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Deutliche Worte des scheidenden Ärztlichen Direktor Dr. Axel Rinne nach fast 25 Jahren bei Bethel

Politik bringt Mitarbeiter an ihre Grenzen

Bückeburg (rc). Theoretisch müsste jeder Bückeburger und Bewohner aus dem Einzugsgebiet des Krankenhauses Bethel schon von Dr. Axel Rinne behandelt worden sein. 50 000 stationäre Krankenhausaufenthalte, die unter seine Verantwortung als Chefarzt der Inneren Abteilung und als Ärztlicher Direktor des Krankenhauses fallen: Diese Zahl nannte er, als er nach fast 25-jähriger Tätigkeit in leitender Funktion in den Ruhestand verabschiedet wurde. Rund 160 geladene Gäste, darunter eine hohe Zahl von Mitarbeitern, waren ins Gemeindehaus neben der Stadtkirche gekommen, um ihren Chef in den Ruhestand zu verabschieden.

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Mit der Wahl des Abschiedsortes brachte Dr. Rinne seine tiefe Verbundenheit zur Stadtkirchengemeinde und natürlich dem Evangelischen Krankenhaus Bethel zum Ausdruck. „Dr. Rinne hat seinen Dienst immer als gelebten Glauben verstanden“, sagte Stadtkirchen-Pastor Dr. Wieland Kastning: „Dr. Rinne hat die Hilfe am Kranken immer auch als diakonischen Dienst verstanden.“ Das Krankenhaus Bethel werde nun in den größeren Verbund des Klinikums „hineingehen“, so Kastning weiter: „Wir hoffen, dass Bethel hineingeht und das Klinikum ein klares diakonisches Profil hat.“ Es werde nicht einfacher zu fühlen: „Das ist unser Krankenhaus, das ist unsere Diakonie.“ Oder wie es Altbischof Dr. Jürgen Johannesdotter formulierte: „Wir sind an einem entscheidenden Wendepunkt, Bethel sucht seinen künftigen gemeinsamen Weg mit Stadthagen und Rinteln.“ Und weiter: „Wir haben ein mutiges, manchmal auch unsicheres Ja zu den Veränderungen gesagt.“ An den scheidenden Chefarzt gewandt: „Nach 25 Jahren würde man in Ostfriesland sagen ‚Wir hatten uns gerade an ihn gewöhnt‘.“

Der Sprecher der Geschäftsführung, Ralph Freiherr von Follenius zitierte Wagners „Götterdämmerung“, um die Verdienste Dr. Rinnes zu würdigen: keine Selbstherrlichkeit, kein Streben nach Reichtum, keine Intrigen, vielmehr ein Fels in der Brandung, besonnen, zurückhaltend, ein strategischer Kopf, der seine Ziele nie aus den Augen verloren hat, der Mitarbeiter und das Krankenhaus Bethel auf einem langen Weg maßgeblich begleitet und für ein gutes Betriebsklima gesorgt hat: „Sie haben Spuren an allen drei Krankenhaus-Standorten in Schaumburg hinterlassen.“

Er fühle sich „überraschend gut im Ruhestand“, stellte Dr. Rinne selbst fest. Neben der fulminanten technischen Entwicklung der Medizin in diesen 25 Jahren sei organisatorisch besonders einschneidend die Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf das sogenannte Fallpauschalensystem gewesen. Hierzu merkte er kritisch an, dass das politisch gewollte Diktat der Ökonomie die Mitarbeiter an die Grenze des Machbaren und teils darüber hinaus bringt und auch den Patienten nicht gut tut. Die aktuelle öffentliche Diskussion über „Burnout“ in der Krankenpflege und anderen Sozialbereichen wie auch über rasch zunehmende Operationszahlen in bestimmten „lukrativen“ Bereichen seien nur die „Spitze des Eisbergs“.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus Bethel riet Dr. Rinne, sich den offenen ganzheitlichen individuellen Zugang zum hilfsbedürftigen kranken Menschen zu bewahren. Der Geschäftsführung gab er mit auf den Weg, dass „nur zufriedene Mitarbeiter auch den geschäftlichen Erfolg eines Krankenhauses sicherstellen“. Stehende Ovationen zum Abschluss.

Dr. Rinne hat eine ganzheitlich orientierte Innere Medizin vertreten, die er unter vier hervorzuhebenden Gesichtspunkten gesehen hat: menschlich zugewandt und professionell, regional vernetzt und christlich diakonisch geprägt. In den 25 Jahren seiner Tätigkeit im Evangelischen Krankenhaus Bethel erhöhte sich die stationäre Patientenzahl der Abteilung von knapp 1200 auf zuletzt 2700 Patienten im Jahr 2012. Dabei wurde die Verweildauer, also die Zeit, in der die Patienten für Ihre Behandlung im Krankenhaus verweilten, von durchschnittlich 15 Tagen im Jahr 1988 auf unter sieben Tage im Jahr 2012 gesenkt.

Ein wenig stolz ist er auf sein stabiles Mitarbeiterteam, auf das er sich immer verlassen konnte. In Zeiten des immer deutlicher werdenden Ärztemangels – gerade im ländlichen Bereich und in kleinen Krankenhäusern – sei ein stabiles Team mit langjährig erfahrenen Fach- und Assistenzärzten ohne zusätzliche externe „Honorarkräfte“ heute eher eine Seltenheit. So freue er sich auch, dass die Leitung der Abteilung zukünftig in den Händen seines langjährigen vertretenden Oberarztes, Dr. Andreas Kronjäger liegt: „Damit ist fachlich eine hervorragende Versorgung und auch Kontinuität gesichert. Im Hinblick auf das geplante Neubauklinikum können mit ihm auch neue Akzente gesetzt werden.“

Nach dem Studium der Medizin, hauptsächlich in Göttingen, und Stationen in Bremen sowie in den Kreiskrankenhäusern Rinteln und Stadthagen, kam Dr. Rinne 1988 als Oberarzt nach Bückeburg. Von seinem Vorgänger Dr. Ulrich Tiggemann übernahm er 1993 als Chefarzt die Abteilung für Innere Medizin. Anfang 2012 übernahm er zudem die Funktion des Ärztlichen Direktors bei Bethel, war zudem stellvertretender standortübergreifender Direktor und „absoluter Experte“ für Qualitätsmanagement.



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