gemeldeten Wolfsrudeln und getöteten Nutztieren zeigt. Dass der Wildschweinbestand durch den Wolf bedroht werde, hält er jedoch für ausgeschlossen. „Die wird der Wolf vermutlich nichtmal großartig dezimieren können.“ Einzig das seltene Muffelwild könnte in Mitteleuropa langfristig aussterben. Das aus dem Gebirge stammende Tier könne im Wald nicht vor dem Wolf flüchten.

Eindeutige Nachweise für einen Wolf in der Region gibt es zwar nicht – dennoch fürchten die Landwirte, dass sich das Raubtier im Süntel oder Deister niederlassen könnte. Elke Osterkamp ist sich ziemlich sicher, dass bereits im Herbst eines ihrer Schafe von einem Wolf gerissen wurde. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, erinnert sich die Rohrsener Landwirtin. Der Kopf sei noch am Rumpf gewesen, Hals und Schulter des Bocklamms hingegen stark abgenagt. „Das macht kein Fuchs oder Luchs, und ein Hund auch nicht“, ist Osterkamp überzeugt. Brede sei damals vor Ort gewesen – für einen DNA-Nachweis sei es allerdings zu spät gewesen. Die Probe müsse innerhalb von 18 Stunden genommen werden.

Gegenwärtig sind Osterkamps Tiere im Stall, Ende April sollen sie aber wieder raus ins Grüne. Dann sei es schwierig, die Tiere zu schützen. „Wir haben Angst um unsere Lämmer.“ Herden-Schutzhunde könne man laut Osterkamp derzeit nicht bekommen, die Nachfrage sei zu hoch.

Auch wenn der Wolf im vergangenen Jahrhundert in Deutschland zuhause war, befürchtet Osterkamp im Gegensatz zu Brede nun große Probleme: „Wölfe brauchen Platz und hier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel geändert.“ Der Landkreis sei wesentlich dichter besiedelt. „Hoffentlich kommt niemand zu Schaden durch den Wolf.“

Dem hält wiederum Brede entgegen: „Übergriffe auf Menschen sind weltweit sehr selten.“ Seit 1976 habe es keinen tödlichen Angriff mehr gegeben.

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