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Perlende Pianoläufe bei „Midsome“ in der Wanderscheune

FLEGESSEN. Ihr guter Ruf musste ihnen vorausgeeilt sein, diesen vier gut aufgelegten Barden aus Hameln, die sich „midsomer“ nennen. Anders ist nicht zu erklären, dass so viele Fans nach Flegessen gekommen waren und die Dorfstraßen rund um das Hofcafé schon lange vor Beginn vollgeparkt waren.

„Midsomer“ begeisterten in der Wanderscheune (v.l.n.r.): Rüdiger Meyer (Klavier), Marlene Börder-Carmine (Gesang), Boris Faehndrich (Schlagzeug) und Tobias Carmine (Kontrabass und E-Bass). Foto: Honig

Autor

Gerhard Honig Reporter

Als sie loslegten mit dem Titel „Another Day“ auf der eigens von ihnen umgeräumten Bühne – weg vom Ende der Wanderscheune und hin zur linken Längsseite und somit quasi mitten im Publikum – kam sofort das wohlige Gefühl für „cool Jazz“ auf, nicht zuletzt durch das Outfit: die drei Herren im weißen Oberhemd, die blonde Vokalistin im langen Schwarzen.

Es stimmten auch stets der Pianist Rüdiger Meyer, der Schlagzeuger Boris Faehndrich und Tobias Carmine am Kontrabass mit der Sängerin Marlene Börder-Carmine harmonisch überein. Auch durch ihre Körpersprache, durch Blickkontakte während kniffliger Passagen und entspanntes Lächeln am Ende eines Stücks hatten sie schnell alle Sympathien der Besucher gewonnen.

Wenn skandinavischer Jazz angekündigt wurde, fiel hierbei die aufs Wesentliche beschränkte Instrumentalisierung eher angenehm auf: Niemand vermisste Trompete oder Klarinette, Gitarre oder Banjo. Dafür gefielen ein offenbar in seine Trommeln und Percussion-Instrumente verliebter Boris Faehndrich, als er Soli mit Schlitztrommel oder Xylofon hinlegte und die Leute begeistert mitgingen sowie Tobias Carmine, wenn er dem ihn um Haupteslänge überragenden Kontrabass in tief gebückter Haltung die höchsten Töne entlockte. Ging es oft auch ruppig und gnadenlos im Beat und mit perlenden Pianoläufen durch die Stücke, so gab es stets ein fast versöhnliches Finale der ganz leisen Harmonien bis zum kaum noch hörbaren Ersterben des Tons, skandinavisch vornehm halt, dafür aber mit frenetischem Applaus der Gäste.

Wie Marlene Börder-Carmine erzählte, entstamme sie einer dänischen Familie und habe von daher einen Hang zu skandinavischen Komponisten wie Marlene Mortensen oder Jacob Karlson.

Inse Brandes vom Hofcafé verlieh ihrer Sehnsucht nach dem Mittsommer Ausdruck: „Seit fünf Jahren haben wir auf diesen Abend gewartet, nachdem sie ja 2005 schon das erste Mal hier aufgetreten waren.“ Als die stürmisch geforderten Zugaben mit dem stark verjazzten deutschen Volkslied „Weißt du wie viel Sternlein stehen…“ sowie mit „Green Little Butterfly“ verklungen waren, entließ die sichtlich geschaffte Band „midsomer“ ihre Gäste in die Vorfrühlingsnacht.

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