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Eckhard Hülm (SPD) will nicht mehr für Ortsrat, Stadtrat, Kreistag kandidieren

Ratlos

Deckbergen. Das SPD-Urgestein Eckhard Hülm will nicht mehr. „Private Gründe“ seien der Grund für seine Nicht-Kandidatur, sagte er der Schaumburger Zeitung. Unser Autor Hans Weimann erklärt, wieso eines der verdienten Mitglieder der Sozialdemokratie mit gerade 58 Jahren aufhört. Und die SPD verwirrt zurück lässt.

Autor:

von Hans Weimann

Deckbergen. Eckhard Hülm, sozialdemokratisches Urgestein, seit 29 Jahren im Stadtrat, seit 34 Jahren im Ortsrat Deckbergen-Schaumburg-Westendorf, seit fast 20 Jahren Ortsbürgermeister will nicht mehr. Er werde nicht mehr kandidieren, bestätigte er in einem Telefongespräch. 58 Jahre sind eigentlich kein Alter für einen Kommunalpolitiker, um einfach aufzuhören. „Private Gründe“ seien es, die ihn zu diesem Entschluss bewogen hätten, schilderte Hülm am Telefon. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Es ist seine offizielle Lesart.

Freunde in der Partei wissen es besser. Hülm mangelt es nicht an Ego aber das braucht man, um in der Kommunalpolitik etwas durchsetzen zu können. Er ist der Mann, der nicht regelmäßig jede Sitzung, jedes Parteitreffen absitzt, was er durch seinen Beruf auch gar nicht kann. Was ihm Parteisoldaten aber trotzdem bisweilen vorhalten, wider besseres Wissen, dabei verdrängten, dass Hülm immer da ist, wenn er gebraucht wird.

Der Kreistag gilt unter Kommunalpolitikern als Kür in der Kommunalpolitik, weil es hier oft nicht ums Detail sondern die große Linie geht, die Perspektiven für die Zukunft. Hülm saß 15 Jahre in diesem Gremium, dann verweigerte ihm die SPD bei den Kommunalwahlen 2011 einen sicheren Listenplatz. Freunde sagen, das hat er bis heute nicht verwunden. Denn im Kreistag hatte er sich besonders engagiert. Wenn jemand die Vorlagen gelesen hatte, dann Hülm. Und Hülm hat in seinem Ortsteil mehr bewegt als manch anderer Ortsbürgermeister. Das kann man besichtigen, wenn man durch die drei Dörfer geht.

Dass er jetzt bei den Kommunalwahlen im September nicht mehr antritt, ist eine Nachricht, die eigentlich noch nicht hätte an die Öffentlichkeit kommen sollen. Es passierte eher beiläufig und zufällig während der Diskussion über die Listenaufstellung für die Kreistagkandidaten bei einer Versammlung des SPD-Ortsvereins am Mittwoch letzter Woche.

Die Diskussion begann mit der durchaus noch sachlichen Frage von Friedhelm Skoruppa, warum eigentlich auf dem Listenvorschlag des Vorstandes für die Kreistagskandidaten niemand aus Deckbergen-Schaumburg-Westendorf zu finden sei. Eine Diskussion, die sich hochschaukelte, als klar wurde, in der Deckberger SPD hat man den Termin zur Listenaufstellung wohl verschlafen und dann der Satz fiel: „Eckhard Hülm kandidiert nicht mehr.“

Deckberger SPD

muss sich nach Hülms Abgang neu finden

Der Vorstand drängte auf eine Entscheidung, denn die endgültige Liste für die Kreistags-Kandidaten soll in dieser Woche abgegeben werden. Man fand am Mittwoch in der Versammlung einen Kompromiss: Sabine Just erklärte sich bereit, auf ihre Kandidatur zu verzichten. Gesetzt war sie auf Platz zehn. Diesen Platz hätte ein Kandidat aus Deckbergen, Schaumburg, Westendorf bekommen, wenn sich bis zum gestrigen Montag einer gefunden hätte. Hat sich aber nicht. Man darf das als Indiz für die Verwirrung in der Deckberger SPD werten, die offensichtlich von Hülms Rücktritt völlig überrascht worden ist.

Das SPD-Urgestein hinterlässt auch eine Lücke in der Wahlkampfstrategie der Partei, denn er war im Dorf das Gesicht der SPD. Bei den Kommunalwahlen 2011 holte die SPD fast doppelt so viel Stimmen wie CDU und WGS und damit fünf Ortsratsmandate. Wenn es auch diesmal klappen soll, wird sich die SPD vor Ort etwas einfallen lassen müssen.

Hülm erhielt 2011 übrigens 402 Stimmen, die meisten im Dorf, an zweiter Stelle folgte mit 217 Stimmen Heinrich Sasse (WGS). Die kommunalpolitische Pointe: Mit Sasse rückte dann 2011 doch ein Vertreter von Deckbergen, Schaumburg und Westendorf in den Kreistag ein. Sasse wurde mit 1562 Stimmen gewählt.




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