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Qualm macht noch kein Feuer

Bad Münder. Fehlalarme, die die Feuerwehr zum Einsatz rufen, können teuer werden – 250 Euro erhebt die Stadt als Pauschale. Allein zwischen dem 25. Juli und dem 2. August wurden die Freiwilligen vier Mal zum Einsatz gerufen, nachdem eine Brandmeldeanlage ausgelöst hatte – in keinem Fall wurde ein Feuer festgestellt. Der Betrag wird jedoch nicht bei Privatleuten fällig, sondern bei Firmen, Kliniken oder Altenheime, deren Brandmeldeanlagen an die Kooperative Regional-Leitstelle in Hameln angeschlossen sind.

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Und das sind in Bad Münder und den Ortsteilen 22 Objekte, sagt Rolf Schubert von der Stadtverwaltung. Im vergangenen Jahr habe er 25 Gebührenbescheide rausgeschickt. „In aller Regel gibt es seitens der Betreiber keine Klagen, das Geld wird anstandslos überwiesen und fließt in die Haushaltskasse.“ 2012 also 6250 Euro.

Intern wird bei der Feuerwehr zwischen Fehl- und Falschalarmen unterschieden. „Für uns sind nicht alle Einsätze, bei denen kein Feuer festgestellt wird, gleich Fehlalarme“, erklärt Stadtbrandmeister Carsten Koch. So sei ein Alarm, der durch Wasserdampf ausgelöst werde, ein Falschalarm – weil es einen konkreten Auslöser gibt. „So einen Fall hatten wir tatsächlich mal“, erzählt Koch schmunzelnd, „da hatte einer beim Duschen die Badezimmertür aufgelassen, aber die Fenster zugemacht.“ Das Gleiche gelte, wenn der Toast angebrannt sei oder der Tischler vergesse, den Rauchmelder während der Arbeit abzukleben. „Der Melder kann zwischen Rauch und Staub nämlich nicht unterscheiden.“

Für die Feuerwehren sei es erst in dem Moment ein klassischer Fehlalarm, wenn sich keine Ursache feststellen lasse. „Bei Falschalarmen muss der Verursacher meist nicht zahlen“, sagt Heinrich Jochim, stellvertretender Stadtbrandmeister, „da müssen wir die Kirche im Dorf lassen.“

Jochim macht aber ganz deutlich, dass er die Pauschale für zu gering halte. Stadthagen nehme beispielsweise 1000 Euro. „Seit zehn Jahren hat sich die Pauschale nicht geändert, da muss etwas passieren“, fordert Jochim. In die Berechnung gehen die Spritkosten, die Erstattung für die Arbeitgeber sowie Fahrzeug- und Materialkosten mit ein.

Die Feuerwehren sind gesetzlich verpflichtet, jeden Alarm zu überprüfen. „Selbst wenn uns die Betroffenen noch anrufen und mitteilen, dass es nur ein Fehlalarm war, rücken wir aus“, so Koch, „da können sie machen, was sie wollen“. Dies sei nicht nur vom Gesetzgeber gewollt sondern auch nötig, da nur die Feuerwehr die Anlage in ihren Ausgangszustand zurückschalten könne.

Die Satzung der Feuerwehr regelt die Kostenübernahme und -höhe. „Leistungen aufgrund vorsätzlicher oder grob fahrlässiger grundloser Alarmierungen (Fehlalarme), Leistungen infolge von Fehlalarm durch automatische Brandmeldeanlagen.“ 250 Euro werden dafür veranschlagt. Nicht viel, wenn man bedenkt, wie häufig tatsächlich solche Alarmierungen vorkommen. Allein die Freiwilligen aus der Kernstadt rückten seit Januar 14 Mal aus.

„Das zerrt natürlich an den Nerven“, sagt Marko Koch, Pressesprecher der Stadtfeuerwehr. Jedes Mal müsse man sich wieder aufraffen, „man muss schließlich jede Alarmierung ernst nehmen“. Auch für den Arbeitgeber sei die Situation nicht erfreulich, schließlich bekomme er von der Stadt den Arbeitskraftverlust nicht voll erstattet. „So ein Einsatz dauert rund zwei Stunden und im Durchschnitt fahren drei Wagen mit zwölf Kameraden raus“, erklärt Klose.

Erst im vergangenen Dezember hat auch die Stadt Springe die Satzung für die Feuerwehr geändert und erhebt seitdem eine Pauschale: Dort werden für (mutwillige) Falschalarmierungen 250 Euro und bei Auslösung einer Brandmeldeanlage 400 Euro fällig. Davor ist die Stadt noch für alle Kosten aufgekommen – außer die Anlage war nicht ordnungsgemäß gewartet.

So sehr sich Koch manchmal über mutwillig oder fahrlässig ausgelöste Alarme ärgert, begrüßt er die Rauchmelderpflicht für Privathaushalte, die 2015 in Kraft tritt. „Eigentlich viel zu spät“, sagt Koch. Jedes Jahr verunglücken in Deutschland rund 500 Menschen tödlich durch Brände, die meisten davon in den eigenen vier Wänden. Die große Mehrheit stirbt dabei nicht an Verbrennungen, sondern an einer Rauchvergiftung. Rauchmelder sollten in Schlaf- und Kinderzimmern sowie in Fluren installiert werden. Bei Fluren ist die Installation vor allem dann wichtig, wenn der Flur im Brandfall als Fluchtweg genutzt werden muss. Der Stadtbrandmeister warnt vor Käufen vom „Ramschtisch“. col



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