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Wanderer suchen die Ruhe, Mountainbiker wollen den Kick. Aber beide Gruppen haben dasselbe bevorzugte Terrain: Den Wald. Die Forstverwaltungen versuchen, die Interessen in Einklang zu bringen, wobei die Mountainbike-Variante Downhill (bergab) speziell im

Radsport auf Abwegen

Downhill ist ein Sport, bei dem Geschick und Mut mehr zählen als Kraft und Ausdauer. Ist für Vertreter der älteren Radsportarten wie Cross und Straßenfahren eher die Schinderei bergauf das Salz in der Suppe, so geht es beim Downhill (auch Freeride genannt) vor allem um die horizontal entgegengesetzte Richtung: Mountainbiker lieben es, unwegsames Gelände möglichst schnell und mit artistischen Einlagen hinunterzudüsen.

Autor:

Guido Scholl
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Ein erfahrener Downhiller ist Boris Cordes. Cordes schwärmt für den Deister, der als Paradies für Mountainbiker einen Ruf weit über die regionalen Grenzen hinaus hat. „Da kommen Fahrer aus Oldenburg und Bremen, weil sich herumgesprochen hat, dass es hier so viele Trails gibt“, erklärt der Wunstorfer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Trails sind die Pfade, die sich die Sportler in die Natur bauen. Der Deister soll über den Daumen 25 dieser zwischen zwei und dreieinhalb Kilometer langen Biker-Parcours haben, doch so ganz genau kennt die Zahl niemand. Kartiert sind sie nämlich nicht. Aus einem guten Grund: Sie sind illegal.

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Und an der Stelle kommt zur sportlichen Herausforderung des Downhill die zweite hinzu: Die Forstverwaltung muss nicht mehr „nur“ zwischen Wanderern und Radfahrern vermitteln, die sich auf den Wegen des Waldes in die Quere kommen. Plötzlich geht es um den Schutz der Natur. Denn die Trails stören beispielsweise Brutplätze. Und es kommt eine rechtliche Komponente hinzu: Bei schweren Stürzen oder Unfällen stellt sich die Frage der Haftung.

Daher setzten sich Biker und Forstvertreter 2009 an einen Tisch, um für den Deister eine Lösung zu finden. Die seit 2007 bestehende lose Verbindung der „Deisterfreunde“ trat für die Interessen der Mountainbiker ein. Schnell kam die Idee auf, offizielle, also von den Forsten legalisierte Trails auszuweisen. Die Deisterfreunde wurden zum Verein, der einen Vertrag mit den Pächtern zweier Waldabschnitte bei Wennigsen und Barsinghausen schloss. Vor Kurzem ist die Probephase für den ersten der beiden geplanten offiziellen Trails angebrochen.

Ein Jahr lang soll beobachtet werden, ob die legale Strecke dazu führt, dass die nicht erlaubten Parcours weniger frequentiert werden. Denn nach Worten Hansmanns muss die Forstverwaltung die illegalen Strecken „zurückbauen“ – ein besonders beliebter Trail bei Barsinghausen ist bereits verschwunden. Bis zu zehn Meter weite Sprünge waren darauf möglich, sagt Boris Cordes. Eigentlich sei das schade, aber er wolle sich nun auf die legalen Strecken fokussieren. Denn ein Dauerzwist ist weder Bikern noch Förstern lieb.

Problematisch könnte sein, dass der Deister wegen seiner abwechslungsreichen Trails beliebt ist. Es gibt leichte und schwere, solche mit Sprungschanzen oder mit Bauwurzeln. Ob die Mehrzahl der Mountainbiker da bereit ist, sich auf zwei ausgewiesene Strecken zurückzuziehen, muss sich erst noch zeigen.

Ginge es nach Cordes, dann schlügen die offiziellen Stellen irgendwann ohnehin einen ganz neuen Weg ein. Der Downhill-Fahrer sähe es gern, wenn das Sport-Potenzial des Deisters so genutzt würde, dass ein neuer Fahrradtourismus entstünde, an dem sich sogar Geld verdienen ließe.




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