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24 Jugendliche landen nach Trinkexzessen in der Notaufnahme des Rintelner Krankenhauses

Polizei will bei Partys stärker k ontrollieren

Rinteln (crs). Immer mehr Jugendliche besaufen sich regelmäßig - und zwar in immer jüngeren Jahren. Diese besorgniserregende Entwicklung nimmt der Präventionsrat zum Anlass, für Rinteln eine breit angelegte Kampagne ins Leben zu rufen: "Saufen ist uncool". Dieses Bewusstsein soll die durch zahlreiche Institutionen gestützte Aktion vermitteln, unter anderem durch präventive Aufklärung, aber auch durch verstärkte Polizeikontrollen.

"Wir sind sensibilisiert durch die Nachrichten", erläutert Erster Stadtrat Jörg Schröder gemeinsam mit Polizeichef Gerhard Bogorinsky die Entstehungsgeschichte der Aktion. Dem Statistischen Bundesamt zufolge werden immer mehr Kinder und Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus eingeliefert, Motto "Saufen bis der Arzt kommt". Im Jahr 2000 registrierte das Bundesamt bundesweit 9500 junge Menschen, die wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt werden mussten - im Jahr 2005 waren es mit 19 400über doppelt so viele. Auch in Rinteln spiegelt sich diese Tendenz wider. Nach relativ stabilen Zahlen bis 2005 ist für die letzten beiden Jahre ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. 2005 wurden sieben Minderjährige wegen Alkohol-Missbrauchs in der Notaufnahme behandelt, 2006 waren es 15, im vergangenen Jahr 24. Dabei, so macht Schröder klar, handelt es sich dabei lediglich um eine Dunkelziffer: "Beim ersten Mal wird für den besoffenen 15-Jährigen noch der Notarzt alarmiert, beim zweiten Mal bleibt er vielleicht einfach in der Ecke liegen." Außerdem würden richtig schwere, lebensbedrohlichen Fälle oft direkt nach Mindeneingeliefert und damit in Rinteln nicht registriert. Diese Zahlen haben den Lenkungsausschuss des Präventionsrates zu der Kampagne veranlasst. In "intensiver Diskussion" haben sich Vertreter unter anderem von Jugendamt, Stadt, Polizei, Schulen, Vereinen, Kirchen, Kinderschutzbund und Krankenkassen mit dem Thema auseinandergesetzt. Mit einem einhelligen Ergebnis: "Alle Beteiligten bestätigen dieEntwicklung, haben ähnliche Erkenntnisse gesammelt", spricht Schröder von einer besorgniserregenden Tendenz über alle Schulformen hinweg. "Der Bundestrend findet auch hier in Rinteln statt." Der zunehmende Alkoholmissbrauch hat Auswirkungen auch auf die Kriminalitätsstatistik. "Bei den Rohheitsdelikten wie zum Beispiel Körperverletzung spielt Alkohol eine große Rolle", sagt Polizeichef Gerhard Bogorinsky. Dabei sei nicht unbedingt die Anzahl der Rohheitsdelikte gestiegen, aber deren Qualität: Bei gefährlicher Körperverletzung zum Beispiel verzeichnet Rintelns Polizei einen deutlichen Anstieg von 20 auf 38 Delikte. Noch eine weitere Zahl alarmiert: 11 Prozent aller Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss waren Jugendliche. Ein Problem sind vor allem die sogenannten "Rucksack- Touristen" - Jugendliche, die sich auföffentlichen oder halb-öffentlichen Partys die harten Getränke selber mitbringen. Bogorinsky schildert Extremsituationen, die für die Rintelner Beamten keine Ausnahmeerscheinung darstellen: "Es gibt nicht wenige Jugendliche, die sich in voller Absicht so schnell wie möglich betrinken wollen. Das ist ein Thema, das die Öffentlichkeit insgesamt angeht". So plädieren Bogorinsky und Schröder daher nachdrücklich für eine stärkere Sensibilisierung. An dieser Stelle will der Präventionsrat ansetzen. Zum einen sollen Verkaufsstellen gezielt um die Beachtung der Vorschriften nach dem Jugendschutzgesetz gebeten werden - also Supermärkte oder Tankstellen, wo Jugendliche sich zu später Stunde Alkohol besorgen. Geplant ist eine Kampagne mit einem eigens zu entwickelnden Logo. "Uns ist klar, dass wir dadurch den Nachschub nicht realistischerweise grundsätzlich abschneiden können, aber es geht uns um die Bewusstseinsbildung", sagt Schröder. Zusätzlich wird mit Vereinen und anderen Institutionen kooperiert, um diese eine Botschaft rüberzubringen: "Saufen ist nicht cool - das müssen wir in die Köpfe bringen." Zusätzlich zu dieser präventiven Aufklärungskampagne wird es auch eine "repressive Phase" geben, mit stärkeren Polizeikontrollen auf Partys und bei öffentlichen Veranstaltungen. Denn Kontrollen durch uniformierte Beamte zeigen Wirkung, berichtet Bogorinsky von langjährigen Erfahrungen: "Da habenwir schon Erfolge erzielen können." Zum 1. Mai soll das Programm des Präventionsrates endgültig stehen. Der Termin ist nicht ohne Grund gewählt: In diesem Jahr fällt auch der Vatertag auf den Maifeiertag - dann steigen die Partys, für viele Jugendliche Anlass zum Saufen...




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