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Der Weggang ihres Seelsorgers ist für die Katholiken Herausforderung und Chance zugleich

Pfarrer Baumert hinterlässt große Lücke

Die St. Johannes Baptist Kirche war in das Licht von zahllosen kleinen Osterkerzen getaucht, die die Besucher vor sich aufgestellt hatten. Die formale „Entpflichtung“ von Bernhard Baumert als Pfarrer der katholischen Gemeinde und sein Abschied wurden so zu einer zu Herzen gehenden Veranstaltung.

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Autor:

Christoph Huppert

Bad Münder. Die liturgische Form der Vesper hatte sich der scheidende Pfarrer selber ausgesucht. Im Mittelpunkt steht dabei neben anderen Gesängen das von Gemeinde und Schola gemeinsam gesungene „Magnificat“, Wortanteile treten zugunsten von Gesang in den Huntergrund. Die St. Johannes Baptist Kirche war zudem in das Licht von zahllosen kleinen Osterkerzen getaucht, die jeder Besucher vor sich aufgestellt hatte. Die formale „Entpflichtung“ von Bernhard Baumert als Pfarrer der katholischen Gemeinde wurde so zu einer zu Herzen gehenden Veranstaltung.

Der unter einer Hörbehinderung leidende Seelsorger machte in der Vesper klar, dass für ihn der Weggang auch die Chance sei, das Hören und damit die Sprache und das Verstehen neu zu lernen und entdecken. Baumert, der sechs Jahre lang in Bad Münder tätig war, habe mitgeholfen, neue Wege zu gehen, so die stellvertretende Pastoralratsvorsitzende Dr. Maria Ballmaier. Etwa bei der Erstkommunionskatechese oder der Form des Familiengottesdienstes. Zwar sei die Zusammenarbeit mit Baumert anfangs „durchaus ruckelig“ gewesen, und es habe Zeit gebraucht, bis durch Gespräche Vertrauen gewachsen sei, nun aber hinterlasse Baumert doch eine sehr große Lücke.

„Solche Wechsel sind in der Regel nicht einfach“, weiß auch der Hamelner Pastoralratsreferent Hans-Georg Spangenberger. Dennoch böten Versetzungen immer auch die Chance, neue Erfahrungen zu machen, alte Aufgaben loszulassen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. „Es gibt, wie man heute Abend eindrucksvoll sieht, viele Formen der Predigt. Musik, Atmosphäre, Gemeindegesang, da ist die Sprechpredigt nur eine von vielen Formen“, so Spangenberger.

Abschiedsworte an den scheidenden Seelsorger kamen von alten Weggefährten über Berufskollegen der eigenen wie auch der evangelischen Kirche, aber auch von Hospizleiterin Agnes Schulze-Althoff, die an den kommissarischen Leiter der Gemeinde, den Hamelner Dechant Joachim Wingert die eindringliche Bitte richtete, auch weiterhin den Seelsorgedienst im Hospiz aufrecht zu erhalten.

„Es wird vieles sterben“, klagte Maria Ballmeier. Sie sieht durch die Vakanz, die Nichtneubesetzung der Münderaner Pfarrstelle, massive Einschränkungen auf die Gemeindearbeit zukommen. „Das wird von Seelsorge und Gottesdienst, dem Aufbau der Ehrenamtlichenarbeit bis zu ganz praktischen Sachen wie dem Küsterdienst reichen.“ Viele Dinge müssten demnächst auf ihren Nutzen hin neu hinterfragt werden. Massive Einschränkung oder massive Anstrengung seien das Gebot der Stunde. „Wir werden die ehrenamtlichen Aufgaben ganz erheblich ausweiten müssen“, ist sich Ballmeier sicher – und bedauert mit Blick aufs Bistum: „Leider gibt es gibt da auch viele Sachen, die wir nicht dürfen.“

Der eklatante Nachwuchsmangel im Bistum – gerade mal ein Priester wird zu Ostern die Weihe empfangen – zwingt die Kirchenoberen jedoch zum Handeln. „Schrittweise wird Verantwortung auf ehrenamtliche Leitungsteams übertragen werden müssen“, stellt Hermann Wessling, stellvertretender Vorsitzender des Dekanatspastoralrats Weserbergland, fest. „Die werden dann je nach Charisma, Befähigung und Neigung entsprechende Aufgaben wahrnehmen müssen.“ Auch die Rolle des hauptamtlichen Seelsorgers sieht Wessling im Wandel. Der werde künftig als eine Form von Seelsorge-Manager „Ehrenamtliche beraten, begleiten und führen“ müssen. Das Fazit vieler Besucher der Verabschiedung: Der Weggang Baumerts wird eine Lücke reißen – doch eröffnen sich durch die neue Situation auch neue Herausforderungen und Chancen.



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