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"Als wäre es gestern gewesen" - Auf Anhieb von Kirche aus dem 12. Jahrhundert begeistert / Musikalische Überraschung

Pastor Heinz-Dieter Wittenborn feierlich verabschiedet

Hülsede (tes). Die St.-Aegidien-Kirche ist voll besetzt gewesen. Wie gewohnt, stieg Pastor Heinz-Dieter Wittenborn auf die Kanzel, untermalte seine Worte mit ausholenden Gesten. Gebannt lauschte die Gemeinde. Doch es war anders als sonst: Diese Predigt war zugleich die letzte, die Wittenborn vor seiner Pensionierung hielt.

Heinz-Dieter Wittenborn

1988 ist Wittenborn mit seiner Familie nach Hülsede gezogen und habe Ort und Gemeinde "von Jahr zu Jahr lieber gewonnen". Als wäre es gestern gewesen, erinnerte sich der Pastor auch an den Tag als er zum ersten Mal nach Hülsede kam. Beim "lieblichen Geruch von den Schweinen des benachbarten Bauern" seien Kindheitserinnerungen wach geworden: "Wir sind auf dem Land angekommen", habe Ehefrau Ilse damals gesagt. Besonders die als Weltkulturerbe vorgeschlagene Kirche aus dem 12. Jahrhundert begeisterte das Ehepaar auf Anhieb. Angesichts der Kirchenbilder habe Wittenborn sich sofort gefragt, warum damals nicht mit diesen Unikaten für die vakante Pfarrstelle geworben wurde. "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses", mit diesen Worten dachte der Pastor an die vielen Gruppen zurück, denen er anhand dieser Deckenbilder die biblischen Aussagen erklärt hatte. Noch mehr bedeutete diesem den Konfirmanden zu helfen, "Vertrauen in Gott zu finden". Auf eigenen Wunsch verabschiedete sich Wittenborn mit einem Abendmahlgottesdienst von seiner Gemeinde. "Mit der Liebe Gottes und getragen von der Gemeinschaft aller Mitarbeiter in Gemeinde und Kirchenkreis" habe er seinen Dienst "mit dem Schwung des Herzens" erfüllt. Humor und Herzlichkeit zeichnet den Pastor bis heute aus: "Ich bin mir treu geblieben", schmunzelte Wittenborn als er nach dem Gesang "den Verlust einer Zeile" bemerkte. Eine weitere Stärke werden die Gemeindemitglieder vermissen: die gemeinsamen Gottesdienste des Ehepaars Wittenborn. "Herzlichen Dank an die Chorgemeinschaft Lauenau/Messenkamp unter der Leitung von Christiane Ziegler und Organist Cornelius Schneider-Pungs", honorierte der Geistliche die musikalische Unterstützung. Die Gemeinde wird in Zukunft von Lauenau durch Pastor Dieter Meimbresse und Diakonin Andrea Nieragden mitversorgt. Ilse Wittenborn, die auch im Kirchenradio aktiv ist, bleibt der Gemeinde weiter erhalten: "Ich werde hin und wieder predigen", versprach die Prädikantin. Der Pastor ist kein Freund großer Worte um die eigene Person. So zollte Superintendent Andreas Kühne-Glaser dem Geistlichen ohne Grußwort Anerkennung und Dank. Einer Überraschung seiner Gemeinde konnte sich Wittenborn jedoch nicht entziehen. Zum Abschied hatte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Clement Christian Stummeyer, den Text des Abschlussliedes mit einer Zusatzstrophe angepasst: "Pastor Wittenborn, wir wollen danken für die gute Zeit" sang die Gemeinde und spendete herzlichen Beifall für dessen Lebenswerk.

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