weather-image
15°
Marel Hirschfeld aus Socorro in New Mexico hilft Vogelpark-Inhaber Werner Schulz im Praktikum zwei Wochen

Rio Grande gegen Rodenberger Aue eingetauscht

Bad Nenndorf (fox). Für Marel Hirschfeld ist es ein mittlerer Temperaturschock gewesen. Die 19-jährige Schülerin aus dem kleinen Städtchen Socorro bei Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico ist ein ganz anderes Klima gewohnt. "Wir wohnen sozusagen in der Wüste", sagt sie in gebrochenem Deutsch. Werte bis 38 GradCelsius sind dort im Sommer keine Seltenheit. Seit Montag hilft die Austauschschülerin auf eigenen Wunsch als Praktikantin dem Vogelpark-Inhaber Werner Schulz vormittags bei der Arbeit. Mit einem Austauschprogramm des Rotary-Clubs ist sie gemeinsam mit 65 anderen Schülern im August nach Deutschland gekommen, um hier ein Jahr zu verbringen.

Werner Schulz (v.l.), Marel Hirschfeld und Steffi Elsner im Voge

Klimaschock ja, Kulturschock nein. Zwar hat Marel Hirschfeld den heimischen Rio Grande gegen die Rodenberger Aue eingetauscht. Aber ihr gefalle es in Bad Nenndorf und bei ihrer Gastfamilie in Barsinghausen, sagt sie. Irgendwo müsse sie wegen ihres Familiennamens auch deutsche Wurzeln haben. Doch eigene Ahnenforschung habe bislang nichts gebracht. Die Vögel mit ihrem bunten Gefieder haben es der 19-Jährigen im Kraterzoo angetan, besondere Lieblinge habe sie jedoch nicht. "Ich mag sie alle", sagt Marel etwas schüchtern. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Tierpflegerin Steffi Elsner füttert sie von 9 bis 12 Uhr die Tiere, reinigt die Volieren und tauscht sich mit der Pflegerin aus. Das Wetter sei für beide nicht das Problem, "die machen sich schon warme Gedanken", witzelt Werner Schulz. Für ihn ist es das erste Mal, dass eine Austauschschülerin bei ihm als Praktikantin arbeitet. Bislang seien es meist junge Männer gewesen, die im Kraterzoo Sozialstunden leisten mussten. Den Besuch aus New Mexico findet er daher um so interessanter. Sprachbarrieren stören Schulz nicht, denn mit dem Englisch ist es bei ihm nicht so gut bestellt, sagt seine Frau Lenchen. Aber er wisse sich mit Händen und Füßen auszudrücken. Außerdem spreche Marel schließlich ein wenig Deutsch. Nicht nur im Zoo läuft es blendend. Am Gymnasium Bad Nenndorf komme sie auch gut zurecht, sagt Marel - sowohl mit dem Lernstoff, als auch mit den Schülern. Ganz auf sich allein gestellt unter Fremden ist sie am GBN allerdings nicht. Die Amerikanerin nimmt mit drei weiteren Austausschschülern aus ihrer Heimat am Unterricht teil. Deutsch-Stunden bekommen die Gäste jedoch separat und intensiv, wie Schulleiterin Irmtraud Gratza-Lüthen erklärt. Diesen zahlen die Rotarier auch. Die Entscheidung junger Menschen, sich für ein Jahr außerhalb der Familie im Ausland aufzuhalten, begrüßt die Schulleiterin: "Die Schüler stärken damit ihre interkulturelle Kompetenz. Das kann ihnen später den beruflichen Werdegang erleichtern." Wenn Marel Hirschfeld im August wieder nach Socorro zurückfliegt, büffeln am Gymnasium Bad Nenndorf schon die nächsten Austauschschüler. Einige "Élèves" aus Frankreich und ein Brasilianer haben ihre Flüge bereits gebucht. Und vielleicht bekommen Werner Schulz und Steffi Elsner dann ja erneut internationale Unterstützung.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare