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Während Ermittlungen laufen: Künstler bietet Staatsanwalt-Porträt im Internet an

Provokanter Protest mit dem Pinsel

Rinteln (crs). Immer skurrilere Züge nimmt die Posse um den Provinzmaler Tom Sack an. Er selbst nennt sich "Künstler, Galerist und Kunsthändler", die Staatsanwaltschaft hingegen wirft ihm Kunstfälschung im großen Stil vor (wir berichteten). Nach zwei Hausdurchsuchungen im Ort Schaumburg hat der Künstler jetzt zum Gegenschlagper Pinsel ausgeholt: In einem Internet-Kunstforum bietet er ein von ihm selber gefertigtes Porträt des ermittelnden Bückeburger Staatsanwalts zum Kauf an, wobei er diesen namentlich nennt.

Das Porträt mit seinen eher groben Pinselstrichen mutet für den unbefangenen Betrachter wenig spektakulär an - und hat doch einen stolzen Preis: 10 186 US-Dollar soll das 80 mal 60 Zentimeter große Porträt in Mischtechnik kosten. Ein Angebot über tausend Euro immerhin hat es Sack schon eingebracht. Und eine weitere Aktion von Staatsanwaltschaft und Polizei: Am Dienstag wurden Sacks Räume zum dritten Mal durchsucht, das Werk wurde beschlagnahmt. Das bestätigt Klaus-Jochen Schmidt als Sprecher der Bückeburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung. Dem 26-Jährigen werde ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz vorgeworfen, welches das Recht am eigenen Bild schützt. In § 22 nämlich heißt es: "Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden" - ein solches Einverständnis hat der abgebildete Staatsanwalt naturgemäß nicht erteilt. Verstöße werden laut Schmidt mit Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet. Sack hingegen beruft sich auf die Kunstfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes. "Das Persönlichkeitsrecht tritt hinter der Kunstfreiheit zurück", sieht sich der frühere Jura-Student rechtlich auf der sicheren Seite. Dass er durch diese Aktion neues Öl ins Feuer der Auseinandersetzung mit der Staatsanwaltschaft gegegossen hat, istihm bewusst - und war durchaus beabsichtigt: "Ich habe provoziert, das stimmt", räumt Sack ein. Er will sein Werk als Anspielung auf die Proteste der Ermittlungsbeamten verstanden wissen, die ihr Recht am eigenen Bild durch das von Sack ins Internet gestellte Video der Hausdurchsuchung verletzt sahen. "Als Künstler" habe er auf diese Weise seine Kritik am "skandalösen" Vorgehen der Staatsanwaltschaft zum Ausdruck bringen wollen. "In Analogie zu den von Gerichtszeichnern erstellten Porträts" müsse der Abgebildete das Werk akzeptieren, meint Sack. Dass dieser offenkundig wenig glücklich darüber ist, kann Sack nicht nachvollziehen. "Das Porträt ist sachlich und nichtbeleidigend", sagt der Maler. "Ich finde es eigentlich recht gelungen."




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