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Radtourismus: Bad Münder profitiert nicht vom Weserradweg

BAD MÜNDER. In Deutschland boomt der Fahrradtourismus. Nach einer Analyse des Deutschen Fahrradclubs (ADFC) saßen im Vorjahr 5,2 Millionen Deutsche im Urlaub auf einem Fahrrad – 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Einer der beliebtesten Strecken: Der Weserradweg – nur wenige Kilometer von Bad Münder entfernt.

Das Weserbergland zwischen Gepäckträger und Lenker: Viele Touristen erkunden Deutschland im Urlaub mit dem Fahrrad – die Anbindung an den gut ausgebauten Weserradweg ist allerdings kein Garant für mehr Touristen in Bad Münder. Foto: Weserbergland-Tou
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Davon profitiert die Kurstadt trotz Vernetzung allerdings nicht. „Da können wir nicht punkten“, gibt Thomas Slappa von der Getour zu. Der Tourismusmanager kann aber erklären, warum: „Man muss bei dem touristischen Fahrradverkehr unterscheiden.“ Es gebe die eine Gruppe, die auf den Fernradwegen lange Touren über mehrere Tage absolviere und auf der anderen Seite diejenigen, die während ihres großen Urlaubs auch mal ein paar Tage auf dem Rad sitzen. „Wer auf dem Weserradweg fährt, bleibt meistens auf dieser Strecke.“ Bad Münder bekomme davon keine zusätzlichen Übernachtungsgäste.

Anders verhalte es sich mit der zweiten Gruppe. Auch wenn Slappa keine Zahlen vorlegen kann: „Unsere Fahrradkarten und Flyer werden häufiger nachgefragt und sind öfter vergriffen.“ In der Umgebung von Bad Münder warten gleich zwei Fahrradstrecken auf Besucher: Der Deisterkreisel und die Ith-Schleife. „Dort fahren viele, die in der Umgebung einen festen Standort haben und dann einzelne Etappen fahren.“ Ein Beispiel: Am ersten Tag von Bad Münder aus starten, eine Nacht in Barsinghausen verbringen und am nächsten Tag wieder auf dem Rad zurück. Der Kreisel hat eine Gesamtlänge von knapp 100 Kilometern – zusammen mit den Höhenunterschieden vermeintlich zu viel an einem Tag für Freizeitradler. „Allerdings nehmen vor allem E-Bike-Fahrer durchaus höhere Steigungen in Kauf“, sagt Slappa. Die Akkus der aktuellen E-Bike-Generation tragen die Radler weiter als 100 Kilometer.

Mit den motorisierten Rädern steige gleichzeitig auch die Reichweite vor allem älterer Urlauber, erklärt Slappa den aktuellen Trend im Radtourismus – was ebenfalls Bad Münder zu Gute komme: „Wir haben ohnehin in Bad Münder viele ‚best-ager‘“, so nennt der Tourismus-Experte die Senioren unter den Urlaubsgästen, „die können dank der E-Bikes nun weiter und länger Fahrrad fahren.“ Dass immer öfter E-Bikes auf den Fahrradstraßen unterwegs sind, sei durch Umfragen und Zählungen auch wissenschaftlich belegbar. „Da gibt es eine deutliche Zunahme, während sich der klassische Radtourismus stabilisiert hat.“

Den Verleih von E-Bikes hat die Getour im vergangenen Jahr trotzdem eingestellt. „Die Nachfrage war nicht mehr da.“ Was auf den ersten Blick seltsam anmute, aber: „Vor ein paar Jahren wurden E-Bikes geliehen, um die Technik zu testen. Jetzt haben die, die davon überzeugt wurden, eigene E-Bikes.“ Außerdem gebe es nun einen privaten Anbieter in Bad Münder, mit dem man kooperiere.

Eine E-Bike-Ladestation gibt es bei der Getour auch nicht mehr. „Aber wenn jemand nur eine Steckdose sucht, kann er seinen Akku natürlich bei uns einstöpseln“, sagt Slappa. Auch in der Umgebung seien Ladestationen aufgegeben worden – aufgrund unterschiedlicher Systeme und sinkender Nachfrage.

Dafür gibt es eine Idee für den Ausbau des Radtourismus im östlichen Weserbergland: „Angedacht ist eine Waldtour zwischen Hameln und Bad Münder.“ Die Idee, den Radweg von den viel befahrenen Bundesstraßen weg an den Rand des Süntels zu verlegen, gebe es allerdings schon seit Jahren, weiß Slappa.



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