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Peter Mönkeberg: Der Helfer des Weihnachtsmanns

BAD MÜNDER. Es poltert auf dem Flur, dann klopft es an der Tür, ein roter Schatten scheint durchs Glas. Bedächtig tritt er ein, der Weihnachtsmann. Mit jedem Schritt läuten zwei Glocken am Ende seines Gürtels. „Von drauß‘ vom Walde komm ich her“, sagt der weißbärtige Mann, „ich muss Euch sagen es weihnachtet sehr“.

Ho ho ho: Drauß‘ von der Straße kommt Peter Mönkeberg her und zeigt Kindern, es weihnachtet sehr. Seit mehr als 20 Jahren spielt er Heiligabend den Weihnachtsmann. Nur dieses Jahr nicht. Fotos: Grube

Autor:

Jana Grube

Er setzt sich, nimmt seinen mit roten und goldenen Schleifen verzierten Jutesack auf den Schoß und lacht.

Die Verwandlung ist verblüffend. Noch vor wenigen Minuten saß dort Peter Mönkeberg und erzählte seine Geschichte. Ein 78 Jahre alter Münderaner mit kurzen grauen Haaren, dessen freundliches Gesicht weder Brille noch Bart zieren. Als Weihnachtsmann aufzutreten, sagt er, komme von Herzen. Seit mehr als 20 Jahren zaubert er ein Lächeln in junge wie alte Gesichter. Nur in diesem Jahr nicht. Krankheitsbedingt muss er als Weihnachtsmann pausieren. „Das tut weh“, bedauert Mönkeberg.

An die Anfänge erinnert er sich noch ganz genau. Bei der Weihnachtsfeier der münderschen Feuerwehr – seit mehr als 70 Jahren ist er mittlerweile Mitglied – klagte ihm die Mutter eines sechsjährigen Jungen ihr Leid: „Wenn ich doch bloß einen Weihnachtsmann finden würde.“ Überlegen musste Mönkeberg nicht. Nur fehlte ihm ein passendes Kostüm. Genau das erzählte der einstige Schwimmmeister einem Badegast. Die Dame überlegte ebenfalls nicht und nähte ihm den roten Mantel, den er seither trägt. Den hege und pflege er besser als seinen guten Anzug, lacht seine Frau Herta.

Der erste Auftritt, „der war so schön, das glauben Sie nicht“, schwärmt Mönkeberg. „Alle Lichter und Kerzen waren an, es war so romantisch, die Musik lief leise und der kleine Kerl stand da mit großen Augen.“ Weil es sein eigenes Herz so erfreut hatte, wurde aus dem einen Spaziergang ein alljährliches Ritual, das bis zu neun Familien am Heiligabend erfreute. Jeder Auftritt des Weihnachtsmanns ist anders – wenn er denn kommt. Dass er einmal einen Besuch verschwitzt hat, lässt ihn heute herzhaft lachen. Damals habe der Sprössling der betroffenen Familie bei den Mönkebergs angerufen. „Lieber, guter Weihnachtsmann…“, begann er durch das Telefon zu dichten. Dieser hetzte mit der Ausrede, seine Rentiere wären abgehauen, los. Chauffiert wurde und wird er von seinem Sohn Andreas. Sein lustigstes Erlebnis war gleichzeitig das brenzligste: Während einer Bescherung fing der Backofen Feuer. Gut, dass es in Bad Münder einen Santa Claus mit Brandschutzausbildung gibt. „Da hat der Weihnachtsmann einen Brand löschen müssen“, schmunzelt dieser. Der Braten allerdings war hinüber. Was es bei ihm aber nie geben wird, sei Ärger. „Ich bin nicht da, um die Kinder zu erziehen“, meint der Senior. Nicht mehr wegzudenken ist der Mönkeberg-Weihnachtsmann auch vom Weihnachtskonzert des Feuerwehrmusikzugs, bei dem er mithilfe einiger Engel an alle anwesenden Kinder Geschenke verteilt.

An der Wohnzimmerwand hängt ein Foto, das Mönkeberg in voller roter Montur zeigt. Neben ihm grient ein kleiner Junge in die Kamera. Es ist der dreijährige Enkel Marcel, der seinen Opa unter den weißen Haaren nicht erkannt hat. „Das war immer so schön“, erinnert sich Mönkebergs Tochter Ulrike. Ihr sei es wichtig gewesen, den Glauben an den Weihnachtsmann so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Heute tritt ihr 21-jähriger Sohn in die Stiefelstapfen seines Großvaters. Für Freunde wird er zum Weihnachtsmann.

Mit der Kostümierung verschwinden seine eigenen Sorgen, sagt Mönkeberg durch den bauschigen weißen Bart: „Der Weihnachtsmann, der vor Ihnen steht, ist bestrebt, Menschen eine Freude zu machen“. Er wolle das geben, was ihm selbst gefehlt habe.



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