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Von spätbarockem Ernst hin zu fröhlichem Volkstanzspaß / Hervorragende Musiker

Publikum begeistert: Volckmar-Abend wird zu anregendem Musikerlebnis

Rinteln (cok). Der Rintelner Komponist Adam Valentin Volckmar (1770-1851) genoss zu seiner Zeit durchaus Bewunderung und Ansehen für seine musikalische Arbeit in der Weserstadt. Wäre er aber am Sonnabend im Ratskellersaal dabei gewesen, als vier seiner kammermusikalischen Kompositionen vom "Arte Ensemble" erstmalig der Öffentlichkeit vorgespielt wurden, die offene Begeisterung des Publikums hätte ihn sicher gerührt.

Als "kleinen Mozart" hatte ihn der Schweizer Verleger Bernhard Päuler bezeichnet, der Volckmars Werke in seinem Amadeus-Verlag veröffentlicht. Doch eigentlich ist der Organist, Gesangslehrer und Gymnasiallehrer Volckmar mehr als das: Seine Trios und Quartette für Klarinette, Klavier und Streicher besaßen so viel Einfallsreichtum, spielten mit Stimmungen, die vom spätbarocken Ernst über Mozart'sche Melancholie bis hin zu fröhlichem Volkstanzspaß und bereits romantisch anmutenden Gefühlsausbrüchenreichten, dass man ihn als einen ganz eigenständigen Komponisten empfinden konnte, mit einer eigenen Stimme. So gab es nach jedem Stück großen Beifall, der nicht nur dem so intensiv agierenden "Arte Ensemble" mit seinen hervorragenden Musikern - Kathrin Rabus (Violine), Christian Pohl (Viola), Ute Sommer (Violoncello), Gerrit Zitterbarth (Klavier) und Guido Schäfer (Klarinette) - galt, sondern eben auch den Kompositionen selbst, die manchmal so eingängige Melodien anspielten, dass man sie fast auf Anhieb hätte mitpfeifen können. Volksliedweisen, wie zum Beispiel die Melodie von "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", schienen anzuklingen, manchmal konnte glatt das Walzertanzbein zucken, und vor allem die Art, wie die Instrumente umeinander herumturtelten, wie sie sich, echte Persönlichkeiten, neckten, verfolgten und miteinander sprachen, das war richtig gute und gute Laune auslösende Unterhaltung. Überhaupt war dieser Konzertabend, der zugleich auch als Eröffnung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Heimatbundes galt, sehr unterhaltsam angelegt. NDR 1-Musikredakteur Rudolf Krieger trat auf als gelassen plaudernder Moderator, der große Lust machen konnte auf die im Sommer vom "Arte Ensemble" eingespielte Volckmar-CD, und Museumsleiter Dr. Stefan Meyer hielt einen kleinen Vortrag über Leben und Wirken von Adam Valentin Volckmar, der eine recht angenehme, umgängliche Persönlichkeit gewesen zu sein scheint, Vater von drei ebenfalls hochmusikalischen Söhnen und ein Kirchenmusiker, der schon damals dafür sorgte, dass Rinteln musikalisch einen guten Ruf genoss in der gesamten Umgebung. Im Publikum befand sich auch das Musikverlegerehepaar Päuler, das extra für diese Premiere aus der Schweiz nach Rinteln angereist war. Bereits vor vielen Jahren hatte Bernhard Päuler in einem Antiquariat Notenblätter von Volckmar entdeckt, sie aber zunächst achtlos auf einen Stapel anderer Noten gelegt. Erst vor kurzem warf er durch Zufall einen näheren Blick auf die Kompositionen und entdeckte, dass sich hier kein Durchschnittskomponist verbarg. Zusammen mit seiner Frau spielte er die Stücke an und beide dachten: "Oh, das ist was!" Päuler nahm Kontakt zum Rintelner Museum Eulenburg auf, wo sich seit 1910 noch weitere Notenstapel Volckmarsfanden, die dann erstmalig konsequent gesichtet wurden und nun einer internationalen Öffentlichkeit zugänglich sind. Leider konnte das anregende Konzert aus radiointernen Gründen nicht vom NDR- Ü-Wagen aufgenommen werden. Dennoch wird es in einigen Monaten ein Radiofeature geben, das sich mit der Wiederentdeckung des Rintelner Komponisten beschäftigen und die CD des "Arte Ensembles" vorstellen wird.




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