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Erste Klärschlammvererdungsanlage im Landkreis in Betrieb genommen / Sonntag ist "Tag der offenen Tür"

Problematische "Brühe" wird hier zu guter Erde

Bernser Landwehr (la). Genau ein Jahr nachdem sich der Wasserverband Nordschaumburg zum Bau der ersten Klärschlammvererdungsanlage im Landkreis Schaumburg entschlossen hat, ist gestern die rein ökologisch funktionierende Anlage in Bernsen in Betrieb genommen worden. Der Verbandsvorsteher Gerhard Stille öffnete das Zufuhrventil im Beisein zahlreicher Gäste aus Wirtschaft und Politik und ließ den ersten Klärschlamm in die großen Becken laufen.

Verbandsvorsteher Gerhard Stilleöffnet das Ventil und lässt den

"Am 1. Januar 2005 hat der Wasserverband Nordschaumburg das Klärwerk mit den Pumpen und dem 150 Kilometer langen Kanalnetz von der Gemeinde Auetal übernommen", erinnerte der Geschäftsführer des Wasserverbandes Nordschaumburg, Werner Volker. Die Gemeinde Auetal sei das einzige Mitglied, das sich zur Übergabe des Klärwerks entschlossen hat. Die Abwassermeister Günther Möller und der Mitarbeiter des Klärwerks Torsten Sellmann wurden übernommen und Patrick Schulz zusätzlich eingestellt. "Schon im ersten Betriebsjahr haben wir uns mit der Frage ,Wohin mit dem Klärschlamm?' befasst und eine Machbarkeitsstudie für die Klärschlammvererdungsanlage erstellen lassen", so Werner Volker. Das Grundstück habe der Wasserverband vom Landkreis Schaumburg zu einem fairen Preis gekauft, und am 10. Oktober 2006 sei der Beschluss gefasst worden, die Planung, den Bau, die Herstellung und die Betreuung der Anlage in die Hände der Firma Eko-Plant zu legen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Landkreis und allen mitarbeitenden Firmen habe es vom Planungsbeginn an bis zur Inbetriebnahme nur ein Jahr gedauert. 625 000 Euro habe der Wasserverband Nordschaumburg verbaut "und zwar ohne Fördermittel des Landes Niedersachen". Die Auetaler Bürger finanzieren die neue Anlage über die Abwassergebühren. "Es braucht aber niemand Angst vor einer Erhöhung der Gebühren zu haben - die bleiben in jedem Fall stabil", versprach Volker. "Obwohl die Investitionskosten jetzt am Anfang verhältnismäßig hoch waren, fangen die niedrigen Betriebskosten und der niedrige Stromverbrauch das wieder auf", lobte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier die "ökologische und ökonomische Anlage". "Mit dieser Anlage wird in die Zukunft gedacht und investiert", so Schöttelndreier. "In den vergangenen Jahren wurde es in der Gemeinde Auetal immer schwieriger landwirtschaftliche Flächen für die Klärschlammaufbringung zu finden", stellte Bürgermeister Thomas Priemer fest. Die Klärschlammvererdung sei für die Gemeinde schon lange eine brauchbare Alternative gewesen, die jetzt im Zuge der Übergabe der Abwasserbeseitigungsanlage und der Aufgabe der Abwasserbeseitigung an den Wasserverband im Jahre 2005 verwirklicht werden konnte. "Es ist gelungen, kreisweit eine bisher einmalige Anlage zu schaffen, die die konventionelle landwirtschaftliche Klärschlammbeseitigung vergessen macht, die im wesentlichen von Abnehmern und Transporteuren unabhängig macht und auch den ständigen Diskussionen über Grenzwerte und Klarschlammaufbringungsverbote Stand hält, wenngleich natürlich immer noch nach Jahren geringe zu beseitigende Rückstände verbleiben", so Priemer. Karl-Toni Zöller von der Firma Eko-Plant erklärte, dass die Firma vor 17 Jahren mit der Klärschlammvererdung begonnen habe. "Dies ist inzwischen die 33. Anlage in Niedersachsen und die 60. in Deutschland. Wir sind ein ganzes Stück vorangekommen." Dem Verbandsvorsteher Gerhard Stille war es dann vorbehalten, das Ventil der Anlage zuöffnen und den ersten Klärschlamm in die Becken fließen zu lassen. Zwar sind die Schilfpflanzen zurzeit noch recht klein und noch nicht grün, aber spätestens im Frühjahr sollen die Pflanzen ihre Farbe verändert haben und innerhalb kürzester Zeit auf eine Höhe von etwas 2,5 Metern wachsen. Interessierten Bürgern möchte der Wasserverband die Anlage am Sonntag, 14. Oktober, ab 11 Uhr bei einem Tag der offenen Tür vorstellen. Kläranlagenführungen und ein Rahmenprogramm mit Spiel, Spaß, Musik, Clownerie, Zauberei und Essen und Trinken erwarten die Besucher.

Das komplette Vererdungsbecken mit den Schilfpflanzen. Fotos: la
  • Das komplette Vererdungsbecken mit den Schilfpflanzen. Fotos: la
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