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Über hundert Rintelner beim Info-Abend der Stadtverwaltung / Schüler rügen Verschwendung von Steuergeldern

Radweg durchs Freibad? Kritische Stimmenüberwiegen

Rinteln (ur). Weitüber 100 interessierte Rintelner sind am Mittwochabend im Brückentorsaal zusammengekommen, um sich von der Stadtverwaltung über den aktuellen Planungsstand zum Weserradweg informieren zu lassen - eine Aufgabe, für die man Heiko Wiebusch vom Planungsbüro GfL gewonnen hatte, der in verschiedene Leader-Projekte für den Bereich Westliches Weserbergland zwischen Hameln, Hessisch Oldendorf und Rinteln involviert ist.

Wiebusch betonte, dass man das Thema nicht polemisch reduzieren dürfe auf eine Parole wie "400 Meter Radweg für 350 0000 Euro". Vielmehr müsse man die Maßnahme als Teil eines Pakets sehen, mit dem man den Weserradweg gegen die aufstrebende Konkurrenz von der Elbe wettbewerbsfähig mache und zu dem auch Wasserwandern, Kunst und Kultur gehörten: "Nicht nur als Angebot an Touristen, sondern auch mit dem Ziel, die Lebensqualität im Bereich der Naherholung für die Menschen in der Region zu verbessern." Dass dafür EU-Mittel fließen, sei zwar kein Grund, Projekte durchzuführen, allemal aber Anlass, Verbesserungen für die Anwohner mit Anliegen der übergreifenden Planung zu verbinden, wie man dies bei Weserpromenade und Radwanderweg beabsichtige. Den ursprünglich genannten Kostenrahmen von 350 000 Euro für Radweg, Info-Installation, Park- und Rastplatz habe man auf 300 000 Euro reduzieren können - auch dadurch, dass die Stadt die begleitende Planung nicht "nach außen" vergebe, sondern eben mit eigenen Kräften intern leiste. Wiebusch räumte ein, dass sich die Aufenthaltsqualität für die Gäste des Weserangerbades "in geringem Umfang" verschlechtere, dass Liegefläche verschwinde, die "Privat- heit" der Besucher durch die Radler beeinträchtigt werde und der Panoramablick auf die "Schokoladenseite" der Stadt verloren gehe. Dafür aber führe man die Radwanderer sicherer zur Stadt und mobilisiere für die Innenstadt. Bereits während des bebilderten Infovortrags wurde die von Gisela Güffens initiierte Petition gegen die Zerschneidung des Freibad-Areals durch den Radweg herumgereicht und von vielen Anwesenden unterstützt - eine Tendenz, die sich auch in der inoffiziellen Schlussabstimmung ausdrückte, bei der die vorgestellte Planung gegen das überwältigende Votum der Planungsgegner gerade mal ein halbes Dutzend Befürworter fand. Wobei von den anwesenden Kommunalpolitikern auch solche gegen das Projekt votierten, die es noch vor einigen Wochen durchgewunken hatten, meinte SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann. Die Diskussionsleitung hatte Bauamtsleiter Reinhold Kochübernommen. Keine leichte Aufgabe angesichts der Vehemenz, mit der die Bürger zeitweise ihren Unmut anmelden und zu Protokoll geben wollten. Den Auftakt machten zwei junge Leute vom Gymnasium Ernestinum, die sich gegen eine leichtfertige Verschwendung von Steuergeldern aussprachen, während die Schulräumlichkeiten und Einrichtungen in Rinteln sich zum Teil auf dem Niveau eines "Drittweltlandes" befänden. Diverse "Neubürger" betonten, wie gut ihnen von Anfang an das "provinzielle Ambiente" zwischen Weserangerbad, Kuhweide und Altem Hafen gefallen habe, dessen Charme man nicht ohne Not aufs Spiel setzen dürfe. Kritisiert wurde auch das Förderwesen an sich, da es immer wieder Politiker zu Ausgaben stimuliere, für die wieder Mittel auf Kredit aufgenommen werden müssten - eine Kritik, der sich auch Dagmar König und Ortsbürgermeister Ulrich Goebel für die CDU anschlossen. Gert Armin Neuhäuser von der WGS warnte vor allzu voreiligen "Refinanzierungs- argumenten" bei Investitionen in den Radtourismus und kritisierte, dass der Referent keineswegs den neutralen sachverständigen Gutachter dargestellt habe, als der er eingeführt worden sei. Für die FDP referierte Paul-Egon Mense zum Thema verfehlte Steuern- und Ausgabenpolitik, Sparkassenvorstand Günther Klußmeyer sprach sich für "Pro Rinteln" ohne Wenn und Aber gegen die Planung aus, "die zwar kostet, aber nichts einbringt". und Ratsherr Gerhard Helmhold von den Grünen meinte gegenüber dem Vortragenden: "Sie haben die Marketingargumente für den Radwanderweg recht isoliert auf den Punkt gebracht. Wenn man das Freibad einbezieht, erkennt man, dass Rinteln mit dem Freibad am Fluss über ein echtes Alleinstellungsmerkmal verfügt, wie man es sich besser kaum wünschen kann." Vorgeschlagen wurde, den Radwanderweg unter der Büntebrücke hindurchzuleiten: Dann sei der Weg landschaftlich attraktiver und sicherer - und das Nadelöhr an Weserbrücke und Mindener Straße könne man ohnehin nicht abschaffen: "Da müssen wir mit leben und die Touristen auch!"



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