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"Little Miss Sunshine", eine tragikomische Familiengeschichte im Metropol Steinbergen

"Pech gehabt, ist die Ausrede der Verlierer"

Wer an einem trüben Wintertag im Kino gute Laune tanken will, der soll sich "Little Miss Sunshine" ansehen, am besten zusammen mit Freunden, denn diese amerikanische Familiengeschichte rund um ein gerade richtig dickes Mädchen bringt nicht nur zum Lachen, sondern bietet auch genug Stoff für Gespräche.

Dieses kleine Mädchen schafft es, für den Schönheitswettbewerb "

Autor:

Cornelia Kurth

Dabei ist es ein Rätsel, wie es dem Regisseurpaar Jonathan Dayton und Valerie Faris mit ihrem 2006 herausgekommenen Erstling gelingen konnte, aus einer eher albern klingenden Story einen so bewegenden Film zu machen, dass er in den USA zum Riesenerfolg werden konnte und jetzt als Favorit für die Oskar-Nominierungen gilt. Ein kleines, pummeliges Mädchen schafft es irgendwie, für den Schönheitswettbewerb "Little Miss Sunshine" ausgewählt zu werden und die ganze abgedrehte Familie setzt sich in einen uralten VW-Bus, um das Töchterlein über 1500 Meilen nach Kalifornien zu begleiten, wo es dann zwangsläufig zu einem Eklat kommt. Da ist Vater Richard, ein gescheiterter Unternehmer, der nun das Buch "Die neun Stufen zum Erfolg" veröffentlichen will und die Familie nervt mit Sätzen wie: "?Pech gehabt' ist die Ausrede der Verlierer". Da ist der 15-jährige Dwayne, der auf die Frage, warum er seit Monaten nicht mehr spricht, auf einen Zettel schreibt "I hate everyone!" und wenn Onkel Frank nachhakt: "Was ist mit deiner Familie?" das Wort "everyone" unterstreicht. Onkel Frank selbst hat gerade einen Selbstmordversuch hinter sich, weil er sich in einen Studenten verliebte und sein Konkurrent ihm nicht nur diesen Studenten, sondern auch den "Geniepreis" für den besten Proust-Kenner wegschnappte. Nun sitzt er am Mittagstisch seiner Schwester, gegenüber vom heroinschnupfenden Großvater, der ordinäre Sprüche klopft, und der einzige Lichtblick ist die süße, kleine Olive mit ihrer riesengroßen Brille, die ihn ungeniert ausfragt über die beiden Verbände, die er am Handgelenk trägt. Zum Roadmovie wird der Film mit seinen durchwegüberzeugenden Schauspielern, als diese sich so gar nicht auf den "Stufen des Erfolgs" befindliche Familientruppe in den gelben VW-Bus steigt und zu einem kleinen Abenteuer aufbricht, das in Wirklichkeit das Abenteuer des Lebens ist. Der alte Bus, in dem es alle auf engstem Raum miteinander aushalten müssen, ist zugleich der Ort, an dem sich die Charaktere zwischen allerlei Katastrophen mit all ihren komischen Schwächen und dann doch erstaunlichen Stärken entfalten. Als sie schließlich in Kalifornien anlangen und die Show der kleinen Olive, die, einstudiert mit dem Großvater, so gar nicht in die absurde Püppchenwelt des Schönheitswettbewerbes passt, da hat man sich schon längst in die Familie verliebt, die ihre Probe so wacker bestanden hat. Auf eine wunderbare Weise spricht sich der Film für das Durchhalten aus, für das Wagnis, nicht zu fliehen, sondern zusammenzuhalten. Der Gewinn besteht vielleicht nicht im Aufstieg zum Erfolg, sondern darin, sich dem eigenen Leben zu stellen. Und es lieben zu lernen.



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