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Edathy: "Import fällt kaum ins Gewicht" / Winkelhake: "Selbstverständlich ist das Pfusch"

Politiker und Praktiker diskutieren Zahnersatz

Bückeburg (bus). Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat während eines Besuchs der Bückeburger Zahntechnik Winkelhake& Schulz GmbH Informationenüber die aktuelle Lage der Zahntechniker und -ärzte gesammelt. Im Dialog mit den GmbH-Inhabern Kurt Winkelhake und Achim Schulz sowie dem Zahnarzt Dr. Stefan Krömer (Auetal) kamen insbesondere die Rolle der gesetzlichen Krankenkassen im Zusammenhang mit Zahnersatzangeboten aus sogenannten Billiglohnländern und deren Qualität zur Spra che.

Stefan Krömer, Achim Schulze und Kurt Winkelhake im Gespräch mit

Die Niedersächsische Zahn- techniker-Innung (NZI) hatte in einer vom Bückeburger Labor angeregten Pressemitteilung vor einer starken Gefährdung der wohnortnahen Zahnersatzversorgung gewarnt. Bei der Versorgung existiere ein Preiskampf, der die Labore landesweit vor katastrophale Probleme stelle, war festgestellt worden. Winkelhake und Schulz hatten über "bedrohliche Umsatzrückgänge und eine akute Gefährdung von Arbeitsplätzen" berichtet. Dabei war den Betroffenen das Mitwirken der Kassen unangenehm aufgestoßen. Diese richteten mit Beitragsgeldern finanzierte Internetportale ein, die Preisvergleiche mit Anbietern aus Billiglohnländern ohne vergleichbare Sozialschutzgesetzgebung ermöglichten, hieß es. Edathy konfrontierte seine Gesprächspartner mit aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums, denen zufolge der Import bei Zahnersatz (das europäische Ausland und die USA eingerechnet) mit etwa zwei Prozent kaum ins Gewicht falle. Das sei kein Grund, den Teufel an die Wand zu malen, erklärte der Politiker. Nach seiner Auffassung sollten die Kassen bei guter Qualität inländischen Anbietern den Vorzug geben. Bei gleicher Qualität sei es nachvollziehbar, dass billigere Anbieter zum Zuge kämen. Edathys Gegenüber schätzten den Importanteil auf etwa 20 Prozent und führten außer grundsätzlichen gesundheitspolitischen Bedenken (Winkelhake: "Wir befinden uns auf dem Weg in die Staats- medizin") die Vorteile standortnaher Versorgung ins Feld. "Chinesische Techniker können sich auf meine Arbeitsunterlagen nicht einstellen", stellte Krömer fest. In China werde Zahnersatz am Fließband produziert, ergänzte Winkelhake. "Selbstverständlich ist das Pfusch." Darüber hinaus monierten die Gastgeber, dass die Kassen ausländische Anbieter protegierten und den Mitgliedern Informationen vorenthielten. Der Bundestagsabgeordnete kündigte an, weitere Informationen über den Vorwurf des Transparenzmangels in den Krankenkassenveröffentlichungen einholen zu wollen sowie der Frage nach objektiven Qualitätsuntersuchungen auf der Spur zu bleiben. Unterdessen sorgte in den USA belasteter Zahnersatz aus China für Unruhe. Der "Spectator Dentistry" schilderte in seiner April-Ausgabe einen Vorfall aus Ohio, bei dem eine hohe Blei-Kontamination in einer zahnprothetischen Arbeit aus China festgestellt wurde. Der gemessene Wert übertraf den Grenzwert um mehr als das Doppelte. Derzeit prüfen amerikanische Verbände und Behörden, ob es sich um einen Einzelfall handelt.



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