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Prozess im Fall Kader K. beginnt im Mai

HAMELN/EIMBECKHAUSEN. Am 22. Mai wird Untersuchungshäftling Nurettin B. (39) – bewacht von Justizbeamten – in einen Gefangenen-Bus steigen und zum Gerichtsgebäude in Hannover gebracht werden. Kurz vor 9 Uhr wird er in den Schwurgerichtssaal geführt. So ist es geplant.

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

An dem Montag wird sich die 13. Große Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch erstmals mit einem „barbarischen Verbrechen“ (O-Ton Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese) beschäftigen, das vor etwas mehr als vier Monaten weltweit für Entsetzen gesorgt hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Eimbeckhausen versuchten Mord, vollendete gefährliche Körperverletzung und Bedrohung vor. Nurettin B. soll am Abend des 20. November die Mutter seines Kindes vor einem Mehrfamilienhaus an der Königstraße erst mit einem Messer niedergestochen und dann mit der stumpfen Seite einer Axt auf sie eingeschlagen haben. Das Werkzeug habe vor allem den Kopf und den Oberkörper der am Boden liegenden Hamelnerin getroffen, berichtet Hans-Christian Rümke, Sprecher des Landgerichts. Danach soll Nurettin B. die lebensgefährlich verletzte Kader K. (28) an sein Auto, in dem auch der damals zweijährige Sohn des Paares saß, gebunden und über mehrere Straßen geschleift haben. Dann löste sich das Seil, das Opfer blieb blutüberströmt liegen. Nurettin B. fuhr direkt zur Polizei, sagte nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klinge nur zwei Worte: „Ich war’s.“ Im Auto fanden Ermittler die blutverschmierte Axt.

Kader K. musste seinerzeit mehrfach wiederbelebt werden. Sie hatte neben zwei Stichverletzungen und großflächigen Schürfwunden auch eine lebensbedrohliche Hirnblutung erlitten. Die Messerklinge soll den Herzbeutel eröffnet haben. Nach Angaben des Oberstaatsanwalts ist auch die Milz getroffen worden.

Die Anwälte Roman von Alvensleben und Raban Funk werden der Hamelnerin, die lange Zeit im Koma lag und monatelang in Kliniken behandelt wurde, vor Gericht zur Seite stehen.

Im Dezember hatte sich die junge Frau gegenüber unserer Zeitung geäußert und erklärt, dass das Motiv der Tat ihrer Meinung nach Geld war. Ihr Ex-Mann habe sie angegriffen, weil er den Unterhalt nicht bezahlen wollte. „Ich habe den Prozess gewonnen. Er hat bei meiner Rechtsanwältin angerufen und gedroht: ,Ich bringe dich und Kader um, wenn ich von dir noch einmal einen Brief bekomme.‘“

Kader K.s Mutter und Bruder, aber auch ihr Rechtsanwalt von Alvensleben, sind fest davon überzeugt, dass Nurettin B. den Vorsatz hatte, seine Ex-Frau zu töten. Messer, Axt, Seil habe er dabeigehabt, sagt der Anwalt von Alvensleben.

Nurettin B.s Wahlverteidiger Matthias Waldraff teilt die Einschätzung des Nebenklage-Vertreters nicht. Er und Pflichtverteidiger Bastian Quilitz wollen nachweisen, dass ihr Mandant in einer Ausnahmesituation war, als er das Verbrechen beging. Planvoll und gezielt sei Nurettin B. seinerzeit nicht vorgegangen, meint Waldraff. Die Tat nennt der Star-Anwalt im Gespräch mit dieser Zeitung „extrem und grauenvoll“. Sie sei aber „nicht eiskalt ausgeführt“ worden. „Der seelische Zustand des Täters ist zum damaligen Zeitpunkt ebenso extrem gewesen wie die Tat selbst.“ Der Bluttat war ein langer erbitterter Streit vorausgegangen. Er wurde nicht nur mit juristischen Mitteln, sondern offenbar auch mit der Faust ausgetragen. Nach Angaben von Richter Rümke soll Nurettin B. seiner Ex-Frau bereits im Oktober gedroht haben: „Wenn die Unterhaltpfändung nicht bald aufhört, dann wird einer von uns bald sterben.“

Vor der Tat soll Nurettin B. auf einem Zettel notiert haben, was er bei diesem erbitterten Streit um Unterhaltszahlungen und den Goldschmuck der Braut als ungerecht empfunden hat. Frauen würden in Deutschland wie „heilige Kühe behandelt“. Die Familienrichterin, Kader K.s Anwältin und „die vom Jugendamt“ hätten das alles zu verantworten, schreibt er. Die angedrohte Gehaltspfändung hat wohl bei ihm „das Fass zum Überlaufen“ gebracht. Einige Sätze klingen so, als kündige der Mann das Verbrechen an: „Jetzt werde ich gepfändet von euch. Jetzt wird sie von mir gepfändet. Ich will in Frieden leben. Game over.“

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