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Rammstein in Hannover: Heißes Horror-Szenario

Es knallte, es rauchte, es dröhnte: Rammstein begeisterte am Dienstagabend 44 000 Fans im Stadion in Hannover. Wir waren dabei.

Autor:

Lars Andersen

Hannover. Was für ein Auftakt, denn schon das Opening gleicht einem vorweggenommenen Showdown. Drummer Christoph „Doom“ Schneider stolziert unter lautem Jubel der Fans auf die Bühne und bearbeitet seine Schlagzeugfelle – ein donnernder Knall, dann kommen zwei Gitarristen, ein Keyboarder, der Bassist sowie der Sänger. Showtechnisch ist Rammstein ein Blockbuster, denn keiner protzt bei seinen Livekonzerten mit so viel Pyrotechnik wie das Berliner Sextett. Auch in der HDI-Arena herrscht der Ausnahmezustand, als die Finstermänner mit Feuersäulen, Flammenwerfern und ohrenbetäubenden Explosionen die Augen und Ohren der Fans teilweise auf das Ärgste strapazieren.

Das ist „Made in Germany“ – Neue Deutsche Härte nennt man die Musik der Angstmacher – und da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Hier läuft bei den Akteuren der Schweiß in Strömen. Die Jungs haben ihr Handwerk gelernt – insbesondere Frontmann Till Lindemann, der nach Paragraf „20 SprengG“ zum Pyrotechniker befähigt ist – dadurch ist die Band auch berechtigt, es bei ihrer Show ordentlich krachen zu lassen.

Die Bühne ist ein Monstrum aus riesigen Boxentürmen, aus denen im Laufe des Abends unter anderem Feuerfontänen in die Mitte des Fußballstadions geschickt werden. Ansonsten ballert Deutschlands erfolgreichster Rock-Export aus allen Rohren – riesige Rauchschwaden verdunkeln den Himmel und man bekommt das Gefühl, dass die Arena abgefackelt wird.

3 Bilder
Mit dem Opener „Was ich liebe“ läutet Rammstein-Frontmann Till Lindemann im Schlangenleder-Outfit sein zweistündiges Horror-Spektakel ein. Fotos: Lars Andersen

In der ersten Hälfte des Konzerts spielt die Formation überwiegend Titel aus dem aktuellen Nummer 1-Album „Rammstein“ – darunter auch die Vorab-Single „Deutschland“. Der gesungene Text weist auf die vielfältigen innerdeutschen Konflikte hin. „Es geht mir nicht gut, ich reiß‘ der Puppe den Kopf ab“, singt Lindemann neben einem riesigen Kinderwagen, aus dem Feuer kommt.

Wenig später wetzt der Sänger im passenden Schlachterschürzen-Outfit sein Hackebeilchen und performt den Menschenfresser-Song „Mein Teil“. Keyboarder „Flake“ befindet sich dazu in einem überdimensionalen Kochtopf, der mit Flammenwerfern auf die richtige Betriebstemperatur gebracht wird. Bei „Pussy“ dürften sich die Haare der Sittenwächter sträuben, denn Lindemann spaziert einmal mehr mit einer überdimensionalen Penis-Attrappe über die Bühne. Rammstein polarisiert und provoziert weiter in gewohnter Weise – aber das kennt man ja mittlerweile von den Bösewichten, die schon seit 1994 die düsteren Seiten unserer Psyche bearbeiten.

Mit „Engel“ geht es auf eine kleine B-Stage, auf der die Band, zusammen mit dem Klavier-Duo Jatekok die zweite Halbzeit einläutet. Bereits im Vorfeld begeistern Adélaïde Panaget & Naïri Badal an diesem Abend als Support das Publikum mit klassischen Rammstein-Interpretationen. Zu sehen waren die beiden Musikerinnen jedoch meist nur in Kleinformat, denn Leinwände links und rechts der Bühne gibt es nicht. Nur eine kleine Videowand an der oberen hinteren Bühnenmitte liefert ab und an Momentaufnahmen.

Danach geht es im Schlauchboot auf den Händen der Fans zurück auf die Hauptbühne. Dort beenden die Jungs mit Stücken wie „Du riechst so gut“ oder „Ich will“ ihre Monstershow, die noch einmal mit einer Überdosis Pyro aufgepeppt wird.




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