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Probleme mit der Elektronik / Ministerium verweist auf fehlende Ersatzteile / Erst 2009 einsatzbereit

Rotorlahm: NH90 mehr am Boden als in der Luft

Bückeburg. Mit der Einführung des Transporthubschraubers NH90 an die Heeresflieger gibt es nach Informationen unserer Zeitung massive Probleme. Zwar sind mittlerweile drei Exemplare ausgeliefert worden, zwei nach Bückeburg, eins nach Faßberg.

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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Größtenteils stehen die NH90 aber in verschlossenen Hangars, da es erhebliche Probleme besonders mit der Elektronik geben soll, deren hochmoderne Systeme nicht ineinandergreifen. Der "Spiegel" schrieb Anfang der Woche sogar von "enormen technischen Problemen". Auch mit der Dokumentation gibt es nach unseren Informationen Probleme: Daten, die Flugzeiten und Belastungen einzelner Komponenten im Hubschrauber erfassen, lassen oder ließen sich nicht auslesen. Techniker können also nur schwer ermitteln, welche Wartungsintervalle und -arbeiten anstehen und durchgeführt werden müssen. "Besserung" sei frühestens Ende des Jahres zu erwarten, hieß es. Der General Heeresflieger und Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg, Brigadegeneral Richard Bolz, lehnte auf Anfrage jede Stellungnahme ab. "Kein Kommentar", so seine Antwort. Auf Anfrage wurden seitens des Verteidigungsministeriums zwar technische Probleme eingeräumt, unter anderem die mit der Dokumentation. Das Hauptproblem aber sei, dass Eurocopter mit der Fertigung und Auslieferung weiterer NH90 so ausgelastet sei, dass "nebenher" nicht genügend Ersatzteile für bereits ausgelieferte Exemplare produziert werden könnten. Das Ministerium wies weiter darauf hin, dass derzeit noch der Truppenversuch laufe, um die Eignung des NH90 festzustellen. Erst ab 2009 sei die Inbetriebnahme und die Übergabe an die Staffeln geplant. Ursprünglich war die Einsatzbereitschaft der ersten NH90-Staffel bereits 1997 geplant, wurde dann auf 2004 verschoben und sollte zuletzt im Herbst dieses Jahres erfolgen. Sowohl die technischen Probleme haben inzwischen auch zu Verzögerungen bei der Ausbildung der Fluglehrer geführt. Die ersten drei Piloten seien erst zehn Stunden auf der NH90 geschult worden. Weitere Verzögerungen seien zu erwarten, da nach Beendigung der Schulung die ausgebildeten Fluglehrer erst 100 Stunden auf dem Typ geflogen sein müssen, ehe sie selbst ausbilden dürfen. Die verspätete Auslieferung als auch die technischen Probleme haben noch weitere Folgewirkungen: Das Vorläufermodell der NH90, die Bell UH-1D, muss länger in Dienst gehalten werden als ursprünglich geplant. Das Heer besitzt derzeit noch rund 90 Exemplare. Zum Teil hat aber schon die Ausphasung begonnen.Die Bundeswehr musste bereits Exemplare zurückholen, die an eine Verwertungsfirma übergeben worden waren. Die Heeresflieger wollen damit sicherstellen, dass ihre Piloten noch genügend Stunden fliegen können und so ihre Fluglizenzen nicht verlieren. Die Anforderungen wurden bereits von den 180 von der Nato geforderten jährlichen Stunden auf 75 reduziert. Dennoch gibt es nach Informationen unserer Zeitung nicht genügend Kapazitäten auf der Bell. Fluglehrer der Staffel aus Faßberg, wo die Bell-Ausmusterung bereits begonnen hat, müssen sich bereits Flugstunden aus der Staffel in Celle holen. Mit Folgen für dieAusbildung: Flugschüler klagen, dass "andauernd" die Fluglehrer wechseln. Aus dem Ministerium hieß es, dass die Einsatzpiloten "genügend" Flugstunden fliegen könnten. Die Einsatzbereitschaft sei gewährleistet.

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