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Viele haben kaum Kontakt zur Kirche

"Pilgerboom ist eine moderne Suchbewegung"

Loccum (epd). Die zunehmende Beliebtheit des Pilgerns ist nach Ansicht der evangelischen Pastorin Maike Selmayr Ausdruck einer modernen Suchbewegung. Selmayr betreut als einzige hauptamtliche Pilger-Pastorin in Deutschland im Kloster Loccum Wanderer, die von dort bis zum rund 300 Kilometer entfernten Volkenroda in Thüringen pilgern.

"Die meisten von ihnen suchen eine neue Perspektive nach biografischen Umbrüchen wie dem Eintritt in den Ruhestand, einer Trennung oder einem beruflichen Neuanfang", sagte die Pastorin im Pressegespräch. Die Pilger wünschten sich Orientierung in ihrem Leben und wollten eine im weiteren Sinn religiöse Erfahrung machen, erläuterte Selmayr: "Es ist eine Sinnsuche in neuen Lebenssituationen." Dazu müsse man heraus aus dem Gewohnten. Zu den Aufgaben der Pastorin gehört es, Gruppen zu begleiten. Viele empfänden die Bewegung, Stille und Impulse wie Lieder oder Gebete als hilfreich, sagte sie. "Besonders wichtig ist es, ihnen den Pilgersegen zuzusprechen." Das unterscheide für viele den Weg von Beginn an von einer Wanderung: "Es wird innerlich etwas umgestellt." Rund 3000 Menschen sind den Weg von Loccum nach Volkenroda nach Schätzungen der hannoverschen Landeskirche im vergangenen Jahr gegangen. Etwa jeder Dritte habe die gesamte Strecke zurückgelegt, sagte Selmayr. Es gebe steigenden Zulauf auf dem 2005 eröffneten Weg. Derzeit bildet die Pastorin 18 Ehrenamtliche zu Pilgerbegleitern aus: "Sonst lassen sich die Anfragen nicht mehr bewältigen." Zu 70 Prozent bestünden die Pilgergruppen aus Menschen, die sonst keinen Kontakt zur Kirche haben. Die Pastorin warnt allerdings vorübersteigerten Erwartungen: "Glaubenserfahrungen sind immer subjektiv und lassen sich nicht erzwingen." Der eine erlebe herrliches Wetter, blühende Gärten und habe keine Blasen an den Füßen, der andere habe auf dem Weg nur Regen und wunde Füße. Sie fordere die Menschen dann dazu auf, Gott inallen Lebenslagen als Begleiter zu entdecken. "Pilger sind keine Touristen", sagte Selmayr. Sie hätten ganz andere Erwartungen und Bedürfnisse, die sich in Deutschland nicht überall erfüllen ließen. In Loccum hat die Kirche auch eine Herberge und eine eigene Kapelle für die Pilger eröffnet. Billige Unterkünfte, wie es sie entlang dem Jakobsweg in Spanien gebe, seien ansonsten jedoch schwer zu finden. Selmayr rät vor allem zu einer guten Vorbereitung. Für den Pilgerweg Loccum-Volkenroda hat sie gemeinsam mit dem Abt des Klosters Loccum, dem ehemaligen Landesbischof Horst Hirschler, ein Buch mit geistlichen Impulsen veröffentlicht. Einen weiteren Pilgerführer hat der Journalist Jens Gundlach verfasst.Anregungen finden sich auch in einem Handbuch des Pilgerns, das die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann herausgegeben hat.




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