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Haus Lohhof 1 an der Bundesstraße abgerissen / Ehemalige Eigentümer blicken auf eine turbulente Zeit zurück

Rausschmiss aus dem Paradies - für verbreiterte B 65

Heuerßen/Kobbensen (gus). Der vorgesehene Ausbau der Bundesstraße 65 hat bereits sichtbare Spuren hinterlassen, obwohl noch nicht einmal die Planung abgeschlossen ist. Zwei Häuser - eines in Vornhagen, eines am Lohhof bei Heuerßen - sind abgerissen worden, weil die Grundstücke für die neue B 65-Trasse gebraucht werden. Die Eigentümer mussten ausziehen, ihr Glück woanders suchen. Ein Rückblick auf eine turbulente Zeit.

Nur noch ein Trümmerhaufen: Das Haus Lohhof 1 an der B 65 ist ab

Im Juni 2004 klingelte ein Mitarbeiter des Landkreises an der Tür des Hauses Lohhof 1, erinnert sich einer der einstigen Eigentümer. "Können Sie sich vorstellen, nochmal umzuziehen?" habe dieser damals gefragt. Die erste Reaktion: Nein. "Eigentlich sollte es das letzte Eigenheim sein, dass wir uns eingerichtet haben", erzählt der ehemalige B 65-Anwohner. Drei gelernte Handwerker waren nach seinen Worten gemeinsame Besitzer des Gebäudes, lebten dort teils mit ihren Familien. Haus und Grundstück seien ideal gewesen - weit mehr als 300 Quadratmeter Wohnfläche, über 1600 Quadratmeter Außengelände, mehrere Garagen und Keller. Für die drei Autofans sei dies wie ein Paradies gewesen. Plötzlich zog jedoch der Schatten "B 65-Ausbau" herauf. Die Adresse Lohhof 1 befand sich dort, wo nach Vorstellung der Kreisverwaltung die verbreiterte Bundesstraße verlaufen soll. Deshalb wollten die Planer das Grundstück samt Haus kaufen. Nach dem ersten Besuch der Kreisverwaltung haben sich die Eigentümer über die Rechtslage informiert. Schnell wurde klar, dass die Chancen, eine Art Bleiberecht zu erstreiten, gering waren. "Gemeinwohl geht vor Eigenwohl", weiß einer der ehemaligen Lohhof- 1-Besitzer heute. Ein langer Rechtsstreit hätte einen großen Nachteil gebracht: In dessen Verlauf hätte nichts in Richtung Zukunftsplanung - sprich Haussuche - unternommen werden können. Auch ein um Weniges höherer Kaufpreis für das Haus am Lohhof hätte diesen Nachteil kaum aufgewogen. Nach zähen Verhandlungen wurde mit dem Landkreis ein Preis im unteren sechsstelligen Euro-Bereich vereinbart. Jede der drei Besitzer-Parteien erhielt ein Drittel der Summe. Im Frühjahr 2006 zogen die letzten Bewohner des Hauses Lohhof 1 aus. Dazwischen und auch seit dem Umzug gab es jede Menge zu tun. Vor allem galt es, eine neue Bleibe zu finden. Zwar war der Landkreis dabei behilflich, eine vergleichbare Immobilie, in der alle Lohhof-1-Bewohner unterkommen konnten, war jedoch nicht aufzutreiben. Die drei Parteien mussten sich trennen und jeweils ein neues Eigenheim finden. "Eigentlich haben wir uns sogar verbessert", resümiert einer der ehemaligen Lohhof- 1-Bewohner. Zwar hätten es alle Beteiligten gern gesehen, wenn die alte Hausgemeinschaft weiterbestanden hätte, doch inzwischen ständen alle Drei auf eigenen Füßen. Mehr Platz, weniger Einschränkung - das sei ein Vorteil des erzwungenen Umzugs. Dass es so weit kommen konnte, ist jedoch eng mit einigen glücklichen Begleitumständen verbunden. Als gelernte Handwerker hatten die drei Umzügler entscheidende Vorteile. Mit dem Landkreis sei vereinbart worden, dass das Haus am Lohhof vor dem Abriss "geplündert" werden durfte. Was irgendwie im neuen Heim verwendet werden konnte, nahmen die Ex-Besitzer mit. Das habe viel Geld beim Einrichten der neuen Bleiben gespart, aber auch jede Menge Arbeit bedeutet. Dennoch blickt keiner von ihnen im Zorn zurück. "So wie es gelaufen ist, können wir ganz zufrieden sein", meint einer. Bei sämtlichen Formalitäten sei die Kreisverwaltung äußerst behilflich gewesen, habe alle Gebühren beglichen. Die Kosten in Höhe von 12 000 Euro für den Umzug habe diese ebenfalls übernommen. Aber eines hält einer der Ex-Lohhof-Bewohner auch fest: Würde man ihn jetzt - aus welchen Gründen auch immer - wieder aus seiner Bleibe hinauskomplimentieren wollen, er würde alle Rechtswege ausschöpfen, um das zu verhindern.



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