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Satellit verhilft zu Entdeckung in Ägypten

Pyramiden unter dem Wüstensand

Kairo. Ägypten hat offenbar noch mehr Pyramiden zu bieten als bisher bekannt: Ein US-Archäologenteam entdeckte dank eines neuen Verfahrens zur Auswertung von Satellitenaufnahmen 17 verborgene Pyramiden sowie Tausende Gräber und Siedlungen. Ausgrabungen bestätigten einige der spektakulären Entdeckungen bereits.

Autor:

Johannes Markiewiczund Anne-Béatrice Clasmann

„Ich konnte nicht glauben, dass wir auf diese Weise derart viele archäologische Stätten in ganz Ägypten entdecken würden“, schrieb die Leiterin des Archäologenteams, Sarah Parcak, in ihrem Internet-Blog. „Jeder Archäologe wünscht sich, eines Tages eine Pyramide auszugraben.“ Parcak zählt zu den Pionieren der sogenannten Weltraum-Archäologie, die bei ihrer Forschung auf vom All aus gesammelte Daten zurückgreift.

Für seine Suche hatte das Wissenschaftlerteam von der Universität von Alabama seit mehr als einem Jahr die Aufnahmen eines Nasa-Satelliten ausgewertet. Der Satellit hatte hochauflösende Infrarot-Bilder der Totenstadt Sakkarah und Tanis gemacht, einer bedeutenden archäologischen Stätte im Nordosten Ägyptens. Die Kameras des Satelliten sind so leistungsstark, dass sie auch Strukturen mit einem Durchmesser von weniger als einem Meter sichtbar machen können. Außerdem lassen sich auf den Bildern Materialien voneinander unterscheiden. So lassen sich beispielsweise verschüttete Mauern aus Tonziegeln erkennen, deren Struktur sich von der sie umgebenden Erde unterscheidet.

Ägyptens Staatsminister für Altertümer, Zahi Hawass, teilt die Euphorie der amerikanischen Archäologen jedoch nicht: Erst vor einigen Monaten habe man südlich der Stufenpyramide von Sakkara drei Stätten untersucht, an denen man aufgrund von Satellitenaufnahmen Pyramiden vermutet hatte. Diese seien zum einen bereits vor vielen Jahrzehnten von einem französischen Forscher unter dem Sand entdeckt worden. Zum anderen habe das ägyptische Ausgrabungsteam lediglich das Fundament einer wohl nie vollendeten Pyramide gefunden. „Wir arbeiten in unserer Branche schon seit langer Zeit mit Luftaufnahmen und Satellitenbildern“, erklärte hingegen die deutsche Archäologin Nicole Alexanian, die eine Grabung in unmittelbarer Nähe der sogenannten Knickpyramide von Dahschur leitet. „Aufgrund der Ausmaße und des quadratischen Grundrisses kann man anhand solcher Aufnahmen schon feststellen, ob es sich um eine Pyramide handelt oder um ein anderes Gebäude.“ Doch nicht jeder Überrest einer Pyramide oder eines Sockels, der heute unter dem Wüstensand liege, sei wirklich unbekannt.

Parcak und ihre Mitarbeiter nahmen bereits einige Grabungen vor, um die Existenz der verschütteten Stätten zu bestätigen. Bei den Grabungen wurden unter anderem zwei Pyramiden sowie ein rund 3000 Jahre altes Haus freigelegt. Die Funde zeigten, „dass wir die Größe und das Ausmaß der Überreste menschlicher Gesellschaften der Vergangenheit unterschätzt haben“, sagte Parcak. „Indiana Jones ist von der alten Schule, wir sind zu etwas anderem übergegangen, tut mir leid, Harrison Ford“, scherzte die Wissenschaftlerin in Anspielung auf die Abenteuerfilme mit dem US-Star.

Satellitenaufnahmen – wie hier von der altägyptischen Stadt Tanis – verhelfen den Weltraum-Archäologen zu überraschenden Funden.

Foto: afp




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