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Statt Diäten - Essgewohnheiten umstellen

Rickis jüngstes Gericht: Hallo Jo-Jo-Effekt!

Wir besitzen – das heißt: unser Körper besitzt – eine Fähigkeit, eine geradezu geniale dazu, mit der er unsere Spezies durch Jahrtausende bei Missernten und Hungersnöten am Leben erhielt. Nämlich die Fähigkeit, in Notzeiten seinen Kalorienbedarf auf rund tausend zu reduzieren. Und genau das ist es, was uns als Wohlstandsgesellschaft zum Bumerang wird.

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Nehmen wir mal an, Sie haben bei der Erstbesteigung der Badezimmerwaage nach Ostern prompt einen kleinen Schock erlitten. Die Folge: Eine Diät soll’s wieder richten.

Klar auch – weil es ohne nun mal nicht geht - wird die tägliche Kalorienzufuhr auf rund 1200 reduziert. Nach drei, vier Wochen haben Sie bescheidene drei Kilo abgenommen und beschließen nun, leicht frustriert, das leidige Unternehmen erst mal abzubrechen. Ab sofort wird wieder normal gefuttert.

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Nun hat Ihr Körper natürlich sehr genau registriert, was da die letzten Wochen gelaufen ist und vermutet, dass mit dem Nachschub wohl gründlich was schief gelaufen sein muss. Weil er uns ein verlässlicher Sachwalter ist, zieht er vorsorglich die Notbremse und reduziert nun seinerseits die Kalorien auf magere 1000. Nach etwa drei, vier Wochen haben wir nicht nur das alte Gewicht wieder erreicht – vermutlich auch noch ein, zwei Kilo drauf gesattelt. Das nennt man dann euphemistisch den „Jo-Jo-Effekt“.

Das wissen wir natürlich und versuchen es dennoch immer wieder. Dabei: kurzfristige Diäten können nicht funktionieren. Die einzigen, die vermutlich etwa bringen: Die „Brigitte-Diät“ und das Programm von „Weight Watchers“ – die allerdings auch keine Diäten sind, weil sie langfristig auf eine Umstellung unserer Essgewohnheiten setzen. Die einzige Chance, nachhaltig abzunehmen.

Womit wir übrigens voll im Trend liegen, weil wir so zwangsläufig mehr Gemüse, Salate und Obst essen werden. Und Fleisch – wenn überhaupt – plötzlich in ganz ungewohnter Rolle als Beilage auf dem Teller. Abgesehen davon, dass wir uns exzessiven Fleisch-Genuss auch aus Klima-Gründen immer seltener werden leisten können – und wenn, dann aus der Region, das als Haltungsform eine stolze Vier anzeigt.

Womit wir wieder beim lustvollen Essen gelandet sind. Und, um guten Willen zu demonstrieren, vielleicht mit einem Salat beginnen. „ Kaninchen müsste man sein“, ulkte schon vor langer Zeit ein Wolfram Siebeck, der von Salat nicht allzu viel gehalten hat. Vor allem nicht, wenn er als kalte Zutat ein warmes Gericht begleitete. Dagegen aber von einer Salade Nicoise schwärmte, von dieser Bowl, die im Sommer so erfrischend eine ganze Mahlzeit ersetzen kann.

Eine meiner schönsten Erinnerungen an einen strahlenden Sonnentag in Biarritz am Strand in einem kleinen Bistro – vor mir eine große Schüssel Salade Nicoise. Neben mir ein Tisch mit Franzosen, Fußballfans vermutlich, die von Beckenbauer und Netzer schwärmten – und mir war klar: Deutschland war Weltmeister.

Es muss kein Nicoise sein – auch ein großer Teller mit grünen Blättern, Tomaten und Gurken genügt. Worauf es ankommt: Die Vinaigrette – also der Essig.

Wer sich nicht entscheiden kann, welchen er erwerben soll – einfach ausprobieren. Noch immer gilt das vielleicht älteste Rezept für Salatsaucen: „Nimm Essig wie ein Geizhals, Öl wie ein Verschwender, Salz wie ein Weiser – und rühre wie ein Narr.“

Nach der Faustregel: Einen Esslöffel Essig – es darf aber auch ganz trendig Zitronensaft sein – mit dreifachem Öl mischen, dazu Salz und Pfeffer. Was so einfach klingt, ist es nicht, weil man immer wieder abschmecken muss, bis man die ideale Balance gefunden hat – um wie der alte Goethe die Sauce vom Teller zu schlürfen.

Wer mit der Vinaigrette partout nicht klar kommt – und auch Senf, Schalotten und Kräuter nicht zum gewünschten Ziel führen, kann mit einem Joghurt-Dressing experimentieren. Aber bitte: Klotzen und der Versuchung widerstehen, beim sowieso schon niedrigen Kalorienpegel noch weiter zu knausern.

Nehmen Sie den zehnprozentigen griechischen Joghurt und rühren sie ruhig etwas Creme fraiche unter. Dazu kommen noch Honig und Zitronensaft – natürlich auch Salz und Pfeffer. Mittlerweile Standard: Salatteller gibt’s auch im Restaurant.

Das einzige Manko: Zum Salat will einfach kein Wein passen. Höchstens ein leichter Rosé vielleicht.




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