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Notärztin schildert Schwierigkeiten, die irrtümlich für tot gehaltene 79-Jährige in einem Krankenhaus unterzubringen

/Problem, um Betten betteln zu müssen

Stadthagen. „Das war ernsthaft schwierig.“ So beschreibt die diensthabende Notärztin die Aufgabe, die am Montag vergangener Woche irrtümlich für tot gehaltene 79-jährige Stadthägerin in einem Krankenhaus unterzubringen.

Die Krankenhäuser in Stadthagen und Bückeburg hätten sich zu dem Zeitpunkt wegen Überfüllung bei der Rettungsleitstelle abgemeldet, berichtete die Notärztin im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch aus dem Mindener Klinikum sei zunächst eine Absage gekommen. Deswegen sei ein Hubschrauber bestellt worden, „weil gedacht wurde, die Frau muss nach Hannover geflogen werden“.

Der Hubschrauberarzt habe einen Transport dann aber abgelehnt. Die Körpertemperatur der Frau, die mehrere Tage hilflos in ihrer Wohnung gelegen hatte, sei auf 30 Grad abgesunken gewesen. „Da treten sehr oft Herzrhythmusstörungen auf.“ Auf diese könne im Hubschrauber aber nicht reagiert werden, „weil man an die Patientin da nicht herankommt.“

Sodann habe der Hubschrauberarzt in Minden mit eindringlichen Worten eine Aufnahme erwirkt. „Hubschrauberärzte haben da oft eine andere Position, da angenommen wird, dass die wirklich nur Schwerstfälle haben“, erläutert die Notärztin. Anschließend konnte die 79-Jährige ins Klinikum Minden gefahren werden.

Dieser Hergang spiegele eine generelle Situation wieder, berichtete die erfahrene Notärztin: „Wir haben ständig das Problem, um Betten betteln zu müssen.“ Und weiter: „Es gibt kaum einen Dienst in Schaumburg, wo ich nicht nach Minden fahren muss.“

Die Kapazität der Intensivstationen an den Krankenhäusern in Schaumburg sei ohnehin „nicht groß“. Hinzu komme aber, dass hiesige Ärzte „eher zurückhaltend sind, sich sehr schwere Fälle zuzutrauen“. Dieses Verhalten habe nach ihrer Beobachtung in der jüngeren Vergangenheit eher noch zugenommen.

Am Klinikum in Minden stelle sie des Öfteren fest, „dass die genervt sind davon, so viele Fälle aus Schaumburg antransportiert zu bekommen“, erzählte die Notärztin. Sie hoffe sehr, dass sich die Lage nach Inbetriebnahme des Gesamtklinikums Schaumburg deutlich verbessern werde, fügt die Expertin hinzu. Durchaus Verständnis bringt die Notärztin dafür auf, dass die Rettungssanitäter die Rentnerin für tot gehalten haben. Natürlich sei das ein Fehler gewesen. Aber: „Die Gesamtsituation hat sehr dafür gesprochen, dass die Frau tot ist, das hätte jedem passieren können“, sagt die Medizinerin – aus Rücksichtnahme auf die Patientin ohne Details zu nennen.

Dass die 79-Jährige mehrere Tage ohne Wasserzufuhr überhaupt überleben konnte, ist für die Notärztin „schon ein kleines Wunder“. Vermutlich habe das vor allem daran gelegen, „dass die Frau offenbar sehr schnell kalt geworden ist“. Dadurch habe der Organismus auf Minimalbetrieb geschaltet, was einen relativ stabilen Kreislauf zur Folge haben könne. Zudem habe die Rentnerin durch die niedrige Körpertemperatur vergleichsweise wenig Flüssigkeit verloren. Der Atem sei extrem flach gewesen. Auf die notärztliche Behandlung habe die Patientin sofort reagiert. Der Zustand der alten Frau habe sich in dieser Situation vor Ort den Umständen entsprechend rasch verbessert.



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