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Remondis-Start: Das Ende der Sack-Gasse?

BAD MÜNDER. Plastikmüll gilt inzwischen als Weltproblem. Drastische Bilder von Flaschen und Folien in Weltmeeren gibt es zuhauf. Wer aber Münderaner wirklich auf die Palme bringen möchte, der muss nur seine Aufgaben bei der Müllabholung nicht wie erwartet erledigen. Das Entsorgungsunternehmen Remondis erlebt es gerade.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Zum Jahreswechsel hat der Entsorgungsriese, Marktführer in Deutschland, die Kreisabfallwirtschaft bei der Sammlung der Gelben Säcke abgelöst. Nicht die erste Region, die Remondis übernahm – und doch holperte der Start im Landkreis, insbesondere aber in Bad Münder gewaltig. Für Donnerstag, 3. Januar, war die erste Sammlung angekündigt worden, am gestrigen Donnerstag, eine Woche später, lag der Verpackungsmüll vielerorts noch immer unabgeholt in den Straßen. Der heftige Wind der vergangenen Tage hatte sein übriges dafür getan, dass Säcke durch die Gegend flogen und sich der Inhalt über Straßen und Grundstücke ausbreitete.

Für den Fehlstart entschuldigte sich das Unternehmen bereits Anfang der Woche, lieferte auch eine Begründung für die Probleme: „Die Technik für die automatische Tourenplanung ist derzeit leider nicht einsatzfähig“, erklärte Carina Hölscher, bei Remondis für Öffentlichkeitsarbeit zuständig – und kündigte an, dass an einer schnellen Lösung gearbeitet werde (wir berichteten). „Für unser Personal ist es eine große Herausforderung ohne Navigation jeden einzelnen Haushalt in einem noch unbekannten Gebiet einzusehen. Sie arbeiten dennoch hoch konzertiert und aufmerksam, um möglichst alle Tonnen und Säcke zu erfassen“, hieß es – für Bad Münder übrigens identisch wie für das Emsland, wo Remondis ebenfalls zum Jahreswechsel den bisherigen Entsorger abgelöst hatte.

In sozialen Medien wurden die Sammlungsprobleme in den vergangenen Tagen nicht nur mit Spott („Sack-Gasse“) begleitet, auch über die Informationspolitik des Unternehmens ärgerten sich viele Münderaner. Die Remondis-Hotline sei kaum zu erreichen – Tests der Redaktion bestätigen diese Einschätzung. Andere berichten davon, „unfreundlich abgefertigt“ worden zu sein oder mit nicht nachvollziehbaren Erklärungen abgespeist zu werden.

Zur Verärgerung trugen auch die Ankündigungen des Entsorgers bei. Am Montag hieß es, dass die Nachsammlung am Dienstag durch einen Subunternehmer erfolgen solle. Am Dienstag teilte Remondis dann mit, dass die nicht abgeholten Säcke „morgen in Bad Münder und in Salzhemmendorf nachgefahren“ werden. Auch in der NDZ-Redaktion meldeten sich zahlreiche Münderaner und machten ihrem Ärger Luft. „Und wer fegt den Müll auf den Straßen jetzt wieder zusammen?“, fragte Gerd Gehlen. „Es macht auch keinen Sinn, einen Anbieter zu nehmen, welcher „billiger“ ist als die KAW – welche sich seit Jahren bewährt hat“, fasste Dirk Borcherding die Entwicklung zusammen. Rolf Wittich, Ortsbürgermeister von Bakede, Böbber und Egestorf, überlegte gestern kurz, den Remondis-Auftraggeber, das Duale System Deutschland, über die Nicht-Sammlung in Böbber zu informieren: „Die müssen doch wissen, dass das nicht funktioniert.“

Informiert hätte er damit aber letztlich auch Remondis, denn: Der größte deutsche Müllkonzern hat im September mit dem Grünen Punkt, dem Dualen System Deutschland (DSD), den langjährigen Marktführer der dualen Systeme gekauft. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Das DSD erlöste zuletzt einen Umsatz von knapp 600 Millionen Euro.

In Bad Münder darf trotz der bisherigen Probleme damit gerechnet werden, dass die Sammlung am Wochenende abgeschlossen werden kann. „Die Software ist seitens des Herstellers seit vorgestern wieder instand gesetzt worden und funktioniert nun weitestgehend reibungslos“, erklärte Remondis-Sprecherin Anna Ephan gegenüber dieser Zeitung. Sie kündigte an, dass weiterhin „nachgefahren“ werde – die Säcke also nach wie vor für die Sammlung bereitgestellt werden sollten. „Für das gesamte Sammelgebiet gilt, dass bis Samstagnachmittag die Nachabfuhren vollständig durchgeführt werden sollen. Dass an vereinzelten Stellen auch dann noch Gelbe Säcke liegen könnten – zum Beispiel wenn sie erst nach erfolgter Abfuhr rausgestellt wurden – ist zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, sollte aber die Ausnahme bleiben“, sagt Ephan. Sie bittet um Meldung an die Hotline, wenn das der Fall ein sollte. Und Remondis will auch schneller auf Sammelpannen reagieren können: „Ein zusätzliches Fahrzeug wird den gesamten Januar ausschließlich zum Nachfahren eingesetzt. Dieses ist nicht aus den Touren abgezogen, sondern zusätzlich im Einsatz.“



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