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Museum präsentiert ausgewählte Stücke – und zeigt das Archiv als Fundgrube für Besonderes und Skurriles

Raus aus dem Magazin, rein in die Sonderausstellung

Bad Münder (jhr). Für diese Ausstellung muss sich der Besucher nicht für ein spezielles Fachgebiet begeistern – die Begeisterung für die Ausstellung wird sich von selbst einstellen. „Fundgrube Museumsmagazin“ ist die Sonderausstellung überschrieben, die das Museumsteam derzeit aufbaut und die am Sonntag eröffnet wird.

Die Kleidung eines Heimkehrers aus Kriegsgefangenschaft wird präsentiert.  Fotos: jhr

„Das Museum im Wettbergschen Adelshof besteht in diesem Jahr seit 40 Jahren. Eine gute Gelegenheit, sich der Fragestellung anzunehmen, wie eigentlich gesammelt wird, was eigentlich gesammelt wird“, sagt Museumschef Michael Meier. Zur Vorbereitung der Schau wurde ein gänzlich ungewöhnlicher Weg beschritten: Die Mitglieder des Museumsteams wurden ins Magazin und auf Zeitreise geschickt. Ihr Auftrag: Aussuchen, was sie gerne in der Ausstellung präsentiert sehen wollen. „Herausgekommen ist eine wirklich interessante Mischung“, sagt Meier – und bekommt beim Vorstellen einzelner Fundstücke selbst leuchtende Augen. Gezeigt werden alte Karten und Stiche, die viele Münderaner bereits in Publikationen gesehen haben – in der Ausstellung hängen die Originale. Rund 500 Handschriften aus der Zeit zwischen 1400 und 1700 beherbergt das Archiv des Museums, zwei haben es exemplarisch in die Ausstellung geschafft: Ein Erbteilungsvertrag aus dem Jahr 1581 und ein Büchlein, in dem sich eine Bauernfamilie von 1726 bis 1876 ihre Abgaben quittieren ließ. Mehr als 5000 Stücke lagern im Magazin, viele sind bislang nie gezeigt worden. Auch in die neue Sonderausstellung wird es nur ein kleiner Teil schaffen, darunter allerdings wirklich skurrile Gegenstände: Ein Perkussionsschussapparat beispielsweise, der gegen Maulwürfe eingesetzt wurde. Ein Mini-Galgen für Mäuse. Das kleinste Spinnrad der Stadt – um 1890 aus Knochen gedrechselt und nicht einmal zehn Zentimeter hoch. Glas-Gnittelsteine aus dem Mittelalter, die Vorläufer der heutigen Bügeleisen. Oder aus einem verwandten Bereich: der Ofen, der vor rund 100 Jahren in einer münderschen Schneiderstube stand. Die Besonderheit: Der Ofen verfügt über eine Art Bügeleisen-Magazin – während mit einem Eisen gearbeitet wurde, wurden die anderen wieder gewärmt.

Geschichte zum Begreifen gibt es in einem Raum, der wie ein Magazin gestaltet ist. Die Exponate werden dort nicht in Vitrinen vorgestellt, sondern in offenen Regalen. Gegenstände wie eine alte Kaffeemühle, ein Holzspielzeugauto und ein Wassereimer aus Stoff dürfen gerne in die Hand genommen werden. „Das ist gerade für Kinder, für Schulklassen interessant“, sagt Meier.

Dass auch Textilien Geschichte greifbar machen können, wird gleich nebenan deutlich: Neben dem bereits gezeigten „Goldkleid“ wird auch die Kleidung eines Heimkehrers aus russischer Kriegsgefangenschaft gezeigt. Indirekt wirbt das Museumsteam mit der Ausstellung auch dafür, auch Dinge aus privaten Sammlungen oder Nachlässen dem Museum anzuvertrauen – das Sammlungsinteresse des Museums sei breit gefächert.

Zu sehen ist die Ausstellung ab dem kommenden Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr.



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