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Zahl im Landkreis wird zunehmen / In Rinteln könnte weiterer Schulflügel hergerichtet werden

Reicht der Platz für weitere 1600 Flüchtlinge?

Rinteln. Von den nun für dieses Jahr erwarteten 800 000 neuen Flüchtlingen laut Bundesinnenministerin Deutschland werden einige auch in den Landkreis Schaumburg kommen. „Wir haben noch keine Zahlen, aber schon eine grundsätzliche Vorwarnung bekommen“, teilt Klaus Böhm, Leiter des Kreissozialamts, mit. Bisher habe der Landkreis seit Dezember bis Ende September 816 Flüchtlinge neu aufzunehmen, hochrechnet auf eine bundesweite Gesamtzahl von etwa 250 000. Unsere Redaktion rechnet einfach mal hoch: Geht man nun mindestens von einer Verdreifachung der Gesamtzahl aus, könnten noch mehr als 1600 Flüchtlinge bis Silvester nach Schaumburg kommen.

Autor:

Dietrich lange

„Wir haben hier noch eine gute Stimmung, und Zeltstädte brauchen wir noch nicht“, erklärt Böhm. „Die würden uns ja auch nur kurzzeitig helfen, denn der Winter naht. Wir suchen ständig neue Unterkünfte. In Rinteln böte sich die Nutzung eines weiteren Flügels der Pestalozzischule an, aber der Umbau würde sicher drei Monate dauern.“ Gestern tagten Landkreis und Arbeiterwohlfahrt zum Thema Flüchtlinge.

Aktuell (Stand Ende Juni) beziehen im Landkreis 1033 Flüchtlinge aus 36 Staaten sowie mit ungeklärter Herkunft Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die Verteilung auf die größeren Orte (in Klammern Anteil an der Gesamtbevölkerung): Stadthagen 286 (1,2 Prozent), Rinteln 195 (0,88), Bückeburg 166 (0,80), Bad Nenndorf 72 (0,40), Rodenberg 53 (0,33), Obernkirchen 61 (0,65) und Eilsen 41 (0,62). Im Auetal sind es etwa 20, Ende Mai waren es noch 12 (0,19). Die Samtgemeinde Sachsenhagen kam Ende Mai auf 35 (0,38), Lindhorst auf 60 (0,77), Nienstädt auf 34 (0,33) und Niedernwöhren auf 16 (0,20).

Die Suche nach vor allem dezentralen Unterkünften hat sich etwas entspannt, da mehr Angebote von Vermietern eingehen, sagt Böhm. Außerdem hat der Landkreis eine Kraft eingestellt, die mit dem nötigen technischen Sachverstand Wohnungen auf Eignung prüfen und annehmen kann.

In der Betreuung der Asylsuchenden durch die Ausländerstelle sieht Böhm auch personellen Mehrbedarf. Bisher habe der Landkreis wegen der Flüchtlingskosten noch keinen Nachtragshaushalt gebraucht, aber statt der schon wieder von der Bundesregierung angekündigten zusätzlichen Einmalzahlungen wünscht er sich eine dauerhafte kostendeckende Anhebung der Pauschalen pro Flüchtling. Rund 6200 Euro seien einfach zu wenig.

Und von dem CSU-Vorschlag, die Geldleistungen für Flüchtlinge vom Balkan zu kürzen, weil diese doch kaum Chancen auf Asyl hätten, hält Böhm wenig: „Wir können keine Unterschiede machen zwischen dem Balkan und Kriegsländern. Die Flüchtlinge haben doch kein Dach über dem Kopf, müssen ja zu essen bekommen. Die Asylverfahren sind eine Sache, die angemessene Versorgung ist aber immer nötig. Und es ist doch nicht so, dass Flüchtlinge vom Balkan bei uns nie Asyl bekommen.“

Mit dem Einsatz von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung ist Böhm zufrieden, das sei in fast allen Kommunen gut angelaufen. „Wir brauchen aber überall noch Unterstützung, vor allem beim Deutschunterricht.“ In Rinteln bietet die Volkshochschule schon Kurse in der Flüchtlingsunterkunft an (wir berichteten).

In Rinteln sind laut Sozialarbeiterin Veronika Matamu (Arbeiterwohlfahrt) die Unterkünfte fast komplett belegt. In der Pestalozzischule wohnen 35 bis 40 Menschen aus Albanien, Sudan und Irak. In der Waldkaterallee und im Niedersachsenweg sind es zehn Familien aus dem Kosovo, Albanien, Tschetschenien, Serbien und ab heute auch Afghanistan. Hinzu kommen die Flüchtlingsunterkunft der Stadt in der Bahnhofsallee und belegte Wohnungen in einigen Ortsteilen.




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