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Serie "Traditionsgaststätten" - Teil 2: Die Stocks halten Stellung in der Klosterstube

Richtig voll wird's nur noch freitags...

Möllenbeck (who). Vor fünf Jahren haben Jürgen und Esther Stock die Klosterstube in der Neustadt als letztes von einst vier klassischen Wirtshäusern in Möllenbeck übernommen. Die Eheleute mit langjähriger Gastronomieerfahrung bieten ihren Gästen seitdem alles, was den Reiz einer echten Dorfkneipe ausmacht. Und trotzdem teilen sie die Erfahrung vieler Berufskollegen im ländlichen Raum. "Man spürt den Rückgang von Jahr zu Jahr mehr, weil die jungen Leute einfach nicht mehr kommen", sinniert Jürgen Schock.

Bevor die beiden nach Möllenbeck kamen, hatten sie eine Gaststätte in Bad Eilsen geführt. So wäre es wahrscheinlich heute noch, hätten die Besitzer das Haus nicht verkauft. Mit der Klosterstube haben sie damals einen Neuanfang gewagt. Zunächst lief es noch recht gut. Es gab die älteren Stammgäste in der Gaststube mit fast 30 Plätzen an den Tischen und an der langen Theke. Bei Zusammenkünften der Vereine und bei Familienfeiern im heimeligen Gesellschaftsraum hatten sie gut zu tun und sogar Wandergruppen zu Fuß und zu Rad kehrten ein in der etwas abseits gelegenen Klosterstube. "Damals hat es auch noch die kleine, aber gut bestückte Speisenkarte gegeben", merkt Esther Stock an. Die gebürtige Pfälzerin aus Pirmasens wirtschaftet inzwischen aber nur noch in der Küche, wenn sich Gesellschaften für die Feier eines hohen Geburtstages oder die Kaffeetafel nach Beerdigungen im Voraus anmelden. Das lukullische Angebot seiner Ehefrau kann es dabei mit jedem anderen gutbürgerlichen Gasthaus aufnehmen, verrät Jürgen Schock und gerät ein wenig ins Schwärmen, als er vom original Pfälzer Saumagen berichtet, mit dem beide vor geraumer Zeit die Löschgruppe Varenholz überrascht haben. Der Verbindung zur Pfalz mit ihren Weinbergen scheint es auch zu verdanken, dass eingefleischte norddeutsche Biertrinker sich immer wieder mal zum "Roten" verführen lassen. Die Knobelrunde von Möllenbecker Jungen jenseits der Vierzig, die sich regelmäßig freitags in der Klosterstube um ihren kleinen Stammtisch schart, beweist es. Denn Jürgen Stock stellt mehrmals am Abend ein Tablett mit rotem und auch goldenem Inhalt in den Gläsern auf den Tisch. Dafür passt er intuitiv den richtigen Moment ab, wenn die Knobelbecher zwischen zwei Spielen schweigen. "Unsere Knobler gehören zu den besonders treuen Gästen und auf die lassen wir nichts kommen", lobt Stock. Dass es unter den Gästen gelegentlich ungezwungen laut zugeht, gehört dazu, wenn die fröhliche Runde ihre Spiele rekapituliert. Und auch die Alt-Herren-Kicker vom SC Schwalbe am Nebentisch dürfen ausgelassen ihre augenblickliche Tabellenführung in der Kreisliga feiern. "So viel Betrieb wie heute, haben wir allerdings nicht immer", bedauert Jürgen Stock. Nämlich, wenn die Schwalben Auswärtsspiele bestritten und ihr Feierabend-Bier ebenfalls auswärts getrunken haben. Dieörtlichen Vereine, wie die Sänger von Polyhymnia Möllenbeck mit ihren regelmäßigen Übungsabenden oder die Kaninchenzüchter von F 507, gehören ebenfalls zu den Stammgästen. Doch Chorprobe und Jahreshauptversammlung ist nicht jeden Abend. Deshalb haben die Stocks inzwischen zwei Ruhetage in der Woche. An den übrigen Tagen muss die Tür aber unbedingt offen bleiben, bekräftigt Jürgen Stock. Das hat er zusammen mit seiner Frau vor allem den verbliebenenälteren Möllenbeckern versprochen, die sogar noch mehrmals in der Woche in die Neustadt 8 kommen. "Schon für sie wollen wir den Betrieb so lange wie möglich offenhalten", versichert der Klosterstuben-Wirt. Mit Bedauern sieht er jedoch dem Trend entgegen: "Die traditionellen Dorfgaststätten gehen kaputt..."



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